TV-Kritik

"TV Total"-Comeback: So weit, so vertraut, so gut

17.11.2021, 16.00 Uhr
von Antje Rehse
Sebastian Pufpaff ist der neue "TV Total"-Moderator.
Sebastian Pufpaff ist der neue "TV Total"-Moderator.  Fotoquelle: picture alliance/dpa | Henning Kaiser

Comeback nach sechs Jahren: "TV Total" ist wieder da. Bis auf den Gastgeber gab es zum Start wenig Neues – und das war gut so. Bestätigt sich der positive erste Eindruck auch nach dem Debüt?

Viel Skepsis schlug dem neuen Moderator Sebastian Pufpaff vor der Show entgegen. Die Fußstapfen, die Stefan Raab mit seiner Kultshow hinterlassen hatte, waren groß. Ein "TV Total" ohne den Mann mit der überdimensionierten Kauleiste? Viele glaubten, das könne nicht funktionieren. Pufpaff hat sie fürs Erste eines Besseren belehrt, denn der Kabarettist legte am 10. November einen ebenso souveränen wie unterhaltsamen Start hin.

Direkt beim Stand-up konnte Pufpaff auch im Vergleich zu Raab glänzen. Raabs Stärken lagen ohnehin immer in anderen Bereichen, Pufpaff ist durch seine eigenen Comedy-Programme in dieser Disziplin geschult. Manch ein Zuschauer ließ sich sogar zu der These hinreißen, Pufpaff sei der bessere Raab. Zumindest fürs Stand-up kann man diese These sogar unterschreiben. Ob Pufpaff aber auch Raabs legendäre Momente bei "Raab in Gefahr" toppen kann, darf bezweifelt werden.

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Schnell wurde beim Comeback klar: Die lange Pause hat "TV Total" auch deshalb gut getan, weil das Fernsehen seit 2015 jede Menge Stoff produziert hat, denn man in der Sendung durch den Kakao ziehen kann.

Ganz wie früher drehte sich auch bei der Neuauflage von "TV Total" alles um die kleinen und großen Absurditäten der deutschen Fernsehwelt. Thomas Gottschalk, Frank Plasberg, Markus Söder und der CSU-TikTok-Kanal – sie alle bekamen ihr Fett weg. Michelle Hunziker wurde die Ehre zuteil, als erster neuer Clip auf dem Nippelboard zu landen. Bei Florian Silbereisens "Schlagerboom" wurde Pufpaff zum ersten Mal richtig böse, als er Silbereisens übereuphorische Moderation nicht nur mit "Braveheart" und den "Minions" verglich, sondern auch mit Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels.

Dass sich die Medienwelt seit der letzten Sendung im Jahr 2015 verändert hat, merkte man nur an wenigen Stellen: Auch Podcasts laufen nun Gefahr, bei "TV Total" auseinandergenommen zu werden – ein Audio-Ausschnitt aus dem Podcast von Markus Lanz und Richard David Precht wurde über Bilder von Lanz' Talkshow gelegt – und natürlich durfte auch der neue Sender "Bild TV" nicht fehlen. Hier zogen Pufpaff  und das "TV Total"-Team im direkten Comedy-Vergleich zu Jan Böhmermann, der sich den Fernsehsender der "Bild"-Zeitung schon seit Wochen regelmäßig vornimmt, allerdings den Kürzeren.

Der Eindruck nach der ersten Sendung: Bei "TV Total" ist man gewillt, sich auf die früheren Stärken der Sendung zu besinnen. Die vielen TV-Einspieler waren schon immer der Trumpf der Show. Darauf setzt das neue "TV Total" offenbar konsequent. Talkgäste hingegen braucht in dieser Sendung wirklich niemand und so bleibt zu hoffen, dass dieser Programmpunkt der früheren Variante nicht nur in der ersten neuen Ausgabe unter den Tisch fiel.

Wer auf Innovation beim Sendekonzept gehofft hatte, wurde freilich enttäuscht. Ähnlich wie beim "Wetten, dass..?"-Comeback setzten die Macher voll auf Altbewährtes und den Faktor Nostalgie, nur dass das bei "TV Total" durch die vielen neuen TV-Einspieler und den neuen Gastgeber trotzdem wie eine Frischzellenkur wirkte. So weit, so vertraut, so gut. Es bleibt abzuwarten, wie lange der Nostalgiefaktor die Sendung trägt und wann sich sich "TV Total" dann doch etwas neues einfallen lassen muss.

Zum Start waren die Einschaltquoten von "TV Total" jedenfalls sensationell: 27,2 Prozent der 14- bis 49-jährigen Zuschauer waren beim Comeback dabei. Ob sich der positive Start bestätigt, zeigt sich am Mittwoch, 17. November. Dann läuft bei ProSieben um 20.15 Uhr die zweite neue Folge.

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