Die Leiche eines Jungen wird gefunden, seit zwei Jahren galt das Kind als vermisst. Zuletzt wurde der Junge mit seinem Vater gesehen, einem Wolfshüter ...

Wie kriegt man die Wölfe von Brandenburg, Villenbesitzer im Grunewald und den Jugoslawienkrieg unter einen Hut? – Die Krimiautorin Elisabeth Herrmann, bekannt vor allem durch die Krimireihe um Joachim Vernau mit Jan Josef Liefers (im ZDF seit 2012) stemmt so was mit Leichtigkeit. Ohne Umschweife schmeißt sie in "Der Schneegänger" die Motive hin, stellt Rätsel, die so schnell keiner lösen kann. Wo andere Blindspuren und Holzwege verlegen, nimmt sie Schicksale her und ein mehr oder weniger fantastisches Setting. Anders als in ihrem ersten von bislang zwei Krimis um die aus Kroatien stammende Berliner Polizistin Sanela Beara (im ersten wurde im Berliner Zoo eine von Wildscheinen zerzauste Leiche gefunden) schrieb sie hier (wie auch in allen Vernau-Krimis) das Drehbuch selbst. Josef Rusnak, mit dem Deutschen Filmpreis 1984 für "Kaltes Fieber" ausgezeichnet, führte Regie.

Man sagt das am besten gleich: dass hier die Schauspielführung und die Kamera nichts zu wünschen übrig lassen. Das ist alles mit Understatement und viel Gespür für die Upper-class-Location gefilmt. Endlich auch mal wieder ein Begleitscore mit dezenten Songs für die ruhigeren Momente. Doch, leider, es fehlt ein guter Plot. Die Kroaten, deren Gemeinde laut Dialog in Berlin so klein ist, dass jeder jeden kennt, wollen sich nicht so recht an den reichen Villenbesitzern reiben. Schon der für die Wölfe zuständige Wildhüter mag ja durchaus dubios erscheinen, so wie ihn Stipe Erceg spielt. Aber dieser Darko ist ein guter Mensch, ein Mörder seines kleinen Sohnes, oder überhaupt verdächtig, ist er nicht.

Im Prolog des optisch schönen Films wird das bereits ein für allemal klargemacht. "Wenn dich jemand schlägt, dann schlag zurück!" sagt der Vater zum elfjährigen Sohn, und als sie zusammen im Hochstand sitzen und der Vater einen kranken Wolf erschießen will, der Sohn ihn aber mit einem Zuruf zu retten versucht, erscheint das eher vernünftig als das Anzeichen für eine Katastrophe. Dass Stipe Eric später, als Tatverdächtiger eingesperrt in einer Zelle, die glühenden Augen eines Wolfs bekommen wird (Kamera: Cristian Pirjol) ändert daran nichts.

Wer aber, wenn nicht Vater Darko hat dann dem Knaben all die Wunden beigebracht, die Knochenbrüche, die Brandverletzungen, die ausgeschlagenen Zähne? – Ach ja, das ist nun wieder eine ganz andere Geschichte, die von bösen Menschen handelt, die in großen alten Grunewalder Villen wohnen und erstens nicht wissen, wohin mit ihrer Langeweile und zweitens mit ihrem Geld.

Dass das alles nicht so richtig zusammengehen will zu einem guten Plot, ist insofern schade, als wir in hier in Nadja Bobyleva und Max Riemelt endlich mal ein sehr taffes und wunderbar knapp argumentierendes Polizistenpärchen haben, das nicht vor lauter privatem Klimbim ins Schleudern gerät. Wenn die sich beharken, dann eben so richtig echt – kurz und bündig. Im Falle der Polizistin Sanela (Bobyleva) ist das allerdings erstaunlich, hat sie doch im Jugoslawienkrieg die Mutter verloren – in Rückblenden sieht man es wiederholt. Jetzt sucht Sanela im Berliner Boxstudio des Vaters (Ralph Herforth) Vergessen und übt vorm Polizistinnen-Aufstieg schon mal für den etwas wirren Showdown. Nicht zuletzt der Coup als undercover recherchierende Haushaltshilfe weckt Lust auf weitere Folgen mit dieser Figur.

Der Schneegänger – Fr. 13.03. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH