Autorin Elke Heidenreich hat sich in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz in Rage geredet und klare Worte über Maskengegner gefunden. Sie sei zornig, aber sie habe auch Angst, denn sie sei eine "Hochrisikopatientin".

Am Donnerstagabend versprach Markus Lanz nicht zu viel: In seiner Anmoderation kündigte der Moderator ein "rhetorisches Duell" zwischen dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach und der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot an. Doch auch die Schriftstellerin Elke Heidenreich redete sich in Rage.

Zunächst sollte es allerdings um die weltweit steigenden Fallzahlen von Covid-19 gehen. Hierfür wandte sich Lanz zu Beginn der Sendung an den studierten Mediziner Lauterbach: "Das Motto der letzten Wochen war von Ihnen immer: Der Herbst wird zeigen, wo wir stehen. Der Herbstanfang war da. Wo stehen wir denn?" Lauterbach antwortete: "Ich glaube, wir stehen klar am Anfang einer zweiten Welle." Die nächsten zwei, drei Wochen würden zeigen, ob Deutschland den Weg wie Frankreich oder Spanien einschlage, wo die Zahlen bereits jetzt deutlich steigen, oder ob die Bevölkerung das abwenden könne.

Er sehe es wie der Virologe Christian Drosten: "Die Pandemie geht jetzt erst richtig los." Die Pandemie lebe nur von Superspreader-Ereignissen, erklärte der 57-Jährige weiter. 90 Prozent dieser Ereignisse würde nun drinnen stattfinden. Sein Fazit: "Wenn wir den Lockdown noch ein bisschen durchgezogen hätten, dann wären wir in eine Lage gekommen, in der wir so wenige Fälle gehabt hätten, dass auch über den Sommer kaum was passiert wäre."

"Wir werden nicht gegängelt"

In Bezug auf den zitierten Satz von Christian Drosten wandte sich Lanz an die Schriftstellerin Elke Heidenreich. Er wollte wissen: "Was löst so ein Satz bei dir aus?" Heidenreich antwortete: "Ja, der löst Angst aus". Sie sehe viele Leute, die auf Demos gingen und sagten: "Wir lassen uns nicht länger gängeln. Wir wollen keinen Mundschutz tragen." Heidenreich hat dazu eine klare Haltung: "Das sind Idioten! Denn wenn sie das nicht tun, werden sie selber krank. Und wenn der erste von denen mal am Beatmungsgerät liegt, wird er wissen, was er falsch gemacht hat." Sie fuhr fort: "Wir werden nicht gegängelt. Wir werden gewarnt, wir werden gebeten, wir werden ermahnt, vorsichtig zu sein. Das müssen wir!"

Zur Untermalung ihrer Argumente erzählte die 77-Jährige eine persönliche Geschichte vom Bruder einer Freundin: "Ich habe einen Menschen in meiner Bekanntschaft, der ist mit 45 Jahren gestorben. Ein Kerl wie ein Baum und der war nach drei Tagen tot." Mit Blick auf ihre eigene Gesundheit fasste die Schriftstellerin zusammen: "Ich will das nicht haben. Ich bin ein Hochrisikopatient: Ich hatte Krebs, ich bin 77, ich habe eine halbe Lunge. Also ich muss höllisch aufpassen." Sie sei zornig, wenn sie die Demonstranten sehe, denn die Regierung regele die Lage so gut wie möglich.

Die Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung, Ulrike Guérot, sah dies im Anschluss etwas anders: Natürlich sei die Krankheit schlimm und sie kenne auch schwere Verläufe. Allerdings habe sie auch eine andere Sorge: Sie spüre, dass andere Meinungen inzwischen an den Rand gedrängt würden und es keine Streitkultur mehr gebe. Dies sei gefährlich, denn: "Die Stigmatisierung der Kritik ist das Ende der Demokratie." Sie möchte, dass die Argumente wieder "ernst genommen" werden.

Jemanden als "Covidiot" zu bezeichnen, käme einer Erosion der Demokratie nahe. Entscheidungen wie jenen nach den Anschlägen vom 11. September, weckten in ihr die Sorge, dass die Corona-Maßnahmen vielleicht nie gänzlich zurückgenommen werden. Schließlich seien die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen auch nicht zurückgenommen worden. Von der Politik forderte sie deshalb ein Versprechen, dass dies im Fall von Corona nicht geschehen werde.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH