26.07.2021 Isabel Varell im Interview

"Jetzt kann ich die Hosen runterlassen"

von Marcus Italiani
Isabel Varell hat nicht nur ihren Fans ein Geschenk zu ihrem 60. Geburtstag bereitet, sondern auch sich selbst.
Isabel Varell hat nicht nur ihren Fans ein Geschenk zu ihrem 60. Geburtstag bereitet, sondern auch sich selbst.  Fotoquelle: Annemone Taake

Mit "Die guten alten Zeiten sind jetzt" hat Sängerin, Schauspielerin und Moderatorin Isabel Varell nicht nur ihren Fans ein Geschenk zu ihrem 60. Geburtstag bereitet, sondern auch sich selbst. Authentisch und ungeschönt spricht sie in dem Buch über ihre Ängste, den ewigen Kampf um Respekt und die Gründe, warum jede Herausforderung einem Menschen Flügel verleihen kann.

Frau Varell, was werden die Leute über Ihr Buch sagen?

Bislang habe ich vornehmlich Reaktionen bekommen, die mir verdeutlichen, dass das Buch meine extrem offene Seite zeigt. Ich habe aber auch viel zu sagen. Das Schöne am Älterwerden ist, dass man dann zu Dingen wie Angst stehen kann. Früher war es ja oft so, dass man sich schon mal verstellen musste, um einen bestimmten Job zu bekommen. Jetzt kann ich die Hosen runterlassen (lacht).

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Wie meinen Sie das?

Ich bin Kind einer Generation, in der die Leute schon um sieben Uhr morgens die Rollläden hochgezogen haben, damit niemand den Verdacht hegte, sie hätten verschlafen. Heute gehen vor allem jüngere Generationen doch viel offener und ehrlicher mit ihrem Leben um. Gut so!

Für manche Leser mögen einige Geschichten in Ihrem Buch beinahe schon zu offen sein, so als entzaubere man die immer souverän wirkenden Prominenten und oute sie als Menschen mit ganz normalen Problemchen.

Ich glaube nicht, dass ich Schauspieler oder andere Prominente entzaubere, sondern einfach zeige, dass wir alle unsere Ängste haben, mit denen wir umgehen müssen. Ich finde es wichtig, dass wir uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen. Das verbindet und hilft allen weiter.

Wenn man Sie auf der Bühne sieht, dann würde man nicht glauben, dass Lampenfieber oder Versagensängste überhaupt Themen für Sie sind. Ganz im Gegenteil: Ihre Auftritte laufen seit jeher eher nach dem Motto "Hoppla, jetzt komm' ich" ab.

Das ist aber überhaupt kein Gegensatz. Man denkt immer, dass Leute, die vor Publikum auftreten, unglaublich selbstbewusst sind, aber das ist nicht der Fall. Michael Jackson, der ja vor Hunderttausenden scheinbar mühelos und perfekt performt hat, hat sich beispielsweise hinter seinem Sofa versteckt, wenn er seinem Produzenten neue Lieder vorsingen sollte. Bei mir ist es so, dass ich eigentlich gar nicht so ein Lampenfieber-Typ bin. Aber immer, wenn ich wieder mit einer neuen Aufgabe starte, dann kommen auch die Selbstzweifel und Versagensängste.

Ab wann brauchen Sie diese Ängste, bevor Ihnen langweilig wird?

Es ist immer wieder aufs Neue eine Aufgabe. Aber das Überwinden und Bewältigen einer Herausforderung ist ja rückblickend auch immer wieder wahnsinnig schön. Nur: Wenn man es geschafft hat, dann sagt sich das immer leicht. Langweilig ist mir deshalb nie. Ich durfte bislang so viel erleben und habe noch so viel vor.

Nämlich? Was wäre tatsächlich etwas völlig Ungewöhnliches, das Sie über alle Maßen fordert?

Ich hatte ja immer schon eine soziale Ader. Zum Beispiel habe ich drei Jahre ehrenamtlich in einem Hospiz gearbeitet – eine ganz wichtige Erfahrung. Schön wäre, mal einen sozialen Dienst über Monate in einem anderen Land zu leisten. Ich hätte davor keine Angst, aber Respekt, immer das Richtige zu tun. Doch das wäre mir ein Bedürfnis. Und es ist ja auch etwas, das das eigene Leben wiederum bereichert.

Leben ist ein gutes Stichwort. Sie blicken immer positiv in die Zukunft, auch wenn Sie Ihr neues Buch in dem Monat veröffentlichen, in dem Sie Ihren 60. Geburtstag feiern. Hadern Sie mit dem Alter?

Gar nicht. Ich bin auch nicht der Typ, der sagt: "Ach ja, das geht in meinem Alter eben nicht mehr." Ich sehe das für mich so: Natürlich sind irgendwann „im Alter“ gewisse Dinge anders, aber es gibt immer noch genug, das ich tun will. Und ich lebe einfach zu gerne, bin neugierig und voller Tatendrang. Das ändert sich nicht, weil da eine "große" Zahl im Raum steht.

Der Tatendrang äußert sich auch in jeder Menge Pläne für künftige Auftritte.

Stimmt. Im Herbst werde ich diverse Bühnen betreten. Das Programm wird eine Mischung aus Lesung und Musik sein, worauf ich mich sehr freue, da es auch für mich mal etwas anderes ist.

BUCHTIPP:

Isabel Varell: Die guten alten Zeiten sind jetzt, Piper

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