Antihelden-Epos

Finale von "The Boys": Ein düsteres Meisterwerk

08.04.2026, 08.52 Uhr
Die finale Staffel von "The Boys" hält der US-Gesellschaft einen düsteren Spiegel vor. Mit Homelander als übermächtigem Antagonisten erleben die Helden eine bittere Auseinandersetzung mit der Realität.

Man weiß in der absolut irren Comicverfilmung "The Boys" (Vorlage Garth Ennis, "Preacher") ja nie so recht, was zuerst da war: die Realität oder die Fiktion. Ging es anfangs vor allem um die menschlichen Makel von Superhelden, die alles andere als super sind, beschäftigte sich die Serie zunehmend mit der Dekonstruktion der US-amerikanischen Gesellschaft. Und so kommt in der finalen fünften Staffel (ab 8. April bei Prime Video) was kommen musste: Der oberste Superheld hält das ganze Land im Würgegriff – und nur eine Handvoll Versprengter kann dem Narzissten noch die Stirn bieten.

Homelander (Anthony Starr) hat sich die Macht gesichert, wirtschaftlich und politisch. Gegner lässt er bei Razzien verhaften und in "Freedom Camps" stecken: Freiheit macht frei, steht über den Eingangstoren. Und auch sonst ist der Faschismus allgegenwärtig in einem Land, in dem Wahrheit und Gerechtigkeit systematisch pervertiert werden.

Wer sich nicht anpasst, hat kaum Überlebenschancen. Und das Sterben ist auch in der fünften Staffel von "The Boys" eine sehr plastische Angelegenheit, ein Blutbad im Wortsinne – auch für zufällige Passanten.

Wie menschlich darf man bleiben?

Doch sind es nicht die mit aktuellem Kontext aufgeladenen Gewaltorgien, die das Finale von "The Boys" düsterer und trübsinniger machen. Die vom kantigen Butcher (Karl Urban), der abtrünnigen Superheldin Starlight (Erin Moriarty) und dem nicht mehr ganz so schüchternen Normalo Hughie (Dennis Quaid) angeführten Versprengten müssen sich fragen, wie viel Menschlichkeit sie sich noch leisten wollen im Kampf gegen eine Macht, die alle Menschlichkeit ausmerzen will.

Es ist ein Klima der Angst und des Wahnsinns, das sich ausbreitet. Befeuert nicht nur durch die Ja-Sager in Homelanders Umfeld, sondern auch durch eine gehirngewaschene, fanatische Basis, die von Oh-Father (Daveed Diggs) angeführt wird. Das Land muss sich wieder auf christliche Werte besinnen, und zwar am besten aus dem Alten Testament.

Die Wirklichkeit hat andere Pläne

Das kommt einem doch bekannt vor, wenn man sich (aus Selbstschutz) nicht komplett vor aktuellen Nachrichten verschließt. Bleibt aber immer noch die Frage, was zuerst da war: die Realität oder die Fiktion? Die beschäftigt auch Eric Kripke, Showrunner und Autor der Serie. In einem Interview kurz vor dem Start der finalen Staffel von "The Boys" gab er sich jedenfalls ziemlich zerknirscht. Insbesondere ist er "enttäuscht", dass er und sein Team die letzte Staffel der Serie vor den US-Wahlen 2024 geschrieben haben.

"Ich schwöre, der Plan war, eine '1984'-Version davon zu schreiben, wie schleichender Autoritarismus in Amerika aussieht", sagte er. Die Hoffnung war, dass man sagen könnte: "Puh, da sind wir gerade noch einmal davongekommen." Doch die Wirklichkeit hatte andere Pläne: "Viele Dinge, die uns beim Schreiben extrem weit hergeholt schienen, sind auf eine Weise eingetreten, die wirklich, wirklich verdammt beunruhigend ist."

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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