Über 200 Film- und Fernsehauftritte haben Ernest Borgnine, den kräftig, untersetzt-korpulenten US-Amerikaner mit der kecken Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen und dem breiten Grinsen, weltberühmt gemacht. Seit den Fünfzigerjahren zählte er zu den bekanntesten Charakterdarstellern und zu einem der coolsten Typen in Hollywood. Nach Rollen, in denen er sich eher als böser Sadist erwies ("Verdammt in alle Ewigkeit" oder "Stadt in Angst"), zeigte er in "Marty", dass er auch als sensibler Mann mit weichem Kern überzeugen konnte und erhielt für diese darstellerische Leistung zu Recht den Oscar. Dabei setzte er sich gegen eine namhafte Konkurrenz durch. Außer ihm waren auch James Dean, Frank Sinatra, Spencer Tracy und James Cagney nominiert.

In der langen Liste an Filmen, in denen er über all die Jahre zu sehen war, gibt es eine Vielzahl an Klassikern - unter anderem der Robert Aldrich-Western "Vera Cruz" oder Sam Peckinpahs Meisterwerk "The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz" (1969) - durch die er sich immer wieder in das Gedächtnis der Zuschauer spielte.

Ernest Borgnine, Sohn italienischer Einwanderer, wurde 1917 in Hamden, Connecticut, geboren. Mit 18 Jahren trat er der US Navy bei und quittierte erst zehn Jahre später den Militärdienst - nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Angriff auf Pearl Harbor. Zunächst arbeitete er als Fabrikarbeiter, dann besuchte er eine Schauspielschule, spielte am Theater und gab schließlich 1949 sein Debüt am Broadway. 1951 zog es ihn nach Los Angeles, wo er eine erste Filmrolle bekam. Von da an spielte er in mehr 100 Hollywood-Filmen - recht überzeugend auch in Nebenrollen - und in einer ebenso großen Zahl an Fernsehproduktionen.

Obwohl Borgnine seine größte Auszeichnung, den Oscar als bester Hauptdarsteller, 1955 für die Rolle des verliebten Fleischergesellen "Marty" in dem gleichnamigen Liebesfilm von Delbert Mann, erhielt, wurde er doch bevorzugt - unter anderem in dem Schiffsabenteuer "Die Höllenfahrt der Poseidon" (1972) und den Kriegsfilmen "Das dreckige Dutzend III & IV" (1987/1988) - als schroff-ungeduldiger Aktivist besetzt. Er erhielt überwiegend Angebote für Krimis, Western und Actionfilme. 1981 wirkte er neben Kurt Russell in John Carpenters Kultfilm "Die Klapperschlange" mit. 1989 mimte er einen Bischof in dem deutschen Klamauk-Streifen "Gummibärchen küsst man nicht". Weitere Auftritte in deutschen Produktionen folgten. Darüber hinaus sah man ihn von 1984 bis 1986 in 55 Episoden als Dominic Santini in der Action-Serie "Airwolfe". Eine seiner schwächeren Rollen und doch eine, die beim Publikum im Gedächtnis blieb. Borgnine war nie der Headliner, nie der Star, der das Publikum anlockte und doch war er ein Darsteller, an den man sich erinnerte, der auffiel - auch den Kritiker. Für einen Gast-Auftritt in "Emergency Room - Die Notaufnahme" (2009) erhielt er eine Emmy-Nominierung - die dritte in seiner langjährigen Karriere.

Im Januar 2012 feierte Ernest Borgnine seinen 95. Geburtstag. Für ihn kein Grund in den Ruhestand zu treten. Bis zu seinem Tod stand er vor der Kamera und war als Sprecher aktiv. Unter anderem für "Die Simpsons", aber auch als der dicke "Mermaid Man" in der Originalversion der Trickfilmserie "SpongeBob - Schwammkopf". "The Man Who Shook the Hand of Vicente Fernandez", der letzte Film, in dem er mitspielte, hatte im April 2012 beim "Newport Beach Film Festival" Premiere. Ernest Borgnine starb im Alter von 95 Jahren am 8. Juli 2012 im Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles an Nierenversagen. Im Laufe seines Lebens war er fünf Mal verheiratet. Seine Ehe mit der Schauspielerin und Sängerin Ethel Merman hielt 1964 nur 32 Tage. Sein fünftes Ja-Wort hatte immerhin 40 Jahre - von 1972 bis zu seinem Tod - Bestand. Aus früheren Ehen hat Borgnine drei Kinder.

