"Abgeklatscht und abserviert"

Vergessene Corona-Helden brauchen Geld statt nette Gesten

von Rupert Sommer

Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde der Einsatz von Pflegekräften oder Supermarkt-Angestellten öffentlich gefeiert. Doch was ist aus den Sympathiebekundungen und Versprechungen geworden? Eine ARD-Doku geht dieser Frage nach.

ARD
Abgeklatscht und abserviert – Die vergessenen Corona-Helden
Dokumentation • 29.03.2021 • 22:50 Uhr

Von Applaus allein kann man sich nichts kaufen. Die neue ARD-Dokumentation "Abgeklatscht und abserviert – Die vergessenen Corona-Helden" von Caroline Rollinger und Benjamin Arcioli greift ein brisantes Thema auf: Heuchelei und leere Versprechungen nicht nur von Politikern, sondern auch von vielen Arbeitgebern in Krisenzeiten.

Kaum jemand dürfte anzweifeln, dass vor allem meist eher schlecht bezahlte Pflegekräfte in Krankenhäusern und Heimen sowie Supermarkt-Angestellte, die die Notversorgung auch in härtesten Lockdown-Zeiten gewährleisten, eine der Hauptlasten der Pandemie tragen. Doch statt symbolträchtiger Sympathiebekundungen erwarten viele dieser Corona-"Frontkämpfer" eine faire Entlohnung und mehr gesellschaftliche Anerkennung.

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Schon bald nach dem März 2020 wurde vielen Deutschen klar, wie dünn oft der Faden ist, an dem das Schicksal der Nation hängt. Und ebenso rasch kam es zu demonstrativen Applaus-Bekundungen für die hart schuftenden sogenannten "Systemrelevanten", die das öffentliche Leben auch im Ausnahmezustand am Laufen hielten – und halten. Doch die Mitarbeiter im Pflegebereich, die vielen Kassiererinnen und Kassierer, die Packer, Lkw-Fahrer und Müll-Entsorger konnten aus dem plötzlichen Mehr an Zuspruch bislang noch keine nennenswerten finanziellen Verbesserungen ableiten.

Gehälter unter dem Durchschnitt

Die Dokumentation sieht genau hin und stellt Menschen vor, die tatsächlich noch immer Arbeit "an vorderster Linie" leisten – so etwa die Krankenpflegerin Kim Peters aus Hamburg. Sie trafen die Sonderbelastungen besonders hart – nicht nur durch ihre eigenen Einsätze, sondern auch durch persönliches Pech. Sie infizierte sich schon während der ersten Corona-Welle bei ihrer Arbeit im Krankenhaus mit dem gefürchteten Erreger. Obwohl sie erst Mitte 30 und zuvor kerngesund war, erkrankte sie schwer. Dennoch stürzte sie sich nach ihrer Genesung notgedrungen wieder in die Arbeit: Sie betreut Patienten auf der Corona-Intensivstation.

Was Kim Peters wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen ärgert: Noch immer verdienen 90 Prozent der Beschäftigten, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, trotz aktuell extremer Arbeitsbedingungen weniger als der bundesdeutsche Durchschnitt. Was besonders schmerzt – gerade in der Diskussion, in der wirtschaftliche Interessen dominieren: Verantwortung für das Wohl anderer Menschen wird schlechter bezahlt als Verantwortung für Maschinen.

Auch Farina Kerekes, Verkäuferin bei einer Drogerie, engagiert sich für mehr Anerkennung – auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Sie fordert, dass wieder alle Beschäftigten im Handel mit einem Tarifvertrag arbeiten. Dafür rief sie die Bewegung #Handelsaufstand ins Leben. Ähnlich engagiert zeigt sich der Krankenpfleger Benjamin Jäger: Er gründete die Pflegegewerkschaft "Bochumer Bund".

Die ARD-Dokumentation möchte nun nach einem Jahr Pandemie eine erste Bilanz ziehen: Was ist aus den politischen Forderungen nach Aufwertung dieser Berufsgruppen geworden und welche sozialen Auswirkungen hat die Krise?

Abgeklatscht und abserviert – Die vergessenen Corona-Helden – Mo. 29.03. – ARD: 22.50 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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