Vier neue Folgen des Kultformats "Der Tatortreiniger" zeigt das NDR-Fernsehen am 18. und 19. Dezember. Es werden die letzten sein, denn Autorin Mizzi Meyer hat keine Lust mehr.

Seit Weihnachten 2011 schrubbte er im NDR-Fernsehen: Der "Tatortreiniger" mit Bjarne Mädel in der Titelrolle ist längst eine Kultfigur. 27 halbstündige Episoden des Außenstehenden schwer zu erklärenden Formats zwischen schwarzer Comedy und ironischem Alltags-Philosophiekurs kamen bis dato zusammen. Doch nun ist Schluss damit.

Wie Autorin Mizzy Meyer bekannt gab, möchte sie "aufhören, wenn's am schönsten ist". Eben bevor sich das komödiantische Kammerspiel abnutzt, welches pro 30 Minuten-Folge jeweils eine Begegnung der Reinigungsfachkraft Schotty (Mädel) mit einem seltsamen Ableben auslotet.

Am Dienstag, 18.12., und Mittwoch , 19.12., jeweils 22 Uhr, bekommt Schotty nun also ein letztes Mal zu tun. In vier neuen Folgen lernt der bodenständige Norddeutsche alles über den Wert von Kunst ("Currywurst"), Filzgleiter ("Rebellen") und den Umgang mit Patienten im Wachkoma ("Der Kopf"). Dazu schlittert Schotty in eine Krise, weil ihn plötzlich niemand mehr erkennt (Einunddreißig"). Die Ich-Krise als Endpunkt allen "schottyschen" Denkens – das passt irgendwie.

Wohl die beste der letzten Folgen ist "Currywurst", in der es ein tragisches Blutbad inmitten der edlen Kunstgalerie Ravenbach zu beseitigen gilt. Im Dialog mit der Inhaberin (Pia Hierzegger) lernt nicht nur Schotty alles über das Geschäft mit zeitgenössischer Kunst, sondern es wird auch – auf höchstem (Unterhaltungs)niveau – über Sinn und Zweck von Kunst überhaupt diskutiert. Eine brillante Folge!

Den 50-jährigen Hamburger Bjarne Mädel ("25 km/h"), der noch viel mehr als Komödie kann, machte das Regionalformat neben seiner Rolle als dröger Dorfpolizist in "Mord mit Aussicht" zum Star. Neben einem Dutzend anderer Auszeichnungen (unter anderem drei "Deutsche Comedypreise") schaffte es der "Tatortreiniger", in zwei aufeinander folgenden Jahren, 2012 und 2013, den renommierten Grimme-Preis abzuräumen. Mädel hätte den "Tatortreiniger" gerne weitergeführt. "Ich trage die Entscheidung natürlich voll mit, aber ich hätte schon noch ganz gern ein paar Jahre geputzt", reagierte er überrascht auf das recht plötzlich angekündigte Ende.

In den vergangenen sieben Jahren ist "Der Tatortreiniger" für den NDR ein echtes Prestigeobjekt geworden. Man verkaufte die kleinen TV-Kunstwerke mit Bjarne Mädel an zahlreiche Streamingdienste, Pay TV-Stationen und als DVD. Sogar das Ausland biss an. In den USA lief "Der Tatortreiniger" beim Pay TV-Sender MhZ Networks als Original mit englischen Untertiteln. Der Sender erwarb gar die amerikanischen DVD-Rechte.

Bei derlei Erfolgen mutet es kurios an, dass der NDR 2011 die ersten Episoden der Serie ohne jegliche Vorab-Ankündigung im Nachtprogramm versteckte. Offenbar erkennt man ein Juwel nicht immer auf den ersten Blick.


Quelle: teleschau – der Mediendienst