Der Himmel ist blau-weiß, doch der neue Kollege – und Schwiegersohn in spe – schwarz. Kabarettist und bayerisches Urgestein Andreas Giebel ("Hindafing") sowie der dunkelhäutige Österreicher Peter Marton in einem komödiantischen neuen Vorabend-Krimi aus dem Berchtesgadener Land.

Kaum eine Region in Deutschland dient dem öffentlich-rechtlichen Vorabend treuer als das bayerische Alpenvorland: "Hubert und Staller", "Die Rosenheim-Cops" und natürlich zahlreiche in München angesiedelte Plots nutzen die weiß-blaue Idylle der Region zur Erbauung des Auges abseits von Morden oder stressigen City-Erzählungen. Insofern könnte man sagen, die Idee des Ersten, eine neue Krimiserie namens "Watzmann ermittelt" im Berchtesgadener Land zu platzieren, ist nicht besonders originell.

Auch die Besetzung des Chefpostens mit dem Münchener Urgestein, Kabarettisten und Schauspieler Andreas Giebel scheint nach dem Motto "bewährte Tradition" festgesetzt worden zu sein. Giebel ist als TV-Polizist fast schon der bayerische Urtyp dieser Spezies. Er gab den Polizeihauptmeister Xavber Bartl in der Kleine-Leute-Kultserie "München 7", auch bei den "Rosenheim-Cops" wirkte er zeitweilig mit. Zuletzt – und demnächst in Staffel zwei – sah man den 60-Jährigen jedoch in einer Serie, die das bayerisch Knurrige sowie die Postkarten-Landschaft der Region kräftig wegstieß: In der preisgekrönten BR-Serie "Hindafing" gab Giebel den Fleischunternehmer. Ein Format, in dem das Grantige vor allem bösartig und die schöne Landschaft einfach mal weg war.

Mit zunächst acht Folgen "Watzmann ermittelt" dürfte Giebel sein volkstümliches Publikum nun aufs Erste versöhnen. Als – selbstredend grantiger – Kommissar Benedikt Beissl ist er es gewohnt, die Dinge in seinem Revier alleine zu ordnen. Ebenso wie als Patriarch im Frauenhaushalt mit drei Töchtern, wo Benedikt zumindest glaubt, stets das letzte Wort zu haben.

Als Journalisten-Tochter Johanna (Ines Lutz) aus Hamburg ihren neuen Freund Jerry Paulsen (Peter Marton) mitbringt, verändert sich die Welt der Beissls. Auch Jerry ist Polizei-Kommissar, ab sofort soll er die kleine Dienststelle gemeinsam mit Benedikt leiten. Zudem ist Jerry smart, korrekt, sozial empathisch – und auch noch schwarz. Klugerweise wird Letzteres im Jahr 2019 nicht mehr als Grundkonflikt der beiden ungleichen Kollegen thematisiert. Beissl ist kein Rassist, auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Dafür aber, was es für Jerry nicht besser macht: ein gluckender Vater.

Wer wollte den alten Bergbauern töten?

In "Der Alte vom Berg", ihrem ersten gemeinsamen Fall, bekommen es Beissl und Paulsen mit einem dementen Bergbauern (Frank Buchrieser) zu tun, den ein unbekannter Täter in eine Schlucht stürzen wollte. Wer könnte es auf den Alten abgesehen haben? Der reiche Bauer Veit Wieland (Hans Stadlbauer) und sein Clan, der auf den heruntergekommenen Hof des Opfers schielen könnte? Oder gar dessen eigene Familie, die sich des garstigen Familienmitglieds entledigen wollte?

Jerry findet Spuren in der Vergangenheit der Familien, die interessante Hinweise geben können. Nebenbei taucht der Zuschauer in das Familienmodell der Beissls ein: Eine von Benedikts drei erwachsenen Töchtern hat zwar ein Baby, aber keinen Mann. Dieses Schicksal soll "der Johanna" mit ihrem vielleicht ein bisschen zu verbindlichen Lover nicht passieren! Deshalb behält Benedikt Beissl sein Misstrauen gegenüber neuen Kollegen erst mal bei.

"Watzmann ermittelt", das pro Episode einen abgeschlossenen Fall präsentiert, ist klassisches, öffentlich-rechtliches Serienfernsehen am Vorabend. Nichts, was den Zuschauer über Gebühr fordert, aber in diesem Fall mit Charakteren, Schauspielern und einer erzählerischen Idee versehen ist, die auf den ersten Blick trägt. Ebenso zurückhaltend wie klug ist eine Skepsis eingearbeitet ("Was will der Möchtegern-Obama hier?"), die Jerry, den auswärtigen Cop, im traditionell denkenden neuen Umfeld erwartet. Dass dies nicht plakativ geschieht, ist eine Stärke der Serie.

Auch wenn die Fälle der weiteren Episoden gern noch ein wenig fordernder werden dürfen: Andreas Giebel und dem österreichischen Schauspieler Peter Marton nimmt man ihre Charaktere ab. Und die Blicke ins deutsche TV-Alpenvorland? Auch die lässt man sich hier gern ein weiteres Mal mit ein paar humorverbalen Patzigkeiten versüßen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst