Hans Wallentin (Juergen Maurer), bislang ein wohlhabender, gut situierter Mann, hat seinen Job verloren – er hat es vor der Familie über einen Monat lang verheimlicht.

Die Szenerie ist trostlos, so trostlos wie sie nur sein kann. Ein Straßenreiniger geht mit einem Laubbläser inmitten von Buden und Karussells zu Werke, er treibt die braunen Blätter im menschenleeren "Böhmischen Prater" am Rande von Wien vor sich her. Es ist eine unwirkliche Welt, in welcher der Fernsehfilm "Südpol" von Nikolaus Leytner spielt – gerade so unwirklich wie die Welt gerade dem entlassenen Manager Hans Wallentin (Juergen Maurer) erscheint. War seine, die Welt eines gehobenen Angestellten, genauso aus Plastik oder Blech wie die des Kinder-Vergnügungsparks, die mit dem Erwachsenwerden verschwindet?

An der Türe eines Vergnügungslokals mit dem schönen Namen "Südpol" beobachtet der Straßenreiniger einen Streit, eine junge Frau (Lili Epply), Kellnerin offensichtlich, verweigert einem Mann den Einlass. Es werde erst später geöffnet. Der Mann drängt die junge Frau ins Lokal, er fuchtelt mit einer Pistole. Ganz offensichtlich ist er außer sich.

Dass die junge Frau Ella heißt und Kellnerin ist im Ausflugslokal, erfährt man, als ihr Freund sie anzurufen versucht. Er ist voller Begeisterung, er hat im Badezimmer ihren positiven Schwangerschaftstest entdeckt. Doch Ella antwortet nicht. Als er sie im "Südpol" aufsuchen will, ist das Lokal bereits von Polizeikohorten umstellt. Man geht von einer Geiselnahme aus, er selbst wird verdächtigt, in die Tat verstrickt zu sein. Auch Ellas Mutter ist inzwischen zur Stelle, sie hat ihre Tochter lange nicht mehr gesehen, Ella lief weg als sie 18 war. Man muss nicht bis zur Midlife-Crisis warten, um seinen eigenen Weg zu gehen. Sie ging nach Paris, nun studiert sie Meeresbiologie. Sie kellnert, um ihr Studium zu finanzieren.

In Rückblenden erzählt der Film noch einmal Hans' letzte Stationen der Krise. Juergen Maurer, aus vielen "Tatort"-Krimis und auch aus der ORF/ZDF-Reihe "Spuren des Bösen" als eher düsterer Antipode bekannt, durchläuft noch einmal die Szenen seines Abschieds – wie er die Frau verlässt, wie er im angemieteten Hotelzimmer die Einrichtung zertrümmert, als im TV die Entlassungswelle seiner IT-Firma vermeldet wird, und wie er schließlich im Märchenprater Ella, die Kellnerin, findet, in der er einen rettenden Engel zu finden glaubt.

Offensichtlich ist Hans drauf und dran, sich das Leben zu nehmen, Ella könnte Trost und Rettung sein. Aber der Rest ist Schweigen – irgendwann weist ihn Ella, die Kellnerin, auf ihre ganz unbeschwerte Weise ab. – Das alles in Spielfilmkürze bis hin zur Lösung sehr genau und empathisch erzählt zu haben, ist ein bewundernswertes kleines Kunststück. Nicht nur die immer wieder zu- und aufgezogenen grauen Jalousien erinnern dabei an die Schwarze Serie Hollywoods – ohnehin verweist der Schauplatz auf eine vergangene Zeit. Und Juergen Maurer macht aus dem Manager, dem man den Boden unter den Füßen entzogen hat, mit reduziertem Spiel sowieso ein Charakterstück, das man nicht so schnell vergessen wird.

Südpol – Mi. 11.03. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH