Die versunkene Stadt Z
31.01.2021 • 20:15 - 22:25 Uhr
Spielfilm, Abenteuerfilm
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Percy Fawcett (Charlie Hunnam, re.) und sein Assistent Arthur Manley (Edward Ashley, li.) werden von Ureinwohnern angegriffen.
Vergrößern
Angehörige eines indigenen Stammes nehmen Percy Fawcett (Charlie Hunnam, re.) und seinen Sohn Jack (Tom Holland, li.) gefangen.
Vergrößern
Henry Costin (Robert Pattinson) zielt auf die mit Pfeil und Bogen bewaffneten Ureinwohner.
Vergrößern
Die Ureinwohner des Amazonas verteidigen sich gegen die britischen Eindringlinge.
Vergrößern
Originaltitel
The Lost City of Z
Produktionsland
USA
Produktionsdatum
2016
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Do., 30. März 2017
Spielfilm, Abenteuerfilm

Besessen im Dschungel

Von Andreas Fischer

Es fehlt eine Prise Dschungelwahnsinn: In diesem Abenteuerfilm sucht Charlie Hunnam als englischer Forscher "Die versunkene Stadt Z".

Zu dumm, dass man sich die Verwandtschaft nicht aussuchen kann. Denn mit dem falschen Familienstammbaum wird man schnell mal in den Dschungel geschickt. Dort landet Anfang des 20. Jahrhunderts zumindest der von "Sons of Anarchy"-Star Charlie Hunnam gespielte britische Soldat und Kartograph Percy Fawcett, den Regisseur James Gray in seinem Abenteuerepos "Die versunkene Stadt Z" (2015) porträtiert. Fawcett hat aufgrund seiner Herkunft keine Chance auf eine Offizierslaufbahn in der Army, könnte sich aber mit einer Forschungsmission Ruhm und Ehre verdienen. Besessen vom Drang nach Anerkennung verrennt sich Fawcett im Urwald Boliviens und der betulich inszenierte Film, den ARTE als deutsche Free-TV-Premiere zeigt, in einem Dickicht aus guten Absichten.

Sittenporträt der englischen Gesellschaft, Kolonialisierungskritik, Psychogramm eines besessenen Forschers, Dschungelabenteuer: Wäre "Die versunkene Stadt Z" ein Floß, würde es wegen Überladung wahrscheinlich kentern. Zumindest ist die Verfilmung des gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers von David Grann schwer steuerbar, auch wenn er handwerklich solide inszeniert wurde.

Aber es gibt eben diesen einen Moment in "Die versunkene Stadt Z", der zusammenfasst, was dem Film fehlt: Mitten im Dschungel hat ein Plantagenbesitzer eine Oper errichtet. Fawcett sieht sich während seiner ersten Reise in den Dschungel die Aufführung an, und man hofft, dass sich Regisseur James Gray endlich ein Herz fasst und dem Wahnsinn eine Bühne bietet. Denn wahnwitzig ist es schon, was sich Fawcett vorgenommen hat. Doch Gray scheint Angst zu haben vor seinem persönlichen "Fitzcarraldo" und lässt Fawcett einfach weiterfahren und dessen Urwaldtrip zu einer ziemlich braven und ziemlich zähen Angelegenheit werden.

Vom Schicksal getriebener Held?

Also erfüllt Fawcett zusammen mit seinem Kompagnon Henry Costin (Robert Pattinson) pflichtbewusst den Auftrag der Royal Geographical Society, die den Offizier zur Landvermessung in das Grenzgebiet zwischen Bolivien und Brasilien geschickt hatte. Fawcett ist fasziniert vom Dschungel, obwohl er eigentlich gar nicht nach Südamerika wollte. Seine Karriere zu Hause ist ins Stocken geraten. Für eine höhere Karriere in der Army brauchte man zu jener Zeit den richtigen Familienstammbaum.

Während Fawcetts Frau (Sienna Miller) und ihr Baby in England auf seine Rückkehr warten, entdeckt der Forscher im Urwald eine Handvoll Tonscherben: Für Fawcett der Beweis, dass es dort einst eine hochentwickelte Kultur gegeben haben muss, und der Beginn einer Obsession, die ihn zeitlebens nicht mehr loslässt. Im hochnäsigen England will freilich niemand glauben, dass die indigenen "Wilden" im Dschungel zur Zivilisation fähig gewesen sind.

Fawcett lässt sich von der Ignoranz seiner Zeitgenossen nicht beirren. Er wird noch zweimal in den Dschungel fahren, zwischendurch die Gräuel des Ersten Weltkriegs erleben, mit seiner Frau über Emanzipation streiten, sich von seinen Kindern entfremden und die Forschungsethik des frühen 20. Jahrhunderts infrage stellen.

Fawcett hält große Reden vor der Royal Geographic Society und im Schützengraben, erleidet Rückschläge und überlebt Attacken. Gray überhöht den Entdecker zu einem vom Schicksal getriebenen Helden, verrät aber nicht, warum er immer wieder Grenzen überschreiten muss, und verpasst es, die Figur greifbar, die inneren Kämpfe eines Mannes, der in seiner Vision gefangen ist, erfahrbar zu machen.

Die versunkene Stadt Z – So. 31.01. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Der Trailer zu "Die versunkene Stadt Z"

Darsteller

Macht nicht nur als Jackson "Jax" Teller eine gute Figur: Charlie Hunnam
Charlie Hunnam
Der britische Schauspieler und Musiker Robert Douglas Thomas Pattinson wurde am 13. Mai 1986 in Barnes, London geboren.
Robert Pattinson
Nach dem Studium trat sie in New York in einigen Theaterstücken auf: Sienna Miller.
Sienna Miller
Tom Holland - ein Typ von nebenan.
Tom Holland
Franco Nero - das Leben, die Karriere und die Filme des "Django"-Darstellers im Porträt.
Franco Nero
Harry Melling wurde mit seiner Rolle des Dudley Dursley in "Harry Potter und der Stein des Weisen" bekannt. Weitere Infos über den Schauspieler gibt es im Porträt.
Harry Melling
Weitere Darsteller
Angus Macfadyen Edward Ashley Clive Francis Ian McDiarmid Matthew Sunderland Johann Myers Daniel Huttlestone Pedro Coello Aleksandar Jovanović Елена Соловей Bobby Smalldridge Tom Mulheron Nathaniel Bates Fisher Murray Melvin Michael Jenn Michael Ford-FitzGerald Frank Clem Bethan Coomber David Calder Stacy Shane Pat Mooney Colin Carnegie Anthony Boyle Neil Bromley Bill Hurst Richard Croxford Louise Parker Jose Pereira Gustavo Duque Fernando Vigui Nicholas Agnew Robert Fawsitt Patrick McBrearty Gary Crossan Niall Cusack Nick Sampson Ruairí Heading David Coon

Das beste aus dem magazin

Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.
Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Professor Dr. Sven Ostermeier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie. Der Schulter- und Knieexperte arbeitet als leitender Orthopäde der Gelenk Klinik Gundelfingen. Außerdem ist er Instruktor der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie.
Gesundheit

Knie-Arthrose: Nur keinen Schongang einlegen

Knie-Arthrose muss nicht das Ende der Beweglichkeit bedeuten. Mit gezielten Übungen kann der Knorpel gestärkt und Schmerzen gelindert werden. Entdecken Sie einfache Bewegungsformen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Getty Images
Reise

Mit KI zum perfekten Urlaub 

Künstliche Intelligenz (KI) kann die Reiseplanung vereinfachen. Viele Fluggesellschaften und Anbieter setzen bereits auf sie. Auch KI-basierte Apps erweisen sich als hilfreiche Assistenten.
Alexander Scheer vor einem roten Hintergrund.
HALLO!

Alexander Scheer: "Bowie hatte 35 verschiedene Leben"

Lola-Gewinner Alexander Scheer („Gundermann“, „Sonnenallee“) feiert als David Bowie im Stück „Heroes“ seit März 2025 große Erfolge in Berlin. Nun geht der Schauspieler und Sänger mit der Show, die am Berliner Ensemble regelmäßig ausverkauft ist, auf Tour. Im Interview spricht er über Bowies Musik und dessen Liebe zur Literatur.