"Das Verschwinden"

"Der Irland-Krimi": ein abgesägter Finger auf dem Polizeirevier

von Wilfried Geldner

Ein Mädchen wird während des irischen Halloween-Festes "Samhain" entführt, ihr Freund getötet. Psychologin Cathrin Blake greift der Polizei bei deren Ermittlungen unter die Arme.

ARD
Der Irland-Krimi: Das Verschwinden
Krimi • 25.03.2021 • 20:15 Uhr

Auch in ihrem neuen Irland-Krimi wirkt die Psychologin Cathrin Blake (Desirée Nosbusch) aus dem irischen Küstenstädtchen Galway noch immer tieftraurig, wenn nicht gar verhärmt. Désirée Nosbusch wurde nach dem starken Beginn der Reihe im Ersten im Oktober 2018 viel gelobt wegen der zurückhaltend wirkenden Erscheinungsweise. Nach dem Verschwinden ihres Mannes weiß die Ex-Alkoholikerin noch immer nicht so recht, ob sie als Profilerin wieder mit der Polizei zusammenarbeiten soll. Doch im nunmehr dritten Fall (Regie: Züli Aladag) gerät die Trauermimik zur Pose – wie eine dauerleidende Madonna wirkt sie da. Als ein Mädchen beim irischen Halloween-Fest "Samhain" entführt wird, greift sie nur widerwillig in die Ermittlungen ein. Schon bald jedoch enttarnt sie den Täter mit psychologischem Röntgenblick.

Nur ungern entlässt Vater Dylan (Jonathan Delaney Tynan) die halbwüchsige Tochter mit ihrer Freundin ins herbstlich-keltische Treiben. Nicht nur Cathrin, die Psychologin, auch die Zuschauer erkennen bald, dass dieser Vater so seine Probleme hat. Der Eindruck verstärkt sich, als Holly, die Tochter (Abby Fitz), dann nach einem gar nicht so keltischen Rockkonzert auf dem Weg in die Kneipe mit einem Musikerfreund überfallen wird. Vater Dylan sieht den schlimmen Vorfall vor seinem geistigen Auge. Weil Dylan dann auch noch den abgeschnittenen Finger der Tochter aufs Polizeirevier bringt, nachdem er Holly zuvor als vermisst gemeldet hat, verdichtet sich der auf ihn selbst gerichtete Verdacht. Da mag der örtliche Drogenboss auch noch so gefährlich sein, der die Polizei von Galway so schön unter Druck setzen kann, dass es wieder andere Väter und Töchter graust.

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Der dritte Irland-Fall "Das Verschwinden" daran, dass die Arbeit der traurigen Profilerin und die Tat selbst zu kurz geschlossen sind. Galway ist klein, man kennt sich und Cathrin hat in ihrer Praxis jede Menge Psychotiker, wenn nicht gar Schizophrene zu betreuen. Das ist alles gut gemeint, mit dem Keltenfest, bei dem man die Toten kontaktieren kann und übermächtige Väter zumindest vor dem geistigen Auge auferstehen. Doch die Wunden der Vergangenheit, die zu neuen Taten führen, werden eher behauptet als gezeigt.

Zugleich erklärt Cathrin viel zu viel, wenn sie beispielsweise über den Zustand des geplagten Vaters sagt: "Ein psychotischer Schub – er sieht Dinge, die gar nicht da sind." – Wer hätte es gedacht? Dabei hatte sich die Regie im Zusammenschnitt von Vergangenheit und Gegenwart, von Wahn und Wirklichkeit, doch bereits alle Mühe gegeben, das zu vermitteln. Der alte Fitz aus der Profiler-Serie der 90er-Jahre ("Für alle Fälle Fitz") wird sich da schön eins grinsen: Erstens ist's ja keine Serie und viel zu weit auseinandergerissen – und dann ist halt auch alles viel zu brav – mal vom abgesägten Finger abgesehen.

Der Irland-Krimi: Das Verschwinden – Do. 25.03. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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