Dengler - Die schützende Hand
06.11.2017 • 20:15 - 21:45 Uhr
TV-Film, TV-Thriller
Lesermeinung
Dr. Schweikert (Jürgen Prochnow), Dengler (Ronald Zehrfeld).
Vergrößern
Dr. Schweikert (Jürgen Prochnow), Dengler (Ronald Zehrfeld).
Vergrößern
Der Tathergang kann nicht stimmen. Dengler (Ronald Zehrfeld) geht dem nach.
Vergrößern
Der Tathergang kann nicht stimmen. Dengler (Ronald Zehrfeld) geht dem nach.
Vergrößern
Der Tathergang kann nicht stimmen. Dengler (Ronald Zehrfeld) und Olga (Birgit Minichmayr) versuchen, ihn zu rekonstruieren.
Vergrößern
Können Olga (Birgit Minichmayr) und Dengler (Ronald Zehrfeld) die Ungereimtheiten im vorliegenden Fall aufklären?
Vergrößern
Schneiderhahn (Götz Schubert), Dr. Müller (Rainer Bock).
Vergrößern
Dengler (Ronald Zehrfeld), Marius Brauer (Tom Wlaschiha).
Vergrößern
Der Tathergang kann nicht stimmen. Dengler (Ronald Zehrfeld) geht dem nach.
Vergrößern
Dengler (Ronald Zehrfeld) konfrontiert Harry Jäger (Leonard Lansink) mit seinen bisherigen Ergebnissen.
Vergrößern
Hackerin Olga (Birgit Minichmayr) wurde aufgegriffen und festgenommen. Kann Dengler sie befreien?
Vergrößern
Olga (Birgit Minichmayr) versucht, aus den widersprüchlichen Informationen schlau zu werden.
Vergrößern
Der Tathergang kann nicht stimmen. Dengler (Ronald Zehrfeld) und Olga (Birgit Minichmayr) versuchen, ihn zu rekonstruieren.
Vergrößern
Dengler (Ronald Zehrfeld), Marius Brauer (Tom Wlaschiha).
Vergrößern
Dr. Müller (Rainer Bock) ruft Schneiderhahn an, da es Probleme auf seinem Computer gibt.
Vergrößern
Hint
Audiodeskription
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2017
TV-Film, TV-Thriller

Der Staat, ein Mörder?

Von Sven Hauberg

"Die schützende Hand" ist vordergründig ein Thriller über den Tod der NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt. Tatsächlich aber ist der Film eine dreiste Verschwörungstheorie.

Seit viereinhalb Jahren findet vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe statt. Auch wenn tatsächlich bald das Urteil gegen die mutmaßliche NSU-Unterstützerin gesprochen werden sollte: Viele Hintergründe der rechtsradikalen Mordserie werden weiterhin offen bleiben. Etwa, ob Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tatsächlich am 4. November 2011 Selbstmord begingen. "Die schützende Hand", die dritte ZDF-Verfilmung eines Dengler-Romans von Wolfgang Schorlau, stellt die Behauptung auf, die beiden Uwes seien ermordet worden – vom Staat.

Nachdem Schorlau "Die schützende Hand" 2015 veröffentlichte, kletterte sein achter Roman über den ehemaligen BKA-Ermittler Georg Dengler auf Platz eins der "Spiegel"-Bestsellerliste. Viel Kritik musste der Autor dennoch einstecken: "Mit billigen Mitteln", so urteilte etwa die "Süddeutsche Zeitung", verkaufe er "eine Lieblingslegende der Verschwörungsszene", nämlich jene von der gezielten Tötung Böhnhardts und Mundlos'. "Sein Buch vermischt ungehemmt Fakten und Fiktion, behauptet aber kühn, es gehe um die Suche nach Wahrheit", so das Urteil der Zeitung. Über die Verfilmung von Lars Kraume (Buch und Regie) lassen sich nun kaum bessere Worte finden.

"Ein Auftraggeber will, dass ich herausfinde, wie Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ums Leben kamen", erklärt Privatermittler Dengler (Ronald Zehrfeld) zu Beginn des Films. "Die Menschen sollten die ganze Wahrheit erfahren." Ein hehres Versprechen. Wer dieser ominöse Auftraggeber ist, erfährt man erst in den letzten Minuten des Films (Spoiler: alberner könnte die Auflösung kaum sein), aber es spielt auch keine Rolle. Denn die ziemlich konstruierte Rahmenhandlung von "Die schützende Hand" ist kaum mehr als ein Vorwand dafür, den Fall der beiden Uwes mit möglichst viel Getöse neu aufzurollen.

