Film im Ersten

"Steirertod": Abschied von Kommissarin Sandra Mohr

von Wilfried Geldner

Miriam Stein als Kommissarin Sandra Mohr verabschiedet sich im fünften Film "Steirertod" aus der Steiermark-Landkrimi-Reihe. Und plötzlich wird der launische Krimi zur Tragödie.

ARD
Steirertod
Krimi • 13.11.2021 • 20:15 Uhr

Im fünften Film der ORF-"Landkrimi"-Reihe aus der Steiermark, "Steirertod", wird die von Miriam Stein gespielte Kommissarin Sandra Mohr vom Täter, einem Prostituiertenmörder, angeschossen und kommt schwerverletzt ins Grazer Krankenhaus. Mohr ist schwanger – und das bekanntlich ausgerechnet vom Sohn ihres Kollegen Sascha Bergmann (Hary Prinz). Mit viel Humor erzählte Beziehungsgeschichten sind die andere Seite des oftmals mit grellen Mitteln erzählten Steirerkrimis. Die nicht selten Dialekt-gefärbten Pingpong-Dialoge entschädigen immer wieder für Konventionelles. Diesmal geht's um einen Serienmörder, der Prostituierte fesselt, vergewaltigt und tötet.

Zwei Morde sind schon geschehen, als die Kommissarin Sandra Mohr einen im Auto Fliehenden stellen will, eine Prostituierte wollte ihm an einer Kreuzung entkommen. Doch der Mut der schwangeren Kommissarin zahlt sich nicht aus, sie wird von einer Kugel getroffen und kommt schwer verletzt ins Krankenhaus – ein Schock, der vor allem ihren Vorgesetzten und beruflichen Partner Bergmann bis in die tiefste Seele trifft. Urplötzlich wird so aus dem Krimireißer eine dunkle Tragödie.

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Immerhin kann Sandras werdendes Kind gerettet werden. In der schönsten Stelle des Films hat Daniel, der Kindsvater und Bergmanns Sohn (Johannes Nussbaum) einen Traum. Noch einmal steht Sandra, wie zu Beginn ihrer Beziehung vor seiner Türe und bittet darum, bei ihm längere Zeit bleiben zu dürfen. Noch schöner: Daniel erklärt später seinem Vater, dass ihn der Täter nicht weiter interessiere. Der sei "sicher auch wieder nur so ein Typ, der eine Scheißkindheit gehabt hat". Daniel zieht nach Berlin, Sandra Mohr braucht jetzt keinen kochenden Hausmann mehr.

Sascha Bergmann führt jetzt die verbalen Geschlechterkämpfe mit der neuen Revierchefin vom LKA (Bettina Mittendorfer), die er vor die Nase gesetzt bekommt. Er kennt sie von früher, er hat sie damals für Daniels Mutter verlassen. Das ergibt Dank des Drehbuchs von Maria und Wolfgang Murnberger (auch Regie) fesch unterkühlte Geplänkel zwischen den beiden, bei denen der stets von der Suspendierung bedrohte, trauernde Chauvi Bergmann viel Fett abbekommt.

Andererseits die neue Kommissarin an Bergmanns Seite: Anni (Anna Unterberger) wird erst mal als wagemutiger Lehrling eingführt und bekommt zusammen mit ihrem Vorgesetzten die ganze Breitseite des konventionellen Kriminalerlebens ab. Phantombilder, Türen abklappern und frech abgewiesen werden: Es ist eben all das , "was in den Scheißfilmen nie vorkommt", wie Bergmann trefflich der jungen Kollegin erklärt.

Mit der Ironie wird viel von der üblichen Gleichförmigkait der Krimi-Recherche aufgefangen. Die Kamera ist indessen omnipräsent, der Zuschauer darf das fiese Gebaren des Mörders, aber auch die Angst seiner Opfer verfolgen, immer ein wenig nah am Spekulativen der Prostituiertenszene gefilmt. Aber zum Ausgleich haben wir ja den Humor der steirischen Kriminaler. Am Ende isst die Anni ein Stück Leberkäs, und der Kollege Bergmann nimmt dankend an. Es ist so etwas wie ein Ritterschlag.

Steirertod – Sa. 13.11. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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