Als Old Shatterhand wurde Lex Barker zum Helden einer ganzen Generation, die Rolle des Bösewichts war ihm nie vergönnt. Und auch sein privates Glück fand der Schauspieler nie. Am 8. Mai wäre Barker 100 Jahre alt geworden.

Es ist der 11. Mai 1973. Mitten auf der Lexington Avenue in New York bricht ein Mann tot zusammen. Niemand erkennt ihn wieder, auch der herbeigerufene Polizist nicht. Erst ein Blick auf die Gravur in der Armbanduhr verrät, wer der großgewachsene Fremde ist: Lex Barker, der Old Shatterhand der 60er und Tarzan der 50er, starb im Großstadt-Dschungel des Big Apple. Sein Ende glich seinem Anfang: reich, aber unbekannt. Dazwischen lag ein 54-jähriges Auf und Ab.

Alexander Crichlow Barker Jr., so hieß Lex Barker eigentlich, kam vor 100 Jahren, am 8. Mai 1919, im Städtchen Rye nahe New York zur Welt. Sein Vater hatte es als Bauunternehmer zu Wohlstand gebracht, doch in dessen Fußstapfen wollte Lex Barker partout nicht treten. Ein Bauingenieurs-Studium in Princeton brach er ab, um Schauspieler zu werden. Doch der Zweite Weltkrieg setzte ersten Erfolgen am Broadway (er spielte unter anderem unter der Regie von Orson Welles) ein jähes Ende. Barker meldete sich freiwillig, ging nach Italien und kam verwundet wieder zurück.

Mit einer Silberplatte in der Schädeldecke machte sich Lex Barker 1945 auf nach Hollywood. Eine Enttäuschung – zunächst. "Ich sehe die Küste", durfte er sagen – mit dem Fernglas vor dem Gesicht. Das war's. Mehr trauten sie Lex Barker für seine erste Filmrolle in "Doll Face" nicht zu. Und das, obwohl ihm seine Ausbilder großes Talent bescheinigt hatten. Trotz Kriegsorden an der Brust beschritt der 1,92 Meter große Athlet die Karriereleiter zunächst mühsam. Bis ihn Hollywood aufgrund seiner Statur 1949 als Nachfolger von Johnny Weissmüller für die Rolle des Urwaldhelden Tarzan auserkor. "Ich kriege jetzt sogar zweisilbige Dialoge zu sprechen", lachte er über sein Engagement für insgesamt fünf abendfüllende Spielfilme mit dem Affenmenschen.

Lex Barker spielte in sieben Filmen "Old Shatterhand"

Doch das Geld floss zäh. 800 Dollar erhielt der zwei Zentner schwere Muskelmann pro Film, und auch das Publikum war nur mäßig begeistert. Frustriert sah sich Barker als dümmlichen Kraftprotz abgestempelt und siedelte auf der Suche nach neuen Herausforderungen nach Italien über. "Die italienischen Filmleute zeigten viel Fantasie, was meine Einsatzmöglichkeiten betraf", erinnerte er sich kurz vor seinem Tod an die zahlreichen Engagements. Höhepunkt war die Rolle des ruppigen Ehemanns von Anita Ekberg in Fellinis "Das süße Leben" (1959).

Gerne wäre er in Italien geblieben, wäre da nicht das Angebot des deutschen Produzenten Horst Wendlandt gewesen, der ihn als Star der Karl-May-Verfilmungen ins Visier genommen hatte. Siebenmal Old Shatterhand, dreimal Kara Ben Nemsi und zweimal Dr. Karl Sternau ließen ihn vor allem in Deutschland zum europäischen Westernhelden werden und brachten finanziellen Erfolg. Industrie-Beteiligungen, Häuser in Genf und Rom, dazu Aktien. Doch danach blieben die Angebote aus. "Ich würde liebend gerne mal einen richtig gemeinen Bösewicht spielen", hatte er sich gewünscht, "aber das nimmt mir wohl keiner ab". Und das Zeitalter des kernigen Western-Helden, den Barker so lange verkörpert hatte, war vorüber. In Hollywood kannte ihn damals, nach den Jahren in Deutschland, kaum noch einer.

Ähnlich wie im Film ging auch im Privatleben des Leinwandhelden zu. Schon als Dschungelfürst hatte man ihn der Vielweiberei beschuldigt – immerhin bekam Barker pro Folge eine neue Jane. "Hollywoods rundester Angelhaken" ("Heyne-Filmbibliothek") heiratete nacheinander Constance Thurlow, Arlene Dahl, Lana Turner und Irene Labhardt. Enttäuscht vom Film, zog sich Barker zurück, segelte mit seiner Yacht "Peter Pan II" durchs Mittelmeer "wie ein Seeräuber auf Kaperkurs", lebte mit seiner fünften Ehefrau Carmen Cevera in einer 13-Zimmer-Villa an der Costa Brava. Doch auch mit ihr fand er kein Glück, die Beziehung endete in einem Scheidungskrieg – eine auch in der Öffentlichkeit ausgetragene Schlammschlacht, deren Ende Lex Barker nicht mehr erleben musste.

Das letzte Angebot kam aus New York. Der Filmproduzent William T. Orr hatte einen Comeback-Plan parat. Barker freute sich auf die Rückkehr, flog in die Staaten, feierte dort seinen 54. Geburtstag mit betuchten Freunden. Drei Tage später war Lex Barker tot. Das Herz ....


Quelle: teleschau – der Mediendienst