Privatdetektiv Georg Dengler wird im fünften Fall der ZDF-Reihe von der Hacker-Aktivistin Olga um Hilfe gebeten. Mitten in einem Chat über die Entwicklung geheimer Waffen wurde die Informantin, eine Journalistin, erschossen.

Was für ein Blutbad. Gerade noch hatte die vor ihren Verfolgern flüchtende Investigativ-Journalistin Anne ihrer Freundin Olga (Birgit Minichmayr) geheime Daten senden wollen über Gefangenenfolter in Afghanistan und die Experimente, die dort der BND mithilfe eines Berliner Waffenkonzerns betreibt. Doch der Chat wird jäh unterbrochen, Scharfschützen dringen in den Callroom ein, sie schießen Olgas Freundin und mehrere andere Personen nieder. Ein Griff in die Kasse täuscht Raubmord vor – eine Spur, die denn auch das Berliner LKA sehr gezielt verfolgt, um jeden anderen Verdacht unter den Tisch zu kehren. Auch in "Dengler – Brennende Kälte", den fünften Fall um den Privatdetektiv Georg Dengler (Ronald Zehrfeld) nach einer Romanvorlage von Wolfgang Schorlau, werden Fiktion und Fakten geschickt vermischt. Olga schiebt sich diesmal auf ihre schroffe Art in den Mittelpunkt, schließlich wurde ihre Freundin ermordet. Wenn Dengler, der harte Hund, in seinem Einsatz für Wahrheit und Recht später zu straucheln droht, setzt Olga ihr Argument für den aussichtslos erscheinenden Kampf gegen übermächtig erscheinende Geheimdienstmenschen und Staatsanwälte ein.

Dengler und seine Kollegin Olga nehmen also den Kampf gegen die Geheimdienstler mutig auf, immerhin werden sie dabei von einer vernunftbegabten LKA-Dame (Jenny Schily) zeitweise unterstützt. Wer verfolgt hier wen – das ist die Frage, denn natürlich soll es auch Olga genau so wie ihrer Informantin an den Kragen gehen. Die Spur führt ins "Führungskommando" der Bundeswehr. Auf einen Afghanistan-Offizier wird im Auto ein Anschlag verübt, sein Freund und Kollege, offensichtlich vom Einsatz in Afghanistan noch traumatisiert, versteckt sich derweil im Schwimmbad des Berliner Olympiadorfes. Immer wieder treibt es Verfolgte und Verfolger durch Berlin. Eine Handkamera, die nie zur Ruhe kommt, setzt unter der Regie von Rick Ostermann Personen und Schauplätze ins Bild, ohne dabei nervös oder verwackelt zu wirken.

Dass der Hintergrund für den Zuschauer schon früh klar vor Augen liegt, schon weil der Film mehrfach die Recherchen der ermordeten Investigativjournalistin zitiert, gibt wiederum den Privatdetektiven Olga und Dengler viel Gelegenheit, gegenseitige Komplimente wie auch allgemeinen Weltschmerz auszutauschen. Lars Kraume, der Drehbuchautor, streut mit feiner Ironie nicht nur geschickt die Hochzeitsvorbereitungen von Denglers Sohn Jakob ein, der seine Braut mit einer katholischen Trauung beglücken will. Er hält auch eine wunderbare Schnapsrede für Olga bereit, bei der sich die Internet-Aktivistin und Dengler alkoholisiert in Bademänteln gegenübersitzen. Noch einmal werden von Olga die Vorzüge und das Elend des Internets umrissen, Hoffnungen und Enttäuschungen aufaddiert. Eine "gewaltige Demokratiemaschine", hatte sie sich erhofft, eine "Bestie, die keiner mehr zähmen kann" sei aber inzwischen daraus geworden. Mehr noch als ihre Rede ist Olgas schlaftrunkenes Erwachen am anderen Morgen sehenswert.

Fast vergisst man über solchen intimen Momenten, worum es geht: Um Mikrowellen-Experimente an Menschen, um unsichtbare Strahlen-Folter ("Brennende Kälte"), die sich hinterher nicht mehr nachweisen lässt. Spätestens seit dem Irakkrieg hatten wohl Amerikaner die Entwicklung solcher Waffen vorangetrieben. Daraus nun Folterinstrumente zu machen und sie in die Hände eines deutschen Waffenkonzerns unter der Führung einer eiskalten Chefin (Jeanette Hain) zu geben, ist ein fiktionaler, aber keineswegs abwegiger Gedanke. Über alldem hält der BND seine schützenden Hände. Das Waffenexportland Deutschland will ja gesichert sein. Es gibt richtige James-Bond- und Batman-Szenen in diesem Film mit Explosionen und Dachkletterei. Aber das meiste wird gedacht und berichtet, ganz ohne Sensationshuberei. Die Glaubhaftigkeit verdankt man dabei einem vorzüglichen Cast – allen voran Ronald Zehrfeld und Birgit Minichmayr. Beide wirken in der Filmfiktion so glaubhaft, dass man meinen möchte, in einem Dokumentarfilm zu sein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst