Auch der neue Fall des Gerichtsmediziners Dr. Fred Abel basiert auf einer Romanvorlage des namhaften Berliner Forensikers Michael Tsokos. Diesmal wird's sehr privat – und bedrohlich: Der verschlossene Mediziner fürchtet um seine Pflegekinder. 

Kein Fernsehabend für feinsinnige Gemüter: Der einzelgängerische Gerichtsmediziner Fred Abel (Tim Bergmann) nennt sich selbst einen "Leichenaufschneider". Und damit schönt er nichts. Viel Blut, viel Gedärme und Gekröse ist auf seinem Arbeitstisch zu sehen. Nach dem TV-Movie "Zerschunden" setzt SAT.1 nun die Reihe seiner deftigen Ermittlungsarbeiten mit dem deutlich dramatischeren, sehenswerten Entführungsthriller "Zerbrochen – Ein Fall für Dr. Abel", einer Free-TV-Premiere, fort.

Diesmal bekommt es der Aufschneider mit einer ermordeten jungen Australierin zu tun. Die 23-jährige Studentin wird tot in einem der berüchtigten sogenannten "Darkrooms", einem geheimnisvollen, abgedunkelten Nebenzimmer für sexuelle Ausschweifungen, eines Berliner Disco-Clubs aufgefunden. Natürlich muss man an das in der Berliner Nacht-Realität vor neugierigen Kamerablicken abgeschottete Berghain denken. Der Australierin wurde offenbar eine gefährliche Dosis Liquid Ecstasy verabreicht, um sich an ihr vergehen zu können.

Doch ist der eine Fall – zynisch gesprochen – trostloser Alltag in der Berliner Gerichtsmedizin, geht Dr. Abel eine zweite hochdramatische Begebenheit deutlich näher: Als Zuschauer erfährt man ziemlich überraschend, dass der sonst so verschlossene Kriminalmediziner plötzlich zwei 17-jährige Kinder erhalten hat, die als Adoptiv-Schützlinge eben erst aus dem Senegal ins Sündenbabel Berlin kamen. Ebenso überraschend erfährt Abel, dass die beiden, die neugierig die berüchtigte Nachtwelt der Metropole auf eigene Faust erkunden wollten, offenbar die Wege des "Darkroom-Killers" (Arnd Klawitter) gekreuzt haben. Sie befinden sich in höchster Lebensgefahr. Wie die Polizei herausfindet, sollen Abels Kids in ein besonders anrüchiges Bordell nach Belgien verfrachtet werden.

"Zerbrochen" basiert wie schon der Vorläufer-Film "Zerschunden" mehr oder weniger real auf Arbeitserlebnissen des medial umtriebigen Forensikers Michael Tsokos. Die Macher greifen nicht gerade zum allerfeinsten Skalpell, um dramatische Schnitte zu platzieren. Vieles wirkt reißerisch, rasant serviert und gleichzeitig von der Figuren-Psychologie her trotz aller Körperflüssigkeiten im Film etwas blutleer. Dennoch bietet das TV-Movie, bei dem erneute Hansjörg Thurn Regie führte, spannende Thriller-Unterhaltung und branchenüblichen Nervenkitzel.

Im Anschluss greift ab 22.20 Uhr die Sendung "akte Spezial" das brisante Thema "Date Rape", das heißt Vergewaltigungen nach einem ersten Kennenlernen unter Jugendlichen, dokumentarisch auf. Außerdem wird der dem Krimi von Michael Tsokos zugrundeliegende reale Fall des Berliner "Darkroom-Killers" näher beleuchtet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst