Jule Ronstedt spielt eine sympathische Alleinerziehende mit einem sehr privaten Geheimnis: Sie leidet an einer schweren Rechenschwäche – keine guten Startbedingungen für eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Doch ihr kann geholfen werden.

Caro (Jule Ronstedt) ist eine Frohnatur. Für jeden ihrer Stammkunden hat sie ein freundliches Wort. Gerne deckt sich halb Traunstein in ihrem Kiosk auf dem Marktplatz der schmucken Oberbayern-Gemeinde ein. Es sind die kleinen Besorgungen und die kleinen Geldsummen – eine Tasse Kaffee, die neue Zeitung oder eine Packung Kaugummi. Doch wenn es ans Bezahlen und vor allem ans Zusammensuchen des korrekten Wechselgelds geht, wird die fröhliche Caro stumm. Es ist nicht nur ihre chaotische Buchhaltung (und die Schamlosigkeit einiger Schnorrer, die seit Wochen anschreiben lassen), die den kleinen Familienbetrieb an den Rand der Pleite bringen. Die alleinerziehende Mutter braucht wieder etwas Halt im Alltagstrubel. Ob ausgerechnet ein schrulliger Astrophysiker (Alexander Beyer) der Richtige für sie ist? Die Wiederholung der charmanten, bittersüßen Liebeskomödie "Utta Danella – Die Himmelsstürmer" (2014) klärt das. Mittlerweile wurden noch drei weitere Bücher von Utta Danella verfilmt.

Bislang wusste nur Caros 13-jährige Tochter Mia (Julia Niegel) von dem kleinen Geheimnis ihrer Mutter und den vielen hilflosen Tricks, mit denen sie es zu vertuschen versucht: Die Kioskbetreiberin kann nicht nur sehr schlecht rechnen, sie hat überhaupt kein Gefühl für Zahlen und tut sich schon schwer, auch nur einfachste Lieferlisten zu verstehen – geschweige denn korrekt zu prüfen. Das Geld zerrinnt ihr buchstäblich zwischen den Fingern. Weil Caro das selbst merkt, gibt sie sich einen Ruck: Obwohl der Gang zur Volkshochschule demütigend für sie ist, schreibt sie sich heimlich für einen Rechenkurs ein, an dem sie wie eine Vorschülerin noch mal die Grundlagen pauken soll.

Doch im Kurs treffen tatsächlich Welten aufeinander – sehr reale und sehr abgehobene. Unterrichtet wird Caro nämlich von einem Mann, der seinen genialen Kopf in den Sternen hat: Astrophysiker Florian (Alexander Beyer) kann zwar gelehrig über die Planetenbahnen dozieren und von fernen Rätseln der Galaxien schwärmen, was um ihn herum exakt passiert, übersieht er aber gerne einmal. Eine Frau wie Caro ist da genau die Richtige, um den schüchternen Wissenschaftler ein wenig zu erden.

Im Alltag muss sich die junge Mutter mit weit weniger sensiblen Männern herumschlagen: Ihr Vater (Friedrich von Thun), der ihr einst den Kiosk vermacht hatte, ist ein missmutiger Grantler, der Caro wenig zutraut. Der leicht verbitterte Witwer hat einen ziemlich sturen Kopf – und gerät deswegen auch schnell wieder mit seinem jüngeren Brüder (Günther Maria Halmer) aneinander. Der hatte Bayern einst verlassen, um in den USA sein Glück zu suchen. Nun ist er zurückgekehrt, um sich mit seinem Bruder zu versöhnen. Einst waren beide heillos zerstritten auseinandergegangen. Doch auch sie brauchen nur etwas Zeit, um zueinander zu finden.

Basierend auf einem Utta-Danella-Roman wurde aus Thomas Kronthalers routinierter "Die Himmelsstürmer"-Verfilmung sympathische Degeto-Freitagabendunterhaltung, wie man sie sich wünscht: Das Thema hat Tiefgang. Immerhin ist die zum Glück behandelbare Rechenschwäche ein gar nicht so seltenes Phänomen, das man nicht belächeln sollte und das sogar einen Fachterminus hat: Dyskalkulie. Dass sich der erwartbare Verlauf der Liebesgeschichte nicht plump ergibt, ist ein weiterer Pluspunkt. Und mit großartigen Charakterschauspielern – zu denen Suzanne von Borsody in einer Nebenrolle zählt – geht hier überhaupt nichts schief. Es ist ein Film, der auf vielen Ebenen Mut macht und zeigt: Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst