Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat traurige Berühmtheit erlangt. Die Zustände vor Ort sind dramatisch, seit 2015 hat sich an der prekären Situation kaum etwas geändert. Für RTL-"Extra" ist Nazan Eckes nach Lesbos gereist, um sich selbst ein Bild zu machen. Die Reportage zeigt RTL am Montag (9. März 2020) um 22.15 Uhr.

"Als ich in den vergangenen Tagen die Bilder geflüchteter Menschen gesehen habe, musste ich natürlich sofort, wie alle andern auch, an 2015 denken und es hat mich unglaublich traurig und auch ein bisschen wütend gemacht, dass sich das alles so wiederholt", sagt die TV-Journalistin. "Dass sich die Umstände nicht geändert haben, dass hier wieder Schutzsuchende herkommen und wieder in der gleichen prekären Lage sind."

Die Geflüchteten zeigen Nazan Eckes ihre provisorischen Heime in Zelten, erzählen von Problemen und Kämpfen, die allgegenwärtig dort sind. Und natürlich trifft Nazan Eckes auch Kinder – und zeigt sich beeindruckt von deren Mut und Lebensfreude. "Ganz ungeachtet der Situation hier, sind sie die ganze Zeit fröhlich, sie spielen, sie sind sehr selbstsicher und frech und ich muss ganz ehrlich zugeben, ich habe alles erwartet, aber nicht das. Wenn ich mich hier so umschaue, es sind katastrophale Zustände. Man kann sich hier nicht vorstellen, dass man hier auch nur einen Tag verbringen kann und diese Kinder sind trotzdem fröhlich. Es ist unglaublich."

Neben den Geflüchteten selbst zeigt die Reportage auch Eckes' Gespräche mit einem medizinischen Ersthelfer einer NGO. "Wir haben Leute, die ankommen und einfach nur unglaublich glücklich sind, dass sie hier ankommen. Oder wir haben Menschen, die total in Panik sind, wo alle am weinen sind und am schreien", erzählt er über die Flüchtlinge, die die Insel per Boot erreichen.

Bei seiner Arbeit habe er oft ein ungutes Gefühl, denn es gibt Bedrohungen gegen NGOs wie seine. Die Flüchtlinge sind nicht bei allen Einheimischen gerne gesehen. "Man muss sich einfach vorstellen, dass hier seit fünf Jahren eine Ausnahmesituation besteht und seit fünf Jahren sind hier extrem viele Menschen auf der Insel, die das soziale System so nicht tragen kann und die lokale Bevölkerung war – vor allem am Anfang glaube ich sehr, sehr positiv gestimmt - und hat ganz viel versucht um den Menschen zu helfen und ist bis jetzt aber einfach komplett alleine gelassen worden. Und dementsprechend hat das mittlerweile einiges an Frust ausgelöst", erklärt der Mann.

Ein anderer Mitarbeiter einer NGO schlägt Alarm. "Ich persönlich habe nicht wirklich Angst, aber ich bin schockiert, wie sich die Situation negativ in den letzten Wochen verändert hat. Es muss jetzt unbedingt was passieren, dass die Situation sowohl für die Lokalbevölkerung als auch für die Geflüchteten im guten Sinn gelöst wird", sagt er. Vor Kurzem brannte auf Lesbos eine Gemeinschaftseinrichtung mit angrenzender Schule für die Geflüchteten.


Quelle: areh