Der Moment, in dem "RTL Aktuell" sich vom mitunter belächelten Nachrichtenformat zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten von "Tagesschau" und "heute" wandelte, lässt sich auf die Minute genau datieren: Um 15.09 Uhr, am 11. September 2001, unterbrach der Kölner Sender sein laufendes Programm und ging live auf Sendung. "Offensichtlich hat sich ein Anschlag auf das World Trade Center ereignet", verkündete Moderator Peter Kloeppel dem Publikum. Anschließend blieb der heute 59-Jährige sieben Stunden lang auf Sendung. "Beklemmend" sei das damals gewesen, erinnert sich Kloeppel, der mit seinem Format in jenen Stunden TV-Geschichte schrieb. Für das journalistische Glanzstück gab's wenig später den Grimmepreis.

In diesen Tagen feiert die Nachrichtensendung nun 30-jähriges Bestehen: Am 5. April 1988 ging "RTL Aktuell" erstmals auf Sendung. Schon vier Jahre zuvor hatte der frisch gegründete Privatsender RTL Nachrichten gesendet, damals noch aus Luxemburg und unter dem Namen "7 vor 7".

Erst Hans Meiser, dann Pter Kloeppel

Mit dem Umzug nach Köln und der Umbenennung kam auch ein neues Konzept. Statt eines Nachrichtensprechers hatte "RTL Aktuell" nun einen sogenannten Anorchman. Nach amerikanischem Vorbild las der nicht mehr nur die Nachrichten vom Blatt, sondern gab der Sendung ein eigenes, journalistisches Profil. Zunächst war das der Job von Hans Meiser, seit 1992 ist Peter Kloeppel das Gesicht von "RTL Aktuell".

Kloeppel war es auch, der einige Jahre später das Konzept des "Anchor on Location" einführte. Bei Großereignissen, etwa der sogenannten "Jahrhundertflut" 2002, moderierte er vom Ort des Geschehens die komplette Sendung. Stets an seiner Seite und schon seit 1989 bei "RTL Aktuell": Ulrike von der Groeben, zuständig für den Sport. "Es macht mich schon stolz, dass die Zuschauer uns seit so vielen Jahren die Treue halten", sagt die 61-Jährige. "Das liegt ganz sicher auch daran, dass Peter als Nachrichtenmann eine unfassbare Kompetenz hat, aber auch mit Herz und Seele moderiert. Außerdem ergänzen wir uns einfach in jeder Hinsicht sehr gut, weshalb uns die Zuschauer nach wie vor Glaubwürdigkeit und Sympathie attestieren."

"Be first, but first be right!"

Heute ist "RTL Aktuell" tatsächlich die meistgesehene Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen – zumindest in der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Im vergangenen Jahr etwa erzielte das Format durchschnittliche Marktanteile von rund 16 Prozent bei den jungen Zuschauern und damit fast doppelt so viel wie die "heute"-Nachrichten des ZDF. Kloeppel erklärt den Erfolg seiner Sendung auch mit dem Qualitätsanspruch, den er verfolge: "So schnell wie möglich, aber auch nicht schneller als nötig. Alles, was wir senden, muss natürlich gegengecheckt sein", sagt er. "Es gibt ja den Spruch: 'Be first, but first be right!' Das heißt, wir wollen schon die Ersten sein, wir wollen aber auch richtig sein."

In Zeiten von Fake News ist das natürlich wichtiger denn je, auch wenn Kloeppel betont, er sehe keine Vertrauenskrise der Medien. Es gebe zwar "Gruppen in der Bevölkerung, die dann sagen, diesen Leuten kann man nicht wirklich vertrauen, aber das sind nur interessierte Kreise, die in erster Linie ihre eigene Agenda durchsetzen möchten", glaubt der Moderator. "Ich weiß, dass viele Millionen Menschen jeden Abend ganz bewusst nicht nur unsere, sondern andere auch Nachrichtensendungen einschalten, weil sie wissen, dass sie dort vertrauenswürdige Nachrichten bekommen."

"RTL Aktuell" läuft täglich um 18.45 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst