Auf bisher vier Einsätze brachte es Jan Josef Liefers als ermittelnder Anwalt Joachim Vernau. In Film fünf reiht sich mal wieder ein Thriller-Klischee ans nächste. Warum schauen sich das so viele Menschen an?

Vor der Tür des Berliner Rechtsanwalts Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) steht die junge Amerikanerin Rachel Cohen (Mercedes Müller). Nach dem Tod ihres Stiefvaters will sie herausfinden, wer ihr Erzeuger ist. Dafür kommen vier befreundete Männer infrage. Alle studierten Anfang der 90-er in Boston und waren in Rachels Mutter verliebt. Joachim Vernau ist einer von ihnen. In "Totengebet", der fünften Verfilmung eines Vernau-Bestsellers aus der Feder Elisabeth Hermanns, hilft der Anwalt seinem Schützling, die möglichen Väter ausfindig zu machen. Wie in einem Thriller nicht anders zu erwarten, fließt dabei Blut. Offenbar hat jemand etwas dagegen, dass alte Geheimnisse gelüftet werden.

Ähnlich wie die Vernau-Romane erfreuten sich auch die bisherigen ZDF-Verfilmungen mit dem Lebenskünstler-Anwalt großer Beliebtheit. Hauptdarsteller und Publikumsliebling Jan Josef Liefers dürfte entscheidenden Anteil daran haben, dass "Das Kindermädchen" (2012), "Die letzte Instanz" (2014), "Der Mann ohne Schatten" (2015) und "Die siebte Stunde" (2016) allesamt außergewöhnliche Quotenerfolge darstellten. Da waren jene fünf Millionen Zuschauer, die der letzte Film "Die siebte Stunde" im Januar 2016 verbuchte, schon statistischer Tiefpunkt. Andere Vernau-Verfilmungen fanden deutlich über sieben Millionen Interessierte, was man heutzutage fast als Straßenfeger bezeichnen darf.

Die "bauliche" Qualität der Thriller-Krimis rechtfertigt diese Erfolge jedoch keineswegs. Bei den Kritikern haben die arg vorhersehbaren Vernau-Plots wenig Kredit. Tatsächlich strotzt die Handlung auch diesmal wieder vor Klischees, wogegen auch die prominente Besetzung nichts auszurichten vermag. Neben Vernaus Dauer-Sidekick Stefanie Stappenbeck sind diesmal dabei: Claudia Michelsen und Thomas Heinze. Über die Handlung, die über erklecklich viele Minuten in New York und benachbarten Gegenden der amerikanischen Ostküste spielt, wachte im fünften Film erstmals Regisseur Josef Rusnak ("Der Tel Aviv-Krimi"). Neben ZDF-Routinier André Georgi ("Der Mordanschlag") war der 60-Jährige auch für das Drehbuch verantwortlich. Der Wechsel auf der Kreativposition war nötig geworden, weil Vernau-Stammregisseur Carlo Rola im März 2016 überraschend verstorben war.


Quelle: teleschau – der Mediendienst