Bei einem Segelausflug stößt eine Gruppe von Australiern auf ein fahruntüchtiges Flüchtlingsboot. Wie können sie helfen? Ihre Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen ...

Das gut situierte australische Ehepaar Ryan (Ewen Leslie) und Bree (Leeanna Walsman) hat Ryans Schwester Olivia (Phoebe Tonkin), deren Freund Damien (Joel Jackson) und ihre Nachbarin Helen (Jacqueline McKenzie) zu einem Segeltörn eingeladen. Inmitten der Timorsee, geografisch zwischen Indonesien und Australien gelegen, wollen sie dem Alltag entfliehen. Doch aus dem idyllischen Ausflug wird schon bald bitterer Ernst: Die Gruppe entdeckt ein seeuntüchtiges Flüchtlingsboot mit rund 40 Menschen an Bord. Per Funk können die Australier leider keinen Notruf absetzen. Wie sollen sie auf die Situation reagieren? Fünf Jahre später begegnet Ryan – vermeintlich zufällig – einem der einstigen Hilfesuchenden wieder. Und für den Zuschauer wird schnell klar: Auf hoher See muss sich damals eine Tragödie abgespielt haben. Doch was genau ist geschehen? Geschickt verwebt die Miniserie "Ein sicherer Hafen" (2018) die zurückliegende und gegenwärtige Handlung miteinander, um das ganze Ausmaß der Katastrophe zu schildern. ARTE zeigt alle Folgen direkt nacheinander in einer TV-Premiere.

Als Ryan in das Taxi von Ismail (Hazem Shammas) steigt, ahnt er noch nicht, welche Auswirkungen diese Begegnung auf sein Leben haben wird. Bald muss er jedoch erkennen, dass sich das Rettungsdrama vor fünf Jahren möglicherweise ganz anders abspielte, als er es zunächst angenommen hatte.

Fakt ist: Die Australier entschlossen sich tatsächlich dazu, das Flüchtlingsboot abzuschleppen. Weil jedoch irgendjemand das Tau gekappt hatte, geriet das fahruntüchtige Schiff in einen verheerenden Sturm, der sieben Menschenleben forderte. Unter den Opfern befand sich auch Ismails Tochter Yasmin (Maha Riad). Doch wer hat das Seil durchgeschnitten? Waren es wirklich die Flüchtlinge selbst, wie Ryan über all die Jahre hinweg annahm?

Bald schon wird klar, dass Ryans Frau Bree eine entscheidende Rolle bei dem Drama auf hoher See gespielt hat – und nun alle Spuren verwischen will. Derweil ist das Ziel des traumatisierten Ismail unklar: Weswegen hat er Nachforschungen über die Gruppe angestellt? Im Laufe der Handlung spitzt sich die Aufarbeitung der Tragödie dann immer weiter zu: Gegen die fünf Australier wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Und irgendwann verschwindet die Tochter von Ryan und Bree – eine Racheaktion?

"Ein sicherer Hafen" zieht seine narrative Stärke aus der cleveren dramaturgischen Struktur, in die die Erzählung eingebettet wurde. Nur langsam fügen sich alle Puzzleteile zusammen und man versteht, was tatsächlich geschehen ist, wer aus welchen Gründen handelte und wie sich die Tragödie bis heute auf alle Beteiligten auswirkt. Der Zuschauer wird mit schwierigen moralischen Fragen konfrontiert: Wie hätte man selbst gehandelt? Mal identifiziert man sich mit dem einen Charakter, mal mit dem anderen. So wird man in dieser intelligenten Erzählung rund um Themen wie Schuld und Sühne immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen.

Den Autoren Belinda Chayko, Matt Cameron, Phil Enchelmaier und Regisseur Glendyn Ivin ist mit ihrer sehenswerten Miniserie ein Ausnahmewerk gelungen. Ein spannendes Stück Fernsehen, bei dem Drama- und Thrillerfans gleichermaßen zufriedengestellt werden – aktueller und klüger kann TV kaum sein. Wer Wolfang Fischers thematisch ähnliches Flüchtlingsdrama "Styx" (2018) mochte, sollte auch hier unbedingt einschalten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst