Heimatkrimis bauen meist auf schöne Landschaft, derben Humor und urigen Mord im Schoße der Dorfgemeinschaft. Ähnlich, doch wesentlich selbstironischer geht es in der neuesten Reihe jenes Genres zu: Die deutsch-österreichische "Steirer"-Alpenkrimi-Produktion, die im vergangenen Jahr Premiere hatte, bietet auch in der zweiten Folge "Steirerkind" unterhaltsame Einblicke in die seelischen Untiefen der Steiermark – und trifft diesmal ins Herz der Wintersportfans. Beim Fall um den Mord am Ski-Nationaltrainer kommen Team und Geist der Mannschaft nicht gerade gut weg. Obendrein gibt es, gespielt von Miriam Stein und Hary Prinz, abermals ein charmant zoffendes Ermittlerduo, dass sich gar in heikle Liebeleien begibt.

Die Liebeleien beziehen sich allerdings keineswegs und niemals auf die beiden Ermittler untereinander – das stellt die LKA-Ermittlerin Sandra Mohr, verkörpert von Max Moors Tochter Miriam Stein, mehrfach unmissverständlich klar. Denn ihr Vorgesetzter Sascha Bergmann (Prinz) macht der jungen Frau mehrfach eindeutige Avancen. MeToo lässt grüßen – und zeigt, wie frau sich wehrt, selbst wenn man im selben Haus übernachten muss.

Aus Graz verschlägt es das LKA-Duo in die Provinz nach Schladming – und damit mitten ins Herz des österreichischen Skisports. Der kommt bei dem von Wolfgang Murnberger inszenierten Krimi nach der gleichnamigen Romanvorlage von Claudia Rossbacher gar nicht gut weg: Denn unter der Oberfläche aus Erfolgen, Zusammenhalt und Glamour lauern Verrat und narzisstischer Egoismus. Fans des Skisports könnte diese (wohl auf Tatsachen basierende) Darstellung des falschen Teamgeists verstören.

Das Mordopfer in diesem Fall ist kein Geringerer als der österreichische Nationaltrainer des Herrenski-Teams, der unterm Schnee auf der Piste tot aufgefunden wird. Karl Wintersperger (Rainer Wöss) galt als Choleriker – und niemanden scheint sein Tod so recht zu stören. Klischeehafterweise hat jeder Befragte ein mögliches Motiv: Nachfolger Norbert Bachler (Markus Mittermeier) stritt mit ihm, sein Bruder Franz (David Rott) schuldete ihm jede Menge Geld.

Während der Ermittlungen findet ausgerechnet das berühmte Ski-Rennen "Nightrace" statt – ein echtes Rennen, an dessen Originalschauplätzen zur Freude der Ski-Fans gedreht wurde. Deshalb kommen die Ermittler nur noch im Haus von Winterspergers trachtentragendem Bruder und dessen Frau unter, die lauthals versuchen, schwanger zu werden. Bergmanns Kommentar: "Fröhlichen Eisprung noch".

Von derlei Humor begleitet, nimmt der recht vorhersehbare Fall seinen Lauf – während Mohr Ermittlungserfolge vorweist, kommentiert Bergmann meist trocken – Beispiel: "So gscheid könnten's sein, die jungen Leut, wenn sie nicht so blöd wären." Natürlich muss noch ein russisches Callgirl (Liliane Zillner) involviert werden; und auch Familienzwistigkeiten bleiben nicht aus. Spannender sind die Einblicke in die korrupten Mannschafts- und Sponsor-Strukturen des Wintersports – und die erwähnten Liebeleien natürlich.

Während sich Ermittler Bergmann nämlich im Rotlichtmilieu von Schladming (!) vergnügt, umgibt sich sein Sohn (Johannes Nussbaum) nicht nur mit idealistischen Umweltschützern – er landet dabei auch mit Ermittlerin Mohr im Bett. Bergmann dazu: "Du bist knapp an der Pädophilie vorbeigeschrammt. Und der Altersunterschied zu mir ist jetzt auch nicht viel größer."


Quelle: teleschau – der Mediendienst