Zweite Staffel bei Amazon Prime

"Binge Reloaded": Am besten sind die Masken

von Eric Leimann

Auch die zweite Staffel von "Binge Reloaded" zieht wieder diverse Formate durch den Kakao. Um alle Gags zu verstehen, braucht man neben dem Free-TV auch diverse Streaming-Abos.

Vor neun Jahren endete "Switch Reloaded" bei ProSieben. Die vielfach preisgekrönte Parodie des deutschen TV-Programms erfuhr Ende 2020 eine Neuauflage bei Amazon. Dabei wurden dümmliche Shows, Kultserien und zahlreiche Prominente durch den Kakao gezogen. Nun erhielt das Format eine zweite Staffel (ab Freitag, 14. Januar, Amazon Prime) mit acht Folgen à etwa 25 Minuten. Zum Cast der zweiten Staffel gehören wieder Michael Kessler, Martin Klempnow, Jan van Weyde, Jasmin Schwiers, Antonia von Romatowski, Christian Schiffer, Joyce Ilg und Paul Sedlmeir. Nicht mehr dabei ist Tahnee. Dafür wird Ilka Bessin in Gastrollen zu sehen sein.

Interessant dürfte für Fans und Spötter der auf die Schippe genommenen Formate auch die Frage sein, hinter welchen Figuren der Comedy-Cast verschwindet und wie die – traditionell guten – Masken aussehen. Neu auf der Parodienliste sind in Staffel zwei ein ziemlich griesgrämiger James Bond, bei dem sich der Fehlerteufel in die meisten von Tüftler Q gelieferten Gadgets geschlichen hat. Dazu die "Star Wars"-Serienfigur "The Mandalorian" oder der Netflix-Hit "Bridgerton". Auch Free-TV-Protagonisten wie Evelyn Burdecki, die Kaulitz-Brüder, Steffen Henssler, Horst Lichter, Elton oder Joko Winterscheidt bekommen ihr Fett weg.

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Die Gags sind nicht mehr so originell

Die Vorgänger-Formate "Switch – TV gnadenlos parodiert" (1997 bis 2000) sowie "Switch Reloaded" (2007 bis 2012) gelten als Humorklassiker des deutschen Fernsehens. Komiker wie Max Giermann, der in Christian Rachs Maske Restaurants testete, oder Martina Hill, die mit absurd hochgepitchter Heidi-Klum-Stimme Kandidatinnen ihrer Model-Show drangsalierte, erschufen damals Figuren für die deutsche Humor-Ewigkeit. Wenn auch schon in den ProSieben-Formaten nicht jeder Gag zündete, die Lach-Quote der Gagschreiber war schon ziemlich hoch. Dies war weder beim "Binge Reloadad"-Comeback vor gut einem Jahr der Fall, noch wurde das Niveau in Staffel zwei, die nun startet, spürbar angehoben. Vieles wirkt – trotz ordentlicher Masken – vom Gag-Writing her einfach nicht so originell wie früher, wenn auch Ausnahmen die Regel bestätigen.

So ist die Parodie auf "4 Blocks" in der schwäbischen Spießerversion immer noch ziemlich lustig. Auch die Dialoge zwischen den Kaulitz-Brüdern, die vom maskengesichtigen Carsten Maschmeyer in der Show "Die Höhle der Löwen" kurz und lang geheißen werden, zünden in Form eines originellen Trashtalk-Bashings.

Unterm Strich bleibt aber vieles in der etwas bemühten Schmunzel-Schublade stecken. Sehenswert ist das Ganze für TV- und Streaming-Nerds dennoch, weil schon allein interessant ist, welche Aspekte die Komikerinnen und Komiker in den auf die Schippe genommenen Formate für parodiewürdig halten. Grundsätzlich wünscht man der Fortsetzung des Comedy-Kult-Formates alles Gute. Die Qualität der Gags darf – sollte es eine dritte Staffel geben – aber gerne noch ein wenig zulegen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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