Eine Reihe zwielichtiger Gestalten trifft in einem geheimnisvollen Hotel zusammen. Gewitzte Ideen und ein starkes Ensemble sorgen für gute Filmunterhaltung.

Spätestens seit dem Meta-Horrorschocker "The Cabin in the Woods" gilt Regisseur und Drehbuchautor Drew Goddard, der auch diverse "Lost"-Folgen zu Papier brachte, als pfiffiger Spannungsexperte: Dem zweiten vom US-Amerikaner inszenierten Spielfilm "Bad Times at the El Royale" (2018), wurde dementsprechend entgegengefiebert – und er hält, was er verspricht. ProSieben zeigt den raffiniert konstruierten Mystery-Thriller nun als Free-TV-Premiere. Schauplatz ist eine Herberge in der Pampa, die für einige Figuren böse Überraschungen bereithält.

Als der Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges) und die Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo) das titelgebende Hotel durch Zufall zur selben Zeit erreichen, treffen sie dort auf den Staubsaugervertreter Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm), der bislang vergeblich auf einen Mitarbeiter gewartet hat. Irgendwann erscheint nicht nur der etwas fahrig wirkende Rezeptionist Miles (Lewis Pullman), sondern auch eine mysteriöse Fremde (Dakota Johnson), die beim Einchecken ihren Namen unterschlägt. Wie sich schon bald herausstellt, haben viele der Anwesenden keine weiße Weste. Und noch dazu birgt das altehrwürdige, inzwischen aber angestaubte El Royale einige düstere Geheimnisse.

Das Grundkonzept erweist sich als Spielfeld für eine höchst unterhaltsame Noir-Geschichte, die auch dank ihrer Retro-Optik und ihrer akustischen Untermalung einen starken Eindruck hinterlässt. Goddard siedelt seine zweite Spielfilmregiearbeit Ende der 1960er-Jahre an und bemüht sich sichtlich um die glaubwürdige Rekonstruktion der damaligen Zeit. Sowohl das Hotel und seine Inneneinrichtung als auch die Auswahl der Musik-Stücke lassen viel Liebe zum Detail erkennen.

Ereignisse, die in der hier abgebildeten Periode für großes Aufsehen sorgten, werden geschickt in die Handlung integriert und dazu genutzt, ein schillerndes Panorama der Sehnsüchte, Laster und persönlichen Qualen zu entwerfen. Das in Kapitel unterteilte Drehbuch erforscht sukzessive die Hintergründe der Protagonisten, fordert in manchen Dialogszenen vom Zuschauer Geduld ein, hat aber auch diverse überraschende Wendungen und handfeste Nervenkitzel-Momente samt plötzlichen Gewalteruptionen zu bieten.

In einigen Passagen lässt sich zwar erahnen, wohin der Hase laufen könnte. Und manchmal wird es ein bisschen plakativ. Langeweile produziert das zuweilen auch komische Akzente setzende, spürbar von Quentin Tarantinos Schaffen beeinflusste Kammerspiel jedoch zu keinem Zeitpunkt, da Goddard immer wieder mit gewitzten Ideen um die Ecke kommt und ein zuweilen bestens harmonierendes Ensemble in den Ring schickt.

Amüsant und einfühlsam zugleich ist etwa der Auftritt von Knautschgesicht Jeff Bridges, der dem rätselhaften Priester eine ungeahnte Verletzlichkeit verleiht. Überzeugend in ihrer kühlen Präzision ist ferner Dakota Johnson, während Thor-Darsteller Chris Hemsworth gegen Ende sehr einprägsam seine bedrohliche Seite herauskehrt. Überhaupt ist das große Finale ein Paradebeispiel dafür, wie man den Puls nach oben treibt und sein Publikum clever auf die Folter spannt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH