Dokumentarfilm

Fake-Skandal: "Lovemobil"-Autorin gibt Preis zurück

Die preisgekrönte Kino-Doku "Lovemobil" zeigt angeblich den Alltag von Prostituierten in Niedersachsen. Doch wie sich herausstellte, sind im Film Darsteller zu sehen. Die Regisseurin gab jetzt nach teils scharfer Kritik ihren Preis zurück und entschuldigte sich.

Filmemacherin Elke Margarete Lehrenkrauss sah sich in den vergangenen Tagen massiver Kritik ausgesetzt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie bei ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm "Lovemobil" Darsteller engagiert hatte, obwohl die Bilder Authentizität suggerierten. Jetzt meldete sich die Regisseurin mit einem vehementen Schritt zu Wort: "Hiermit gebe ich den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2020 nebst der damit verbundenen Geldprämie zurück", ließ sie sich in einer Mitteilung des für die Preisverleihung zuständigen Senders SWR zitieren. "Ich habe bei der Realisierung meines Films 'Lovemobil' schwerwiegende Fehler gemacht, die ich zutiefst bereue und deren Ausmaß mir gerade selbst erst klar wird."

Im Dokumentarfilm "Lovemobil" werden zwei junge Prostituierte aus Nigeria und Bulgarien begleitet, die ihrer Arbeit unter entwürdigenden Umständen in Wohnmobilen an einer Landstraße bei Gifhorn nachgehen. So lautete jedenfalls die offizielle Version, denn nach Recherchen der NDR Redaktion STRG_F sind weite Strecken des mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis 2020 dekorierten Films nicht authentisch.

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Der NDR, welcher die Kino-Doku mitproduzierte, distanzierte sich am Montag per Statement von dem Film. So beruhe "Lovemobil" zwar auf langjährigen Recherchen von Lehrenkrauss, zentrale Protagonisten und Protagonistinnen würden jedoch keine persönlichen Erfahrungen schildern, sondern lediglich eine Rolle spielen. Demnach erhielt das investigative funk-Reportageformat STRG_F Informationen aus dem Umfeld der für den Grimme-Preis nominierten Produktion und sei so auf Unstimmigkeiten gestoßen. Im Interview mit STRG_F gab Elke Margarete Lehrenkrauss dann zu, sie habe den NDR nicht über Inszenierungen informiert – und dieser hätte nicht weiter nachgefragt.

"Lovemobil"Macherin entschuldigt sich

"Die Teilnahme meines Films ohne entsprechende Kennzeichnung und Offenlegung seiner Machart stellt eine Wettbewerbsverzerrung dar", erklärt die Autorin nun. Ihr sei klar, dass sie "die entstandene Frustration und Enttäuschung bei Preisgebern, Jurorinnen und Juroren und Kolleginnen und Kollegen damit nicht rückgängig machen" könne. "Das bedauere ich sehr. Ich entschuldige mich in aller Form bei allen Beteiligten, sowie allen Zuschauern und Zuschauerinnen", so Elke Lehrenkrauss. "Die Rückgabe des Deutschen Dokumentarfilmpreises ist mein erster Schritt, aus diesem Fehler zu lernen und meiner Branche und dem Deutschen Dokumentarfilmpreis nicht weiter durch diesen Film zu schaden."

Die Leiterin des SWR Doku-Festivals, Irene Klünder, zeigt sich erleichtert: "Elke Lehrenkrauss hat ihre Konsequenzen gezogen und sich entschuldigt. Das verdient Respekt und sollte ihr auch eine Zukunft ermöglichen. Zugleich ist dies eine Chance für den Dokumentarfilm, in dem offen die Transparenz und die Frage nach Authentizität diskutiert wird." Da der Preis im Jahr 2020 geteilt wurde, stehe nun das zurückgegebene hälftige Preisgeld von 10.000 Euro Feras Fayyad, dem Regisseur des anderen ausgezeichneten Films "The Cave – Eine Klinik im Untergrund", zu.

Für die redaktionelle Begleitung und Abnahme von "Lovemobil" war die NDR Dokumentarfilmredaktion zuständig. Als Grundlagen hätten ein Exposé sowie eine Kalkulation über einen Dokumentarfilm gedient. Im NDR-Statement vom Wochenanfang wird betont, dass die Redaktion in der mehrjährigen Produktionszeit nichts von den Inszenierungen wusste und die Vorwürfe der Autorin, man habe keine Nachfragen zur Authentizität gestellt, vehement bestreitet. "Der Film 'Lovemobil' entspricht nicht den Standards, die der NDR an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat", stellte Frank Beckmann von der Programmdirektion Fernsehen klar.

Der Film "Lovemobil", den das NDR Fernsehen zuletzt am 8. Dezember 2020 ausstrahlte, wurde vorerst aus der Mediathek entfernt und für Wiederholungen gesperrt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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