Weitere Filme mit Ernest Borgnine: "The Whistle at Eaton Falls", "China Corsair" (beide 1951) ."Der schweigsame Fremde" (1953), "Im Schatten des Galgens", "Johnny Guitar - Wenn Frauen hassen", "Die Gladiatoren", "Ritter der Prärie", "Stadt in Angst" (alle 1954), "Der Mann ohne Furcht", "Der Schläger von Chicago", "Die Barrikaden von San Antone", "Sensation am Sonnabend" (alle 1955), "Mädchen ohne Mitgift", "Fanfaren der Freude" (beide 1956), "Die unsichtbare Front" (1957), "Die Kaninchenfalle", "Die Wikinger", "Geraubtes Gold", "Torpedo los!" (alle 1958), "Geheimakte M", "Der Sommer der siebzehnten Puppe" (beide 1959), "Zahl oder stirb", "Geh nackt in die Welt" (beide 1960), "Das Jüngste Gericht findet nicht statt", "Il Re di Poggioreale", "Der Bandit von Neapel", "Barabbas" (alle 1961), "... denn keiner ist ohne Schuld", "Der Flug des Phoenix" (beide 1965), "Chuka", "Das dreckige Dutzend" (beide 1966), "Eisstation Zebra", "Große Lüge Lylah Clare" (beide 1967), "Die ganz große Kasse" (1968), "Um sie war der Hauch des Todes" (1969), "Die letzten Abenteurer", "Stellt Euch vor es gibt Krieg, und niemand geht hin" (beide 1970),"Sam Hill: Who Killed Mr. Foster?", "Willard", "Champ Cherokee", "Der Rächer", "Die Verfolger", "In einem Sattel mit dem Tod", "Die Herausforderung", "Zwei Rentner außer Rand und Band" (alle 1971), "Ein Zug für zwei Halunken", "The World of Sport Fishing" (beide 1972), "Die Odyssee der Neptun", "Legend in Granite" (beide 1973), "Zweimal im Leben", "Sandy in Disneyland", "Vengeance Is Mine", "Herzlich Wilkommen im Kittchen" (alle 1974), "Straßen der Nacht", "Nachts, wenn die Leichen schreien" (beide 1975), "Mein Freund, der Roboter", "Shoot", "The Greatest", "Natale in casa d'appuntamento" (alle 1976), "Jesus von Nazareth" (TV-Mehrteiler), "Blutiges Inferno", "Der Prinz und der Bettler", "Horizont in Flammen", "Lehrgang für einen Roboter" (alle 1977), "Der Geist von Flug 401", "Cops and Robin", "Convoy", "Zum Überleben verdammt" (alle 1978), "Das schwarze Loch", "Der Tag, an dem die Welt unterging", "Sechs kleine Detektive" (alle 1979), "Der Supercop", "Im Westen nichts Neues" (beide 1980), "Vier gegen Tod und Teufel", "Wes Cravens' Dem Tode geweiht", "Gesichter des Teufels" (alle 1981), "Operation Maskerade" (1983), "Augen in der Dunkelheit", "Carpool - Ein Geldsack auf Reisen", "Geheimcode Wildgänse", "Strum auf Höhe 404", "Die letzten Tage von Pompeij" (TV-Mehrteiler), "Sag nie wieder Indio", "Unser neuer Bruder" (alle 1984), "Das Dreckige Dutzend Teil 2", "Alice im Wunderland" (beide 1985), "24 Stunden bis zur Hölle", "The Opponent - Sein härtester Gegner", "Der Schatz im All" (alle 1987), "Brooklyn Kid", "The Big Turnaround", "Bersaglio sull'autostrada", "Im Zeichen des Krebs", "Ein Mord kommt selten allein" (1988), "Jake Spanner, Private Eye","Abenteurer der Südsee" (beide 1989), "Der letzte Fight", "Tides of War", "Laser Mission", "Familie in Nöten" (alle 1990), "Glühender Himmel" (1991), "Mistress - Die Geliebten von Hollywood", "Der blaue Diamant" (beide 1992), "Tierärztin Christine" (1993), "Die Legende von O.B. Taggart" (1994), "Captiva Island - Ein verrückter Sommer" (1995), "Charlie - Ein himmlischer Held" (Stimme), "Merlin's Shop of Mystical Wonders" (beide 1996), "Hoover", "Gattaca", "McHale's Navy" (alle 1997), "Small Soldiers" (Stimme), "Die Sportskanonen", "An All Dogs Christmas Carol", "12 Bucks" (alle 1998), "Abilene", "Mel", "The Last Great Ride" (alle 1999), "Castlerock" (2000), "The Long Ride Home" (2001), "11'09''01 - September 11" (2002) und "Blueberry und der Fluch der Dämonen" (2004), "R.E.D. - Älter. Härter. Besser." (2010).