In ihrem "Wort zum Sonntag" fand Pastorin Annette Behnken ungewohnt drastische Worte zur Flüchtlingspolitik. Nach teils heftigen Reaktionen meldete sie sich nun erneut zu Wort.

Mancher, der am Samstag im Ersten das "Wort zum Sonntag" verfolgte, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Mit einer ungewohnten Drastik verurteilte die Sprecherin Annette Behnken in einem vierminütigen Beitrag den Umgang der Europäischen Union mit der Flüchtlingskrise in Griechenland und der Türkei. Die gegenwärtige Lage kommentierte die evangelische Pastorin mit den Worten: "Mit Verlaub: Ich könnte kotzen." Doch damit nicht genug: Die 51-Jährige legte nach und forderte: "Wir müssen die Parlamente stürmen, in denen Neofaschisten sitzen und uns in Schreckstarre verfallen lassen, genauso wie das Coronavirus."

Auf Behnkens flammenden Appell folgte eine nicht abzusehende Welle in den sozialen Medien – mit sehr unterschiedlichen Reaktionen. Der Grünen-Politiker Sven Giegold etwa teilte das Video via Twitter und nannte es "das krasseste 'Wort zum Sonntag' seit langem". Auch "Taz Bewegung" lobte in einem Tweet die Worte Behnkes und schrieb: "Danke für das klare Wort zum Sonntag, Pfarrerin Behnken. Alle zusammen, gegen den Faschismus & für RefugeesUnderAttack!" Einige Nutzer zeigten sich ebenfalls positiv überrascht von der Wortmeldung der Pastorin. Einer schrieb etwa: "Dachte nie, dass ich mal ein Wort zum Sonntag empfehlen würde."

Aus dem rechten Lager gab es derweil heftigen Gegenwind. Die AfD äußerte harte Kritik und teilte via Twitter einen Artikel mit der Überschrift "GEZ-finanzierter Irrsinn: ARD-Pastorin ruft zum 'Sturm der Parlamente' auf". Ein Twitter-User schloss sich an und meinte: "Man könnte ihre Forderung als einen Aufruf zur Straftat und Volksverhetzung wahrnehmen."

Infolge der teils extremen Reaktionen reagierte Annette Behnken und unterstrich ihre Botschaft auch nach der Ausstrahlung des "Wortes zum Sonntag". In einem Statement hieß es: "Als Europäerin und Christin bin ich von der parlamentarischen Demokratie überzeugt und habe in meinem 'Wort zum Sonntag' an die höchsten Werte europäischer Demokratie appelliert, an Menschlichkeit, an Mitgefühl und auch – wegen der christlichen Wurzeln Europas – an die Barmherzigkeit."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH