Im Kalten Krieg stationierten die USA heimlich Soldaten in einer geheimen Militärstadt unter dem Eispanzer Nordgrönlands. Eine Doku blickt zurück und zeigt, welche Gefahren "Camp Century" heute birgt.

Im Kalten Krieg zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion strebten beide Seiten jeweils nach dem einen entscheidenden strategischen Vorteil gegenüber der anderen Supermacht. Ein besonders verbissener Wettlauf wurde um die vermeintliche Vorherrschaft im All geführt. Russische Raketen auf Kuba führten beinahe zum Dritten Weltkrieg. So viel ist bekannt. Dass der Kampf der Systeme, Ost gegen West, auf vielen weiteren Ebenen "eiskalt" geführt wurde, zeigt der Film von Peter Bardehle. Bei ARTE ist der spannende Beitrag nun in Erstausstrahlung zu sehen.

Camp Century hieß das irrwitzige Projekt, das die Amerikaner so nah wie möglich an den Klassenfeind rücken sollte. 1959 beschlossen die USA, eine geheime Militärstadt unter dem Eispanzer Nordgrönlands zu bauen. Und tatsächlich entstanden damals tief unter der Oberfläche der kaum lebenswerten Arktis kilometerlange Tunnelanlagen. Bis zu 200 Soldaten waren in der Eiseskälte stationiert. Die USA hatten das Ziel, die Eiswüste zur Atomfestung auszubauen. Erst 1997 wurde Camp Century der Öffentlichkeit bekannt.

Da es den "Eissoldaten" während ihrer Dienstzeit des 1966 nach sechs Jahren eingestellten Projekts vor allem nicht an Wärme fehlen sollte, wurde auch ein mobiler Reaktor geliefert. Dessen kaum ausgereifte Technik führte zu massiven Strahlungsproblemen. Das bestätigt Sören Gregersen. Der damals 18-jährige dänische Pfadfinder berichtet aus erster Hand, wie es war, neben einem Atomreaktor zu schlafen.

Und heute? – Die Amerikaner hinterließen nach ihrem Abzug aus dem ewigen Eis nicht nur rund 10.000 Tonnen Baumaterial und Unmengen an Diesel-Kraftstoff. Auch radioaktiver Restmüll blieb unter dem Eis. Glaziologen befürchten nun, dass zum Ende des Jahrhunderts die Überreste von Camp Century an die Oberfläche kommen und über wandernde Gletscher ins Arktische Meer gelangen könnten.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH