Über die Treuhand wurden nach der Wende zahlreiche DDR-Betriebe abgewickelt. Der Prozess hat tiefe Wunden hinterlassen, wurde das Volksvermögen regelrecht verramscht? Eine zweiteilige Dokumentation will genauer hinblicken.

Schon damals machte das unschöne Schlagwort von der "Alternativlosigkeit" harter Einschnitte die Runde. Als nach der Wende, im Wirtschaftsleben organisiert über die Treuhand-Gesellschaft, weite Teile der früheren DDR-Staatsbetriebe "abgewickelt" wurden, ging das mit Jobverlusten, Firmenpleiten und dem Niedergang ganzer Regionen einher. Noch heute empfinden viele Ostdeutsche den angeblichen "Ausverkauf Ost", der der zweiteiligen "ZDFzeit"-Dokumentation den Titel gibt, als traumatisches Erlebnis. Doch haben die Verantwortlichen wirklich versagt? Und was ist dran an den vielen Vorwürfen gegen das angeblich so rücksichtslose Vorgehen der Treuhand? Das möchten Heike Nelsen und Florian Hartung ergründen.

Zunächst startete der Umbau der einstigen DDR-Wirtschaft durchaus hoffnungsfroh – mit der Erwartung, die Lebensverhältnisse in Ost und West tatsächlich rasch anpassen zu können. "Uns wurde gesagt, dass unser Betrieb von der Treuhand übernommen wird und dass es sicher eine Möglichkeit gibt, wie der Betrieb weiterexistieren kann", erinnert sich in der ZDF-Dokumentation Antonia Kalich. Eine Art "Wir schaffen das" schon damals. Doch dann geriet ihr Betrieb, das Unternehmen VEB Elektroporzellan in Großdubrau, gleich zu Beginn der massiven Abwicklungswelle ins Visier der Treuhand. Eine Sanierung sei aussichtslos, da das Werk fehldimensioniert und der Umsatz rückgängig sei, hieß es damals. Alle Mitarbeiter wurden entlassen. Auf dem Arbeitsmarkt fand kaum einer zu einer Anschlusstätigkeit, die für eine gute Rente ausgereicht hätte.

Die Filmemacher lassen vor der Kamera gleich mehrere einstige Betroffene zu Wort kommen, so auch Werner Heißig, der einst im Vorzeigewerk für die Wartburg-Produktion in Eisenach beschäftigt war. Auch durch seine Karriereplanung machte die Treuhand einen Strich, einen tief roten. Wiederkehrendes Muster der Vorwürfe an die damals Verantwortlichen: Nach einer Umfrage von "ZDFzeit" sind fast 80 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, dass die Treuhand sich seinerzeit nicht wirklich darum bemüht habe, Arbeitsplätze zu retten. Viele Ost-Beschäftigte empfinden die schmerzhafte Begegnung mit den Reform-Managern der Treuhand als einen Unglücksfall in ihren Biografien. Noch heute stehen 33 Prozent der Befragten zu der Meinung, dass vor allem der Westen von der Wiedervereinigung profitiert hat.

Die Dokumentation bemüht sich darum, aus der Gegenwart heraus – etwa angesichts der lauten Proteststimmen in der AfD – die psychologische Dimension der (Wirtschafts-)Geschichte zu erklären. Dabei beleuchtet sie auch die Gegenseite: Immerhin standen die Treuhand-Manager vor einer Herkulesaufgabe, die sie quasi über Nacht ereilte: Schon in den ersten Jahren musste sie 8.500 vormals staatseigene Großbetriebe privatisieren, sanieren – oder schließen. Es war ein harter Ruck, der aber aus der Ablösung eines gescheiterten Systems auf ihrem schmerzhaften Weg zur Marktwirtschaft resultierte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst