Ted Kotcheff

William Theodore Kotcheff
Geboren: 07.04.1931 in Toronto, Ontario, Kanada

Ein Mann kommt in ein kleines Provinzkaff. Er will nur seinen alten Kumpel aus dem Vietnamkrieg besuchen und ein bißchen mit ihm plaudern. Doch er fällt der gelangweilten Dorfpolizei auf, und der örtliche Sheriff macht sich einen Spaß daraus, den simpel gestrickten Kerl zu mißhandeln. Der dreht durch und räumt auf. Denn sein Name ist "Rambo".

Der kanadische Regisseur Ted Kotcheff ist der Mann, der 1982 einer der wenigen mythischen Actionfiguren der Jetztzeit zum Leben verhalf. Wo immer von rücksichtslosem Verhalten die Rede ist, läßt der Name "Rambo" meist nicht lange auf sich warten. Da werden Verkehrsrowdies zu "Straßen-Rambos", ein österreichischer Rechtsradikaler zum "Alpen-Rambo" und foulspielende Fußballer zu "Rasenplatz-Rambos".

Doch im ersten, für sein Genre maßstabsetzenden Abenteuer des seelisch angeknacksten Haudegens (Sylvester Stallone) ist der Held noch relativ differenziert gezeichnet. Ted Kotcheff macht aus dem einfachen, aber dankbaren Thema einen sehenswerten, spannenden und gut inszenierten Actionfilm, der die weitaus erfolgreicheren Teile 2 und 3 qualitativ meilenweit überragt.

Kotcheff begann in den 50er Jahren beim Live-TV in Kanada, 1957 wechselte er nach England. Dort inszenierte er 1962 seinen ersten Film, "Tiara Tahiti" mit James Mason. Es folgten die "beachtliche Romanverfilmung" (Lexikon des Internationalen Films) "Ein Platz ganz oben" (1965) und die in Deutschland nicht gelaufenen "Two Gentlemen Sharing" (1969) und "Outback" (1971).

Ein sehr interessanter Film gelang Kotcheff 1973 mit dem langsam inszenierten, aber spannenden Western "Begrabt die Wölfe in der Schlucht", den er mit Gregory Peck in Israel drehte. "Duddy will hoch hinaus" (1974) zeigte einen jungen Mann (Richard Dreyfuss) aus ärmlichen Verhältnissen, der um jeden Preis nach oben will. Am Ziel angekommen, hat er alle seine Freunde vergrault.

Mit "Das Geld liegt auf der Straße" (1975, mit Jane Fonda) und vor allem "Die Schlemmer-Orgie" (1977, mit Jacqueline Bisset) erwies sich Kotcheff als der richtige Mann für satirische Komödien, vor allem im letzten Film mit stark schwarzhumorigem Einschlag: Die Sekretärin eines auf Diät gesetzten Gourmets murkst die Top-Köche ab, die ihren Chef mit raffinierten Kreationen immer wieder zum Schlemmen verführen. Darauf folgte der Sportfilm "Die Bullen von Dallas" (1979) mit Nick Nolte. Ein Football-Profi jenseits seiner besten Tage hält sich darin krampfhaft mit Doping fit.

"Das Idol" (1982) mit Michael O'Keefe, Peter Fonda und James Woods hatte die gefährliche Anziehungskraft von Jugendsekten zum Thema. Der Erfolg von "Rambo" (1982) zog für Kotcheff einen weiteren Actionfilm nach sich, "Die verwegenen Sieben" (1983), in dem ein US-Colonel ein paar in Vietnam gefangengehaltene Soldaten freihaut. Damit nahm Kotcheff das Thema des erst später von George P. Cosmatos inszenierten "Rambo 2" (1986) vorweg.

Inszwischen war denn doch ein Qualitätsverfall seiner Filme unübersehbar. Nach "Joshua then and now" (1985) folgte 1987 das konstruierte Melodram "Winter People - Wie ein Blatt im Wind" und 1988 die mäßig unterhaltsame Komödie "Eine Frau steht ihren Mann" mit Kathleen Turner und Burt Reynolds. "Immer Ärger mit Bernie" (1989) war eine makabre Komödie, die nicht nur im Titel an Hitchcocks Klassiker "Immer Ärger mit Harry" (1955) anschloß.

Danach inszenierte Kotcheff mit "Eine ganz normal verrückte Familie" (1991) eine weitere Satire. Tom Selleck spielte die Hauptrolle als Börsenmakler, der vorübergehend mittellos wird und obendrein seinen obdachlosen, senilen Vater (Don Ameche) bei sich aufnehmen muß.

"Eiskalte Wut" (1995) war ein Vehikel für den inzwischen weniger schießwütigen Charles Bronson, im selben Jahr entstand "The Shooter" (1995), ein Actionfilm der B- bis C-Klasse mit Dolph Lundgren und Maruschka Detmers. 1997 inszenierte Kotcheff "Borrowed Hearts".

Zur Filmografie von William Theodore Kotcheff
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