Ein müde gewordener CIA-Agent (Matthew Marsh) und der Ex-Stasi-Agent Ludwig Licht (Wotan Wilke Möhring) wittern den Coup ihres Lebens: Sie wollen den Chef des deutschen Wikileaks dingfest machen.

Im prisma-Interview spricht Möhring über den Reiz seiner Figur, die Dreharbeiten in Berlin – gedreht wurde fast komplett auf Englisch – und die Nähe des Stoffes von "West of Liberty" zur Realität.

Was hat Sie gereizt, die Rolle des Ex-Stasi-Mannes Ludwig Licht zu spielen?

Licht ist einer aus der vermeintlich "alten Welt", einer, der an nichts glaubt, außer an Geld, einer, dessen Funktion sich mit dem Mauerfall erledigt hat. Er ist kein Super-Agent, ist älter als ich, unsportlich und zerbrochen. Aber er hat unglaublich viel Mut und Kraft, wenn es um seinen Sohn geht.

Die Zerrissenheit dieser Figur – für Sie eine Herausforderung beim Dreh?

Ja, insbesondere seine nihilistische Frustration. Ich mochte aber, dass er so ein Gestriger ist. In der Rolle trage ich einen Bart, wirke ein bisschen älter und ungepflegt, drücke den Bauch heraus, um damit seinen Verfall zu zeigen.

Agenten-Thriller, Whistleblower-Story, Berlin-Porträt: Welcher Aspekt hat Sie besonders interessiert?

Ich mochte dieses Spannungsfeld, das es so nur in Berlin geben kann: eine geteilte Stadt, Checkpoint Charlie, jeder belauert jeden, keiner traut keinem, muss dies aber in der Allianz mit dem anderen tun. Dann fällt plötzlich die Mauer – und nichts ist mehr so, wie es mal war. Es gilt zu prüfen, was noch an alten Seilschaften vorhanden ist, wer was zu welcher Zeit wusste und wer sich auf welche Seite rettet. Das ist alles mit Berlin verhaftet.

Berlin ist also weit mehr als nur Kulisse?

Ich habe zur Zeit des Mauerfalls in Berlin gelebt. Damals war alles möglich. Berlin wurde unübersichtlich, ein Ort, an dem es für viele auf die Frage, auf welcher Seite man stehe, keine befriedigende Antwort mehr geben konnte. Gut oder böse? Fakten oder Fake? Moral oder Verrat? Wenn du auf der falschen Seite bist, ist Berlin ein Moloch, der dich zermalmt. Ludwig Licht passt in das abgründige und schwer zu greifende, düstere Neo-Noir-Berlin. Wir sehen das moderne Berlin, erleben aber, dass es für Licht immer noch das alte Berlin, eine geteilte Stadt, ist. Und man kann das ja immer noch beobachten: Es gibt immer noch eine Art Übergangszustand zwischen West und Ost, zwischen Alexanderplatz und Ku'damm.

Während der Dreharbeiten wurde der saudi-arabische Journalist Kashoggi ermordet und Wikileaks-Gründer Assange unter Hausarrest gestellt. Parallelen zur Fiktion von "West of Liberty"?

Dass man von der Realität überholt wird, macht den Stoff noch bedrückender und aktueller. Die literarische Vorlage ist im Gegensatz zur Realität geradezu harmlos.

"West of Liberty" ist eine internationale Produktion, gedreht wurde fast ausschließlich auf Englisch.

Ich fand das toll. Ich habe ja eine Zeit lang in den USA gelebt, wollte aber auf meine Figur kein perfektes Englisch legen. Licht kommt aus dem Osten, ist mit der russischen Sprache groß geworden. Ich wollte auf keinen Fall, dass er ein makelloses Schulenglisch spricht. Für die ZDF-Fassung habe ich mich dann selbst synchronisiert.