"Bielefeld gibt es wirklich!" Diese Erfahrung müssen in einem neuen Krimi auch Wilsberg und sein Team machen. Die Münsteraner geraten mit ihren Kollegen aus Bielefeld aneinander.

Weil es ihnen so gut geht, zuletzt mit sieben Millionen Zuschauern und einer Quote von 25 Prozent, wird voll Übermut die "Bielefeld"-Erwähnung in allen Wilsberg-Krimis als Running Gag gepflegt. Irgend ein Vorwand findet sich immer, um die Stadt am Fuß des Teutoburger Waldes zu erwähnen. Nun aber, beim Drehen ihres 64. und 65. Falles, mussten die Münsteraner Schnüffler feststellen: "Bielefeld gibt es wirklich!" – Gleich zweimal wurde in Bielefeld, der Heimat des Wilsberg-Redakteurs Martin R. Neumann, gedreht – warum auch immer. Die Wilsberg-Antipodin Rita Russek wurde aus gegebenem Anlass in den Urlaubsstand versetzt. Proteste zwecklos, demnächst darf sie angeblich wieder dabei sein.

Im Bielefelder Cyber-Krimi "Ins Gesicht geschrieben" wetzen nun die Münsteraner und die Bielefelder Ermittler die Klingen, wie es bei regionalen Derbys üblich ist. "Unsere Luft dürfen Sie noch atmen, mehr aber auch nicht", sagt der Bielefelder Hauptkommissar zum emsigen Münsteraner Overbeck (Roland Jankowsky). Weshalb der wiederum den Namen Drechshage des Konkurrenten (Stefan Haschke) unaufhörlich zu "Drecksack" verballhornt und sich diesem mit einem falschen Anruf auch noch ans Messer liefert.

Trotzdem bleiben die Münsteraner im westfälischen Lokalderby natürlich Sieger. Schließlich ist es ja nichts anderes als ein Heimspiel auf fremdem Platz. Wilsberg (Leonard Lansink) wollte schon immer mal wieder nach seinem alten Freund Manni Höch vom Bauamt schauen. Doch der abgesprochene Treffpunkt "Grillparadies" erweist sich als schäbige Würstchenbude, und der Standort ist im Internet anders verzeichnet. Umso näher ist die Präsentation der Gesichts-App "Face 23", mit der man mittels Smartphone im Moment der Aufnahme sofort die ganze Vita eines Menschen samt aller Verfehlungen erfassen kann.

Ekki vom Finanzamt (Oliver Korittke) wiederum benutzt das Amtsjubiläum seines Bielefelder Kollegen Elmar, um diesem seine Glückwünsche zu überbringen. Dass dieser das erste Opfer der neuen App sein würde, komnte er nicht ahnen. Jeder Dritte, so wird beschieden, könne die "kleinen Geheimnisse" des Geappten sehen. Der Kollege Elmar hatte unter dem Künstlernamen "Red Horse" mal in einem Pornofilm mitgemischt. Nichts, was Steuerfahnder nach vorne brächte – schon zieht denn auch die Gattin samt Kind aus der gemeinsamen Wohnung aus.

Ekkis Freund Elmar ist einer der ersten Verdächtigen, als der App-Erfinder Benjamin Heller (Jörg Pintsch) im Anblick einer kläffenden Hundemeute und ihrer Leder-Herrchen nach dem Versagen seines Herzschrittmachers niedersinkt. Ganz vorne unter den Verdächtigen findet sich aber diesmal auch Wilsbergs Patentochter Alex (Ina Paule Klink), die nach vielen Jahren ihren früheren One-Night-Stand aus Münsteraner Studientagen zum Schäferstündchen wiedertrifft – just jenen App-Erfinder, der in Amerika zum Millionär geworden war und nun gar Alex zur Alleinerbin macht.

Dass aber das Programm zu "Face 23" von Benjamin Heller seinem früheren Partner Bruno Korati (Arnd Klawitter) geklaut worden war, setzt dem Cyber-Fass noch eine schöne Krone auf – nicht ohne Korati zu der kühnen Behauptung zu verleiten: "Wir waren die Ersten!". – Wie überhaupt in den vielfach witzigen Dialogen die Stärke des Drehbuchs von Marius Sixtus liegt, der hier sein ZDF-Mockumentary "Naked Face" (2016) zum Thema Gesichtserkennung wieder aufleben ließ. Die Münsteraner Mannschaft wird verbal über die Maßen gut bedient, die Spannung lässt im Verlauf des zur Satire neigenden Spiels einmal mehr zu wünschen übrig, durchaus mit einem Mangel an Verständlichkeit. Und Bielefeld – nun ja, man wird es überleben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst