Eine der erfolgreichsten Samstagabendkommissare des ZDF feiert ein Comeback. Stubbe kehrt zurück und macht Jagd auf einen Frauenmörder.

"Zeit, viel Zeit!" Mit diesen Worten endete der letzte Stubbe-Film. Kitschig, aber auch irgendwie schön, dass Wolfgang Stumph auch am Ende dieses einmaligen Comebacks die gleichen Worte sagt. Knapp fünf Jahre sind seit dem Ende der bis zum Schluss ungemein erfolgreichen ZDF-Krimireihe vergangen. "Mich, und ich glaube die Zuschauer, interessiert, wie die Lebensgeschichte der Stubbes verlaufen ist", dachte Wolfgang Stumph und sagte gerne zu, als es darum ging, seinen ehemaligen Hauptkommissar in einem Special zurückkehren zu lassen. Ohne Mord geht das natürlich nicht ab. Und doch dreht es sich diesmal vor allem um die Frage: Was fängt einer mit sich an, der nach Jahrzehnten aufs Altenteil verfrachtet wurde? Origami könnte eine Lösung sein. Liebe eine andere.

Erstes Bild: der markante Schnauzer, bebend in Nahaufnahme. Offensichtlich geht es Stubbe nicht wirklich gut. Er liegt im Krankenhaus, im Hintergrund spricht jemand von "Stents": Schnitt. Drei Monate später ...

Heike Trinker (als Marlene Berger) war seit 2012 in acht Filmen der Reihe die Frau an Stubbes Seite. Sie ist die einzige der Darsteller von damals, die nun mit Stumph zurückkehrt. Ihre Beziehung, so erfährt man, haben die beiden fortgeführt, doch offensichtlich liegt sie nun im Argen. Marlene hatte um eine Auszeit gebeten.

Nun, ein paar Monate danach, treffen sich die beiden wieder auf der Nordseeinsel Amrum, um dort gemeinsam zu ergründen, ob ihre Liebe noch eine Chance hat. Stubbe, sagt seine Lebensgefährtin, habe sich verändert in den Jahren des Rentnerdaseins. "Du bist doch Mordermittler gewesen. Also: Wer hat den alten Stubbe umgebracht", fragt sie ihn lächelnd. Zwischen Leuchttürmen, Stränden und charmanten Inselhäuschen macht er sich, bei miserabelstem Wetter übrigens, auf die Suche.

Auch wenn es rund 20 Minuten dauert – ohne "echte" Leiche geht dieses Stubbe-Extra, das immer noch zuvorderst ein waschechter Krimi ist, natürlich nicht ab. Marlene findet am Strand die Leiche der ehemaligen Inselbewohnerin Petra Brodersen, die lange dort zu Hause war, ehe es sie in die große Stadt zog. Zur Beerdigung ihres Vaters kehrte sie nun zurück. Doch dabei sein wird sie nicht mehr. Ein Schuss traf sie in den Kopf. Ihr Lebensgefährte Peter Sievers (Raiko Küster) trauert nicht wirklich. Aber hat er ein Motiv? Und wie steht es um das merkwürdige Ehepaar Alexandra und Engelbert Ritter (Nina Petri und Jörg Pose), die ganz offensichtlich in finanziellen Schwierigkeiten stecken?

Vor allem aber lenkt der Film ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die beiden Inselpolizisten Niklaas Laab (Knud Riepen) und Jördis Meeske (Caroline Hanke). Beide kannten das Opfer schon lange, Jördis unterhielt zu ihr früher gar eine freundschaftliche Beziehung. Doch die zerbrach irgendwann. Stubbe und Marlene forschen nach und kommen dabei auch einer familiären Tragödie auf die Spur, die sich vor vielen Jahren auf der Insel ereignete.

Dass der Ex-Kriminaler, inzwischen 69 Jahre, selbstverständlich gar nicht zuständig ist, spielt da nur am Rande eine Rolle. Eigentlich soll der Kriminalhauptkommissar Peer Voss (Jonas Hartmann) den Täter ausfindig machen. Da passt es ihm gar nicht, dass sich der neugierige Stubbe, in dem die alte Lust am Ermitteln neu erwacht ist, ständig einmischt. Voss schlägt Stubbe stattdessen vor, sich in der altehrwürdigen Papierfaltkunst Origami zu üben. Der tut's, wobei ihm Erstaunliches gelingt. Doch von dem Fall will er die Finger nicht lassen.

Es ist eine charmante, aber auch ziemlich melancholische Geschichte, die die Stubbe-Autoren Scarlett Kleint, Alfred Roesler-Kleint und Michail Vershinin da ersonnen haben. Ein recht konventioneller Kriminalfall steht im Zentrum, drumherum aber geht's um das, was manchmal das Alter so mit sich bringt: Selbstzweifel, müde Momente, die Sinnfrage. Immer wieder begegnen Stubbe auf seiner Reise Sinnbilder des Todes. Sogar das Hotelfenster geht zum Friedhof raus. Schön, dass es da den fein gespielten Inselpolizisten Niklas gibt, in dem Stubbe eine Art jugendliches Pendant seiner Selbst sieht. Die beiden haben zusammen ein paar der amüsantesten Momente in diesem Film, der schließlich auch zur kleinen Hommage an die Schönheit von Nostalgie wird.

Ob Stubbe noch mal wiederkommen wird, steht derzeit wohl in den Sternen. Marlene jedenfalls schlägt im Film vor, dass man den nächsten Rettungsversuch für die angeschlagene Beziehung doch lieber in der Sonne unternehmen sollte. Könnte man sich gut vorstellen. Man darf gespannt sein, ob sich die Beteiligten noch einmal zusammentun. Aber man hat ja Zeit. Viel Zeit ..!


Quelle: teleschau – der Mediendienst