Dengler tut sich also mit der Hackerin Olga Illiescu (Birgit Minichmayr) und dem LKA-Mann Marius Brauer ("Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha) zusammen, um herauszufinden, wie Mundlos und Böhnhardt ums Leben kamen. Er stiehlt Akten vom Ermittler Dr. Müller (Rainer Bock), befragt Zeugen, besucht jenen Ort in Eisenach, an dem die beiden NSU-Terroristen in einem Wohnmobil den Tod fanden. Irgendwann spielen die drei Ermittler dann das Szenario der letzten Minuten im Leben von Mundlos und Böhnhardt in einer angemieteten Halle gar nach. Dengler kommt dabei die Rolle desjenigen zu, der eisern an die Mord-Theorie glaubt, während Brauer den Zweifler gibt und Illiescu als Stichwortgeberin fungiert. "Willkommen im Reich der Verschwörungstheoretiker", sagt er einmal. Zwischendrin gibt's markige Sprüche ("Du bist dein größter Feind, Dengler"), und wenn sich Dengler mit Harry Jäger (Leonard Lansink) trifft, dann natürlich konspirativ bei Kerzenschein. Zwar ist das alles toll besetzt, so hölzern hat man Michichmayer, Zehrfeld und Co. aber selten spielen sehen.

Ärgerlich ist aber etwas anderes: Zwar gibt es tatsächlich angebrachte Zweifel an der offiziellen Version vom Tod der beiden Uwes, die auch der NSU-Untersuchungsausschuss nicht ausräumen konnte. Ob einzelne Ermittler Fehler gemacht haben oder ob aber ein Komplott "des Staates" dahintersteckt, wie es im Film anklingt, ist dann doch ein gewaltiger Unterschied. Ein Thriller, der schamlos Fiktion und Tatsachen vermischt, ist jedenfalls kaum der geeignete Ort, um für Aufklärung zu sorgen. "Die schützende Hand" hinterlässt so ein völlig undifferenziertes Misstrauen gegenüber dem Staat. Und das in Zeiten wie diesen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Birgit Minichmayr
Einst auch in Hollywood erfolgreich: Jürgen Prochnow.
Jürgen Prochnow
Gehört zu den Hauptdarstellern der Erfolgsserie "Game of Thrones": Tom Wlaschiha.
Tom Wlaschiha
Begehrter Darsteller: Götz Schubert  
Götz Schubert
Leonard Lansink in seiner Paraderolle als 
Münsteraner Detektiv Wilsberg
Leonard Lansink
Weitere Darsteller
Ronald Zehrfeld

Das beste aus dem magazin

Ein Mann und eine Frau sitzen mit ernstem Blick im Auto.
HALLO!

Fritz Karl: „Ich hätte nicht gedacht, dass mir das Schreiben so leichtfällt“

Kriminalpsychologe Thomas Meiberger (Fritz Karl) bekommt es im ersten Film in der neuen Reihe „Der Salzburg-Krimi“ mit einer Mordserie zu tun, die mit dem Fund eines Gekreuzigten im Wolfgangsee beginnt. prisma sprach mit Fritz Karl, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist.
Professor Amir A. Mahabadi in weißem Kittel.
Gesundheit

Undichte Herzklappen: Katheter statt OP am offenen Herzen

Dank minimalinvasiver Katheterverfahren sind Herzklappenoperationen heute schonender als je zuvor. Vor allem für ältere Patienten bedeutet das mehr Lebensqualität und weniger Risiken.
Eine Grafik: Ein Koffer aus Gras.
Reise

Nachhaltigkeit: Mehr Wunsch als Realität

Die Deutschen wollen gerne nachhaltig reisen – doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das zeigt ein neuer Bericht zum Nachfragemonitor „Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen“. Nachhaltigkeit fängt schon beim Thema Anreise an. Wie wäre es also mal mit einer Bahnfahrt in den Urlaub? Schöne Ausblicke unterwegs inklusive. prisma stellt eine Auswahl interessanter Strecken und Ziele vor.
Oliver Mommsen am Strand.
HALLO!

Oliver Mommsen: "Ich eigne mich definitiv nicht zum Dorf-Sheriff"

Oliver Mommsen spielt in "Mord oder Watt" eine humorvolle Meta-Rolle. Als Tim Seebach nimmt er sich selbst aufs Korn und spielt mit Klischees des Schauspielerlebens.
Mit "Doc Fischer" gibt es ein neues Gesundheitsmagazin im SWR Fernsehen. Die Ärztin und Journalistin Dr. Julia Fischer präsentiert jeden Montag neueste medizinische Erkenntnisse und Behandlungsmethoden und gibt Tipps, wie man fit und gesund bleiben kann.
Gesundheit

Wenn das Schmerzgedächtnis nicht vergisst

Nach jahrelangen Schmerzen findet eine Patientin endlich Hilfe bei Dr. Oliver Emrich. Eine unscheinbare Narbe und spezialisierte Therapieansätze bringen Erleichterung in ihr Leben zurück.
Ein alter Mann schaut im Auto über seine Schulter.
Gesundheit

Fit genug zum Autofahren?

Viele Senioren möchten ihren Führerschein nicht missen – manchmal sollten sie aber, etwa wegen gesundheitlicher Einschränkungen, besser auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Bei begleiteten Rückmeldefahrten bekommen sie ein ehrliches Feedback.