Graue Maus trifft tollen Typen: Wie oberflächlich macht uns die Liebe? Und wie blind? Auf butterweiche Weise sucht die ARD-Wohlfühl-RomCom "Song für Mia" nach Antworten.

Von "Kokowääh" bis "Vaterfreuden": Die Zuständigkeit für hiesige Kino-Liebeskomödien, auf Neudeutsch: RomComs, schien zuletzt offiziell auf Til Schweiger und Matthias Schweighöfer übertragen worden zu sein. Im Fernsehen sieht es anders aus – was nicht zwingend auch besser heißt. Selbst vom angloamerikanischen Liebes(film)spiel abgekupferte Varianten à la "Alles ist Liebe" wollen nicht richtig zünden. Nun also ein weiterer Versuch des Genres – diesmal in der ARD und basierend auf der schwedischen Vorlage "Ego", die in "Song für Mia" einfach nachgespielt wird: Ein oberflächlicher, selbstverliebter Musiker wird plötzlich blind – und stellt sein früheres Leben infrage, als er sich in seine graumäusige Pflegerin verliebt. Trotz hochtalentierter Hauptdarsteller gerät die RomCom nicht gerade zum Hit, sondern eher zum butterweichen Wohlfühl-Geklimper.

Tim Oliver Schultz ("Club der roten Bänder", "Heilstätten") und Paula Kalenberg ("St. Josef am Berg"), zwei beachtenswerte deutsche Schauspieler Anfang 30, kennen sich auf professioneller Ebene schon gut. Bereits 2013 spielten beide in der Musikkomödie "Systemfehler – Wenn Inge tanzt" gemeinsam, und schon damals hielten sie ihr Talent für gefühlige, doch hübsch unterhaltende Oberflächlichkeiten samt musikalischer Einsprengsel hin.

Fünf Jahre später machen beide einfach da weiter, wo sie zusammen aufgehört haben. Schultz gibt in "Song für Mia" den eitlen Narzissten Sebastian, einen neoliberalen Schnösel vor dem Herrn, der sein Leben damit verbringt, sich schick anzuziehen, Frauen in Clubs aufzureißen und auf den großen Durchbruch als seichter Pop-Songwriter zu hoffen. Eines Tages, er hat gerade seinen ersten Plattenvertrag klargemacht, läuft er mit voller Wucht vor ein Baugerüst und kann plötzlich nichts mehr sehen. Fortan blind, wird ihm eine Pflegerin an die Seite gestellt – die von Kalenberg gespielte Mia, ein graues Mäuschen, die sonst in Sebastians Welt nichts zu suchen hat.

Die Geschichte, samt Figurennamen und Handlung exakt vom schwedischen Original übertragen, wird fortan zum irgendwie moralisch appellierenden, irgendwie lustigen und irgendwie auch nichtssagenden Soap-Stück. Der blinde Sebastian besinnt sich auf die wahren Werte, erlebt echte Gefühle abseits der gockeligen Yuppie-Welt. Er verliebt sich in Mia, von der er nicht weiß, wie sie aussieht. Und sie in ihn, obwohl er ihrem Ideal überhaupt nicht entspricht. Ja, mit einem heimlich online gestellten YouTube-Video macht sie Sebastian sogar als Musiker zum Star – fortan bekannt als "blinder Romantiker".

Als eine Operation dem nunmehr bescheiden auftretenden Musiker wieder Sehkraft zu versprechen scheint, wird die frische Liebe der beiden auf die Probe gestellt: Wie oberflächlich verlieben wir uns eigentlich? Wie halten wir es mit Aussehen und "inneren Werten"? Alte und wichtige Fragen, die "Song für Mia" auf das altbekannte Geiler-Typ-trifft-auf-unscheinbares-Mädel" herunterbricht.

Der Film unter der Regie von Mira Thiel bewegt sich zwischen lustig-philosophischen Ansätzen ("Aussehen ist wichtig, wer was anderes behauptet lügt oder ist hässlich"), wirklich guten Gags ("Ist das Heiner Lauterbach – Nee, nur ein Nordic Walker") und jener Art von dumpfer Pop-Songschreiber-Null-Musik, die zur Genüge in den Charts grassiert und als deep verkauft wird. Damit macht die sonst durchaus unterhaltsame RomCom"Song für Mia" denselben Fehler, den sie vorgibt zu kritisieren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst