Männertreu
25.05.2022 • 20:25 - 21:55 Uhr
Fernsehfilm, Drama
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Männertreu
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2014
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Mi., 02. Juli 2014
Fernsehfilm, Drama

Verhängnisvoller Flirt mit der Macht

Von Rupert Sommer

Matthias Brandt spielt einen Verleger, der Bundespräsident werden soll. Sein geheimes Doppelleben als hemmungsloser Schürzenjäger holt ihn allerdings beim steilen Aufstieg ein.

Schneidig, stets im dunklen Anzug mit Einstecktuch und Goldrandbrille, betritt er die Redaktion und wirkt dabei wie auf einem Staatsbesuch: Georg Sahl (Matthias Brandt) ist ein Verleger vom alten Stil, der seine Frankfurter Traditionszeitung, die unweigerlich an die "FAZ" erinnert, mit harter Hand und einem Lächeln führt. Vom bunten Schlagzeilen-Gedöns will er nichts wissen. Dann bekommt er ein verlockendes Angebot: Sahl soll Bundespräsident werden. Doch sein zwanghafter Drang zu außerehelichen Sex-Affären bringt seine Karrierepläne in höchste Gefahr. Das Erste wiederholt nun das mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis 2014 ausgezeichneten Politdrama "Männertreu" unter Regie von Hermine Huntgeburth. Das Drehbuch stammt von der Schriftstellerin und Literaturkritikerin ("Das Literarische Quartett") Thea Dorn.

Der falsche Mann für den Job

Er ist ein Typ, der zwangsläufig Assoziationen hervorruft – etwa an einen bayerischen Ministerpräsidenten, der offiziell für das christlich-katholische Weltbild seiner Partei steht, aber den Bluthunden vom Boulevard dann doch von seinem Seitensprung-Kind erzählen musste. Trotzdem hat Georg Sahl, der sich mit einer liberal-konservativen Aura umgibt, für sich selbst eher das Bild des aufrecht-knorrigen Mannes mit Haltung zurechtgelegt, dem man höchstens aus üblen Motiven etwas anzuhängen versucht. Auch seine selbstgerechte Art, die gepaart ist mit abschätzigen Blicken auf die Sensationsgier der Massenmedien, weckt Erinnerungen: Man denkt an Christian Wulff, den einsamen Mann von Bellevue, der sich lange von der Presse gejagt fühlte.

Vielleicht hätte Sahl den Rat seines Sohns Thomas (Maxim Mehmet) berücksichtigen sollen. Der schleudert ihm eine Wahrheit ins Gesicht, die für den Vater unangenehm ist, weil er weiß, dass sie zutrifft. "Bring erst mal Ordnung in dein Privatleben – bevor du Bundespräsident wirst", sagt Thomas. Doch Sahl erliegt den Verlockungen der Macht. Er lässt sich sogar auf ein TV-Interview mit der Talkmasterin Helen Martin (Claudia Michelsen) ein – und geht ihr nach der Aufzeichnung in ihrer Garderobe an die Wäsche.

Großartiges Ensemble ohne Identifikationspotenzial

Ein unglücklicher Ausflug nach Hamburg, der in einer Katastrophe endet: Volontärin Nina (Peri Baumeister), die sich in ihren Chef verliebt hat und darauf hofft, ihn endlich ganz für sich zu gewinnen, ist außer sich vor Eifersucht, als sie Sahl in einem Nobelhotel mit ihren Plänen konfrontiert – und hart abblitzt. Aufgelöst rennt sie auf die Straße und wird prompt von einem Fahrzeug erfasst und lebensgefährlich verletzt. Die Revolverblatt-Reporter lassen nicht lange auf sich warten.

Die vielfach ausgezeichnete Regisseurin Hermine Huntgeburth ("Teufelsbraten") hat mit "Männertreu" (2014) ein Buch von Thea Dorn verfilmt und sich dabei an ein Drama gewagt, das Privates und Politisches natürlich nicht trennen kann und das der eitlen Mediendemokratie den Zerrspiegel vorhält. Sie kann sich dabei auf ein großartiges Ensemble, darunter auch Margarita Broich als Frankfurter Oberbürgermeisterin, stützen. Und selbstverständlich entwickelt die Dramaturgie einen Sog.

Dennoch stören den Gesamteindruck arg manierierte Dialogpassagen – etwa wenn sich die Eheleute Sahl gegenseitig mit Kleist- und Goethe-Zitaten übertrumpfen. Vieles wirkt gewollt und behauptet, echte Identifikation lässt der Film, der seine Künstlichkeit bewusst in entsättigten Farben ausstellt, kaum zu.

Männertreu – Mi. 25.05. – ARD: 20.25 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Darsteller

Schauspieler Matthias Brandt.
Matthias Brandt
Ein Gesicht, das man kennt: Suzanne von Borsody.
Suzanne von Borsody
Maxim Mehmet in einer Doppelrolle in "66/67 -
Fairplay war gestern"
Maxim Mehmet
Über fehlende Engagements und Filmangebote kann sich Claudia Michelsen nicht beklagen
Claudia Michelsen
Viel gelobter Schauspiel-Profi: Margarita Broich
Margarita Broich
Weitere Darsteller
Lisa Hagmeister Peri Baumeister Philipp Hochmair Nora Jokhosha Ronald Kukulies

Das beste aus dem magazin

Henry Rauhbein mit einer Faust.
HALLO!

Henry Rauhbein: "Vom Rebellen zum Helden"

Henry Rauhbein, Sänger der Folk-Rock-Band Rauhbein, spricht über sein neues Album „Rebellen und Helden“, sein Leben auf dem Land in Nordhessen, seine Leidenschaft für Eishockey und die Erfahrungen, die ihn als Künstler geprägt haben.
Dr. Martin Rinio ist Ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Ein Behandlungsschwerpunkt des Facharztes für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie sind Hüftgelenk und Endoprothesen.
Gesundheit

Hüftschmerzen: Nicht warten, bis der Schaden irreparabel ist

Hüftarthrose entwickelt sich oft schleichend. Erste Anzeichen wie morgendliche Schmerzen sollten ernst genommen werden, um eine spätere OP zu vermeiden. Moderne Behandlungsmethoden und eine gesunde Lebensweise können helfen, die Gelenkgesundheit zu erhalten.
Die Insel Kreta im Sonnenuntergang.
Reise

Unsere Lieblingsorte: Vom Gardasee bis Norddeich

Die prisma-Redaktion stellt ihre liebsten Urlaubsorte vor und gibt ein paar Ausflugstipps.
Prof. Dr. med. Burkhard Sievers ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie, Zusatzbezeichnungen: Hypertensiologie, Notfallmedizin, kardiovaskuläre Magnetresonanztomografie, kardiovaskuläre Computertomografie, interventionelle Kardiologie, interventionelle Angiologie, Herzinsuffizienz, Lipidologie, Gendermedizin und in seinen Praxen Cardiomed24 tätig sowie Buchautor (ZS-Verlag: „So heilt man heute. Die häufigsten Volkskrankheiten geschlechtsspezifisch besser behandeln“).
Gesundheit

Pflege: Früh genug selbst aktiv vorsorgen

Pflegebedarf trifft oft unerwartet zu. Wer sich frühzeitig mit bürokratischen Hürden und einem Unterstützernetzwerk auseinandersetzt, ist besser vorbereitet.
Sandra Ludewig
HALLO!

„Das beste Album, das wir je gemacht haben“

Nicholas Müller, Sänger von Jupiter Jones, ist begeistert von ihrem neuen Album. "Ich trag den Sarg, du trägst was Buntes" verbindet Trauer und Freude. Es ist das politischste Werk der Bandgeschichte und bietet mehr als nur den bekannten Hit "Still".
Gettymages/Olga Yastremska
Gesundheit

Regelmäßig zum Hörtest

Hörverlust entwickelt sich oft unbemerkt über Jahre. Regelmäßige Hörtests können helfen, rechtzeitig gegenzusteuern und Risiken wie soziale Isolation und Demenz zu minimieren.