Kaum aus der Reha entlassen, wird die Wiesbadener Kommissarin Winnie Heller (Lisa Wagner) mit dem Ausbruch eines zweifachen Vergewaltigers konfrontiert. Bei den Recherchen unterstützt sie Lavinia Wilson als Frau vom LKA.

Ganz schön was los im neuen Heller-Samstagskrimi, dem neunten der Reihe, mit dem Titel "Herzversagen". Kein Wunder: Kollege Verhoeven ist weg: Hans-Jochen Wagner, der ihn spielte, ist zum Freiburger "Tatort" gewechselt. Ein paarmal hat ihn Winnie Heller (Lisa Wagner) noch in ihren Träumen gesehen. Jetzt bleibt ihr nur noch ein Namensschild. Wer wird den Kollegen ersetzen? Das war die große Frage nach dem achten Film. Und wird es überhaupt weitergehen? Immerhin quittierte die Kommissarin in dem Fall den Dienst.

Es geht weiter, aber wer weiß schon genau wie? Der Dienstbesuch vom LKA mit einer sehr vornehm wirkenden Vorgesetzten (Lavinia Wilson) wirkt nicht wie eine Dauerlösung: In Sekundenschnelle werden von Isabel, der Neuen, alle Fehlurteile über die rufgeschädigte Kommissarin aus dem Weg geräumt. Und sie selbst bekennt gegenüber der Neuen gleich ganz ungeschminkt: "Ich mag dich!" Ob so eine Freundschaft im Amt auf Dauer halten kann?

Zweifellos ein rekordverdächtiger Frauenfilm, was das Personal betrifft: Die Kommissarin wird gerade aus der Reha entlassen, nachdem sie einen Geiselnehmer erschossen hatte – beim abschließenden Reha-Schwimmen träumt sie mal wieder – diesmal, zu Schlagermusik, der Star einer Badenixentruppe zu sein. Auch die nach einem Überfall schwer verletzte Psychiaterin Dr. Jacobi (Lena Stolze) darf auf ihren Wiedereinstieg ins Berufsleben hoffen, hat allerdings derzeit noch einen zwielichtigen männlichen Ersatz. Er verschreibt der Kommissarin schwere Psychopharmaka gegen ihre Zwangsvorstellungen und Ängste. Dass sich irgendwann herausstellen wird, dass es Placebos zu irgendwelchen Forschungszwecken gewesen sind, macht alles noch vertrackter.

Klar, dass das, was man so Heilung nennt, noch lange auf sich warten lassen wird. Doch schon beginnt der neue Stress: Ein zweifacher Vergewaltiger ist nach angeblich guter Führung auf der Fahrt zum Arbeitsplatz entwichen und hat den JVA-Beamten, der ihn begleitete, erschossen. Dass ihm dabei jemand mit Unterschlupf und Waffe half, erlebt der Zuschauer mit. Aber auch Winnie Heller und ihrem LKA-Gast wird ebendies bald klar. Verdächtig sind: die Anstaltspsychologin, die von ihrem Mann verprügelt wird, die herbe Anstaltsdirektorin, die mit dem Opfer verheiratet war, in erster Linie aber auch die Besitzerin einer Gärtnerei, bei der der Vergewaltiger und Mörder gearbeitet hat. Die Frau des Täters, die nach wie vor ihrem Mann die Treue hält und ihm niemals eine Vergewaltigung zutraut, ist da noch gar nicht mitgezählt. Aber auch eines der Opfer von einst ist noch im Spiel, sie stand gar auf der Besuchsliste des Täters.

Ein wenig Luft schaffen da nur die lichten Momente zwischen Winnie und ihrer Mutter Gisela (Maria Hartmann), die sich immer mal unter Tränen ihre private Unzulänglichkeit eingestehen, um dann erleichtert in ein einverständiges Lächeln zu verfallen. Das ist – Regie: Christiane Balthasar – großer Sport, der titelgebende Herztod des ungeliebten Vaters wird allerdings allzu schroff und en passant vermeldet, auch wenn er einst am Tod der Schwester Schuld gewesen ist. Und dass die Tochter von der Mutter die Sexualpraktiken ihres aktuellen Lebensgefährten ("Immer von hinten!") äußerst anschaulich geschildert bekommt, wirkt eher aufgesetzt.

Man merkt es leider immer ein bisschen zu sehr, dass dieser Krimi anders als die anderen sein will: schräg und frech, besonders was seine an sich ja völlig jobtaugliche Kommissarin betrifft. Der Zuschauer darf dann beim Polizisten-Bowling unter anderem Winnies Lektionen über Bananen-Lidstriche und Pipi im städtischen Badebecken über sich ergehen lassen. Und natürlich zehren sich Winnies Rumpelstilzchen-Auftritte auch irgendwann mal selber auf. Dass der oder die Täterin mal wieder ein ganz anderer ist als bei der Menge der grob Verdächtigen zu erwarten ist, gehört zum Genre. So richtig überraschend ist hier leider wenig.


Quelle: teleschau – der Mediendienst