Bei einem Podiumsgespräch in München gaben Sky und weitere Produzenten einen Ausblick auf die nächsten eigenproduzierten deutschen Serien beim Pay-TV-Anbieter. Mit dabei: ein komödiantisches Drama Marke "Braunschlag" und ... eine Horrorserie.

Etwa 15 neue Serien sind beim Pay-TV-Anbieter Sky derzeit in der Pipeline. "Serien, die sich sonst keiner traut", versprechen die Verantwortlichen gerne im PR-Sprech. Ob das stimmt, ist nicht zu prüfen. Wohl aber zeugen die sichtbaren Ergebnisse der vergangenen Jahre durchaus von Mut und einer beachtlichen Experimentierfreude. Zu einem Podiumsgespräch lud Sky nun eine Reihe namhafter Produzenten ein, die einen Blick hinter die Kulissen gewährten. Allesamt freilich von einer gewissen Euphorie getragen, zu der die Erfolge der Vergangenheit Anlass gaben. Aber durchaus auch mit einem dezenten Blick auf neue Probleme. Eines davon: Die Kreativen hierzulande werden knapp. Was indes auch eine Chance für den Nachwuchs bedeutet.

Eine Erkenntnis bei Sky Deutschland: Komödiantisches kam bisher zu kurz. Hohe Erwartungen werden demnach an eine neue sechsteilige Serie geknüpft, die derzeit entwickelt und ab Frühjahr 2020 gedreht werden soll. "Ich und die anderen" heißt die sechsteilige Produktion, die von David Schalko als Showrunner begleitet wird. Er sorgte zuletzt unter anderem mit der gefeierten Serie "Braunschlag" für Furore. Wer die österreichische Reihe gesehen hat, ahnt: Es könnte durchaus auch heiter, ja womöglich absurd werden. In "Ich und die anderen" wird von einem Mann erzählt, der mit sich und der Welt hadert. Er wünscht sich, dass die Menschen anders mit ihm umgehen. Der Clou: Genau das tun sie dann tatsächlich. Immer wieder neu, was zu immer wieder neuen Konstellationen in seinem Leben führt. Versprochen wird "eine surrealer Trip durch die Minenfelder Identität und Ego".

"Hausen" – Sky plant eigene Horror-Serie

Ebenfalls ein neues Genre im Sky-Portfolio und ohnehin bislang so gut wie nie versucht hierzulande: Horror. Produzent Marco Mehlitz von Lago Film verspricht mit "Hausen" eine "Haunted House"-Serie, was bedeutet: Ein Haus übernimmt die Kontrolle über die Menschen, die sich darin befinden. Ob tatsächlich "Horror" drin ist, wo "Horror" draufsteht, oder ob es nicht doch eher in Richtung Psycho-Thriller geht, darf mit Spannung erwartet werden. Gedreht werden ab September neun Folgen, ein Start ist für Ende 2020 geplant. Hauptrollen spielen Charly Hübner, Alexander Scheer und Lilith Stangenberg.

Neu auch: Die achtteilige Serie "Souls", die von der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion mit Hana Geißendörfer und Malte Can im Auftrag von Sky Deutschland produziert wird. Kreativer Kopf der Serie ist Alex Eslam. Es geht um die Möglichkeit einer Seelenwanderung. Das Leben von drei Frauen gerät aus den Fugen, als ein zehnjähriger Junge nach einem Autounfall glaubt, sich an sein früheres Leben als Pilot einer verschollenen Passagiermaschine zu erinnern. Die Drehbuchentwicklung läuft, ein Start in 2020 ist möglich.

Marcus Ammon, Senior Vice President Film and Entertainment, kündigte zudem die Fortsetzung einiger erfolgreicher Eigenproduktionen an. Kurz vor der letzten Klappe steht bereits die zweite Staffel von "Das Boot", deren letzte Aufnahmen derzeit in Malta stattfinden. Diesmal geht es nicht nur um ein, sondern um zwei U-Boote während des Zweiten Weltkriegs. Neu auf der Besetzungsliste stehen unter anderem Thomas Kretschmann und Clemens Schick. Moritz Polter, Produzent bei Bavaria Fiction, betonte die neuen Herausforderungen, die sich gerade bei Fortsetzungen von Serien stellen. Zum einen bleibe deutlich weniger Zeit für Drehbuchentwicklung und Dreh, um möglichst schnell wieder on air sein zu können. Zum anderen sei es durchaus nicht immer einfach, Darsteller und Crew kurzfristig über einen langen Zeitraum wieder an Bord zu bekommen.

"Content ist King"

Gleiches dürfte für "Babylon Berlin" gelten. Michael Polle, Produzent der X Filme in Berlin, kündigte den Start der dritten Staffel für den Winter an. Ebenfalls fortgesetzt wird die unkonventionelle Krimiserie "Der Pass", erneut mit Nicholas Ofczarek. Produzent Max Wiedemann von W&B Television fand in diesem Zusammenhang lobende Worte für den Partner Sky, der – anders als amerikanische Unternehmen – bisher ohne Flops geblieben sei. Den Grund für den Erfolg und den neuen deutschen Serien-Hype sieht Wiedemann in der Eigenständigkeit bei der Entwicklung. Anders als noch in alten Zeiten des Fernsehens werde nicht mehr versucht, amerikanische Muster nachzuahmen. "Wir spielen mit unseren kulturellen Eigenheiten", erklärte Wiedemann und machte deutlich, dass das auch innerhalb Europas beim Publikum goutiert werde.

Dass der aktuelle Serien-Hype auch wieder abebben könnte, glaubt Marcus Ammon von Sky nicht. Er sei fraglos inhaltlichen Trends unterworfen. Die "Serie" selbst werde jedoch, wie etwa die Gattung "Spielfilm", dauerhaft gefragt bleiben. Dabei geht Ammon von einer Angleichung von Technik und Preisen bei allen Anbietern aus. In der Zukunft werde es demnach keine Rolle mehr spielen, wie eine Serie zum Publikum kommt. Es gehe nur noch um den Inhalt: "'Content ist King' wird auch bei der Serienproduktion gelten."

Dabei blickten die Produzenten durchaus mit etwas Sorge auf den eingeschränkten Markt der Kreativen. Gab es noch vor Jahren eine große Auswahl bei Regisseuren, Autoren, Darstellern und Crew, hat sich das inzwischen geändert. Untereinander ist ein Wettbewerb um die besten Köpfe entstanden, was indes auch eine Chance für junge Talente sei. Und für neue, ungewöhnliche Konzepte. "Es gibt keine Idee, die man nicht denken darf", brachte es Michael Polle auf den Punkt, wohl wissend, dass es bei der Flut von Produktionen und Anbietern nicht leichter für alle Beteiligten wird, die notwendige Aufmerksamkeit beim Publikum sicherzustellen. Polle: "Der Markt braucht Serien, über die man spricht."


Quelle: teleschau – der Mediendienst