Beklemmendes Kammerspiel

"Die Katze": NDR zeigt bitteres Ehedrama mit Götz George und Hannelore Hoger

15.06.2026, 14.59 Uhr
In "Die Katze" verkörpert Götz George einen Mann, dessen Ehe nur noch von Hass geprägt ist. Mit Hannelore Hoger und Catrin Striebeck bringt das Filmdrama von Daniel Nocke und Kaspar Heidelbach die literarische Vorlage von Georges Simenon in die deutsche Gegenwart.

Es war 2008 eine Art Geburtstagsgeschenk zu seinem damaligen 70. Geburtstag: Die ARD gab Götz George die Hauptrolle im Kammerspiel "Die Katze", in einem leisen, durchaus bitteren Film nach einer Erzählung von Georges Simenon. Gebetsmühlenartig, fast meditativ – wäre es nicht so deprimierend – sieht man darin einem alten Ehepaar zu, das nur noch vom stummen Hass aufeinander zum Weiterleben animiert wird. Mit Hannelore Hoger und Catrin Striebeck als Darstellerinnen, mit dem vielfach ausgezeichneten Drehbuchautor Daniel Nocke ("Duell in der Nacht", "Silberhochzeit") und Regisseur Kaspar Heidelbach ("Das Wunder von Lengede", "Der Untergang der Pamir") sorgt ein hochkarätiges Team für eine klaustrophobische Spannung. Der NDR wiederholt das beklemmende Meisterwerk am Montag, 15. Juni, um 22.45 Uhr.

Für Verwirrung ist gesorgt: Mit dem gleichnamigen Thriller, den Dominik Graf 1987 ebenfalls mit Götz George und Gudrun Landgrebe in den Hauptrollen inszenierte, hat "Die Katze" rein gar nichts zu tun. Die Vorlage des "Maigret"-Autors Georges Simenon wurde allerdings bereits 1971 mit Jean Gabin und Simone Signoret verfilmt. Das deutsche TV-Remake geht weniger freizügig mit der literarischen Vorlage um, verlagert das Geschehen allerdings ins heutige Kiel: Siegmar, ehemaliger Polier, und die aus großbürgerlichem Fabrikantenhause stammende Margret (Hannelore Hoger) lernen sich auf einer Senioren-Schifffahrt kennen. Aus Angst vor dem Alleinsein beschließen sie, nach wenigen Treffen zu heiraten.

Eine Katze als Symbol eines Ehekrieges

Überraschend für Margret bringt der schweigsame Proletarier Siegmar neben "geschmacklosen" Möbeln auch seine Katze mit in den gemeinsamen Haushalt. Das Tier, mit dem die Dame des Hauses von Anfang an auf Kriegsfuß steht, wird immer mehr zum Symbol des sich manifestierenden Hasses zwischen den Eigenbrötlern. Als die Katze plötzlich tot im Keller liegt, hört Siegmar von einem Moment auf den anderen auf, mit Margret zu sprechen.

Fortan kommuniziert man mit tödlichen Blicken oder, wenn es nottut, über kleine Notizen auf Zetteln. Als Siegmar die Situation nicht mehr aushält, findet er eine Bleibe bei der sympathisch handfesten Kneipenwirtin Annie (Catrin Striebeck), mit der er schon während seiner ersten Ehe eine Affäre hatte. Überraschenderweise stellt Margret dem verhassten Gatten jedoch nach, stumm beobachtet sich das Paar. Doch auch Siegmar kann von der Feindin nicht ablassen.

In der französischen Verfilmung von 1971 ist einiges anders: Die Katze wird von Simone Signoret erschossen, die Frau wird eindeutig als der diabolische Part dieser zwischenmenschlichen Tragödie identifiziert. Drehbuchautor Daniel Nocke und Regisseur Kaspar Heidelbach, der das Projekt initiierte, wollten sowohl den Tod der Katze als auch die Schuldfrage bewusst in der Schwebe lassen. So wird das ob seiner Tristesse fast schon physisch schmerzende Drama zum Moritat einer auf ganzer Linie gescheiterten Beziehung.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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