Die Journalistin Laura Hansen (Wolke Hegenbarth) will im 30. "Sommer"-Film eine Reportage über Mode in Italien schreiben. Durch Zufall entdeckt sie, dass ihre soeben verstorbene Mutter sich jahrelang mit einem Textilfabrikanten in der Toskana getroffen hat.

Der rote Cinquecento bleibt qualmend stehen. "Irgendwo kurz vor Lucca", sagt die junge, deutsche Journalistin Laura Hansen (Wolke Hegenbarth) zur Freundin per Handy. Von einem hilfreichen Reparateur, der mal "Pizzabäcker in Gelsenkirchen" war, wird sie abgeschleppt. Ein Bärtiger im weißen Sommeranzug bietet ihr in seinem Wagen die Weiterreise an. So beginnt der 30. Film der ZDF-Reihe "Ein Sommer in ...", der diesmal in die Toskana führt. Nach Lucca fährt Alessandro "jeden Tag", wie er sagt. Er ist Anwalt und Sohn eines Textilfabrikanten. Mit just diesem hatte sich Lauras Mutter heimlich treffen wollen – wie all die Jahre zuvor seit 25 Jahren. Doch dann kam der Tod dazwischen, Laura entdeckte die liegen gebliebene Flugkarte und folgt nun der Spur der Mutter bis ins Hotelzimmer, in dem Alessandros Vater sie vergeblich erwartet hat. Ein auskunftsfreudiges Reisebüro ermöglichte alles.

Der Plot als solcher ist fein ausgedacht, und das heimliche Dating – einmal im Jahr, immer am letzten Septemberwochenende – ist ja nicht gar so verwerflich. Es könnte womöglich die Würze in einer in die Jahre gekommenen Ehe sein. Alessandros Vater Emanuele (Rolf Sarkis) jedenfalls möchte partout seine Ehe nicht riskieren. Old fashioned, wie die Mode, die er in seiner von den Vorfahren vor hundert Jahren gegründeten Textilfabrik produziert.

Der Zufall, der wie jedermann weiß, in den "Herzkino"-Filmen des ZDF eine wichtige Rolle spielt, will es, dass Alessandro (Kerem Can) Laura in die überaus propere Familienvilla einlädt – zum Essen und, mit Zuspruch der Mutter, gar zum Übernachten. Ganz nebenbei wird ja auch noch der Geburtstag des Vaters im üppig begrünten Garten gefeiert.

Alessandros Mutter Elisa (Susanna Capurso) führt Laura dann auf noch eine ganz andere Spur. Die Kustprofessorin empfiehlt Laura, nach Prato zu reisen. Dort arbeiteten tausende von Chinesen für Billiglohn in maroden Fabriken. Davon, dass Emanuele, ihr Mann, in die Sache verstrickt ist, scheint sie nichts zu ahnen. Dass unterbezahlte Chinesen in der Textilstadt Prato Billigtextilien für italienische Modelabels produzieren, entspricht durchaus der Wirklichkeit. Und dass die Obrigkeit damit einverstanden ist, weil sie ja auch Gewinn abschöpft, wird Laura recht anschaulich von einem Gewerkschaftsmann in einem Straßencafé vermittelt. Ein Foto für die Zeitschrift? Gerne, sagt der Gewerkschaftsmann.

Die Liebesgeschichte mit dem harten Stoff der Billigfabrikation zu verquicken (Drehbuch: Thomas Kirdorf), ist zweifellos erstaunlich für eine Sonntags-Sommergeschichte. Laura wird dann von der Redakteurin ihrer Modezeitschrift per Skype geschasst. Sie hatte sich eigentlich um die Kunden und die Sonnenseiten der Toskana kümmern sollen. Doch sie bleibt hart und veröffentlicht ihren eigenen Blog.

Die Story läuft später etwas zu viel zwischen Textil-Realität und gängigem Liebesmelodram hin und her. Insgesamt ist dieser mit viel Genre-Ironie bestückte Sonntagsfilm (Regie: Jorgo Papavassiliou) aber schon ein kleines Wunder – trotz des üblichen soultrunkenen Scores, wenn mal wieder nichts weitergeht, trotz der üppigen Werbebilder in den schönen Toskana-Totalen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst