Die Märchenmotive sind bei dem SAT.1-Thriller "Tot im Wald" unverkennbar. Dunkler könnte der Wald nicht sein. Die tapfere Kommissarin, die es mit dem Bösen aufnimmt, trägt eine rote Kapuze. Und ein armes Kind in einem Hundezwinger gibt es auch.

Tief drin im Wald fährt ein junges Paar in eine Autofalle. Krachende Schüsse fallen, und aus dem dunklen Tann treten beängstigend wirkende Maskierte hervor. Einer der Maskierten schlägt die Scheiben ein. Fürwahr, man ist bei diesem Teaser mitten im Geschehen drin. Viel schrecklicher wird's nicht werden im neuen SAT.1-Thriller "Tot im Wald". Alsbald werden sich die Kommissarinnen Hannah Mangold und Lucy Palm (Anja Kling, Britta Hammelstein) ins Zeug werfen, um die Verursacher des Überfalls zu fassen. Da mögen die Chefs auf dem Revier auch noch so mosern – von wegen Alleingang, notwendige Hundertschaften und Riesenbudget, was der sich anbahnende Zweikampf erfordern werde.

Ohnehin haben es die Kommissarinnen nicht leicht. Hannah Mangold werden Halluzinationen attestiert. Der von ihr getrennte Mann, gar der eigene Chef, hat einen Anwalt engagiert, der sie wegen der Wahnvorstellungen untauglich für die Erziehung der gemeinsamen Tochter erklärt. Es wird Parallelen zur Geschichte der Täter geben. Auch dort geht es schließlich um ein einsames, vom Vater geknechtetes Kind, das offensichtlich den ganzen Hass seines Vaters auf sich zieht.

Zweifellos liegen die Stärken dieses vom Regisseur Florian Baxmeyer gefährlich grün eingefärbten Thrillers im Märchenhaften. Die Location mit dem Turm-bewehrten Gründerzeit-Schloss und den heruntergekommenen Zimmern und Gängen ist ergreifend gruselig. Die darin handelnden Figuren sind schauerlich – ein alter dahinsiechender Vater, den sie den "König Arthur" nennen; dessen Sohn, ein wahres Ekel namens Kurtz, so wie einst der Oberst im "Herz der Finsternis", und eben ein kleiner Junge, der nicht mehr in der Küche essen will, weil sich dort die eigene Mutter das Leben nahm.

Der zelebrierte Schrecken also könnte nicht größer sein, er trägt über weite Strecken den in Free-TV-Premiere gesendeten Film. Die Schurken, die sich zum innersten Familienkreis gesellen – zwei Waldarbeiter, die einst Kurtz' Spießgesellen in Afghanistan waren -, machen durchaus glaubhaft, dass sie schwer an ihrem Kriegstrauma tragen. Warum sie im Brandenburger Wald immer noch mit ihren kugelsicheren Westen Soldaten spielen, erschließt sich letztlich allerdings nicht.

Aber auch die Kommissarinnen Hannah und Lucy sind in ihrer überirdischen Abgehobenheit ein eigenwilliges, starkes Paar, dem man bei ihren kamikazehaft mutigen Recherchen gerne zusehen mag. Den etwas tränenrührigen Off-Epilog der Anja Kling, der alle in ihrem Schmerz auf sich allein gestellten Polizist(inn)en feiert, hätte man sich allerdings sicher sparen können.


Quelle: teleschau – der Mediendienst