Film in der ARD

"Das freiwillige Jahr": durch Improvisation zu einem eindrucksvollen Ergebnis

von Elisa Eberle

Ein Vater will seine Tochter in ein freiwilliges soziales Jahr nach Costa Rica schicken. Doch die junge Frau hat nach ihrem Abi ganz andere Pläne. Nachwuchsdarstellerin Maj-Britt Klenke überzeugt in einem ruhigen Drama über das Erwachsenwerden. 

ARD
Das freiwillige Jahr
Drama • 27.05.2020 • 20:15 Uhr

Es sollte ihr Jahr werden: Nach dem Abitur hat sich Jette (Maj-Britt Klenke, lesen Sie hier unser Interview) zu einem freiwilligen Jahr in Costa Rica verpflichtet. Sie soll dort in einem Krankenhaus helfen. Ihr alleinerziehender Vater Urs (Sebastian Rudolph) hat das für sie entschieden. Immerhin soll es seine Tochter einmal besser haben als er: Sie soll rauskommen aus dem kleinen Dorf und die Welt entdecken! Doch dann kommt alles ganz anders. "Das freiwillige Jahr" ist der erste gemeinsame Film von Ulrich Köhler und Henner Winckler (Regie und Drehbuch). Seine Premiere feierte er 2019 beim Filmfest von Locarno, anschließend war er in ausgewählten Programmkinos zu sehen. Nun läuft er erstmals zur Primetime im Ersten.

Jette scheint nicht ganz so überzeugt vom Plan ihres Vaters zu sein: Auffällig still, fast gleichgültig sitzt sie auf der gemeinsamen Autofahrt zum Flughafen neben ihm. "Ach, Papa, das ist doch egal", meint sie, als ihr Vater versucht, telefonischen Kontakt zu seinem alkoholabhängigen Bruder Falk (Stefan Stern) aufzunehmen. Schließlich hat der noch immer Jettes Kamera. Doch als Falk weder auf das Telefon noch auf die Wohnungsklingel reagiert, trennen sich die Wege von Vater und Tochter: Während Urs versucht, in die Wohnung zu gelangen, lässt sich Jette von ihrer Jugendliebe Mario (Thomas Schubert) zum Flughafen fahren. Dort angekommen, fassen die Teenager einen Entschluss, der nicht nur für sie, sondern ebenso für Urs Konsequenzen nach sich zieht ...

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"Das freiwillige Jahr" ist ein ungewöhnliches Projekt: Alle Szenen sind aus Improvisationen der Schauspieler entstanden. Mit einem eindrucksvollen Ergebnis. Es ist ein düsterer Film, der von Kameramann Patrick Orth mit sichtbar wenig Licht gedreht wurde. Das passt zu Jettes emotionaler Zerrissenheit zwischen Vater, Freund und eigener Zukunft.

Die leise Erzählung konzentriert sich oft auf die Gespräche, Zwischentöne und Interaktionen zwischen zwei Figuren. Nur drei Tage werden erzählt, immer nur punktuell. Und dennoch – oder gerade deshalb – verliert der Film nie an Spannung. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt Maj-Britt Klenke. Die 28-Jährige ist hier erstmals in der Hauptrolle eines abendfüllenden Spielfilms zu sehen. Ihr gelingt es, den schmalen Grat zwischen passivem Gehorsam und aktiver Rebellion aufzuzeigen.

Auch Sebastian Rudolph überzeugt als engagierter alleinerziehender Vaters: Urs ist stur, lässt sich von niemandem in die Erziehung seiner Tochter hereinreden – nicht einmal von seiner Freundin Nicole (Katrin Röver). Am Ende muss er sich dennoch eingestehen, dass er sich fortlaufend übernimmt und seine Mitmenschen nacheinander vor den Kopf stößt. So schwankt die Zuschauersympathie fortwährend zwischen Jette, Urs und den anderen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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