Frederick Lau scheint kein Mann der großen Worte zu sein. Beim Interview betont der sympathische Berliner oft, es gehe ihm nur um das Schauspielern, nicht um den Ruhm oder die Aufmerksamkeit. Und so wortkarg, wie er sich gibt, glaubt man ihm das sofort.

In seinen Rollen überzeugt der authentische 29-Jährige durchweg – auch in der Komödie "Wuff" (Start: 25.10.), in der er einen ehemaligen Sportler spielt. Ein kaputtes Knie hat ihn gezwungen, seine Karriere zu beenden. Seine Freunde haben sich von ihm abgewendet, Geld hat er auch keines mehr. Dafür plötzlich den Hund seiner verstorbenen Nachbarin – und daraus entsteht eine perfekte Geschäftsidee. Im Interview verrät Lau, warum es schwer ist, mit Tieren zu drehen, Netflix besser ist als das deutsche Fernsehen und Komödien manchmal bitter nötig sind.

prisma: Haben Sie selbst ein Haustier?

Frederick Lau: Ich bin mit Hunden aufgewachsen, aber jetzt habe ich aus zeitlichen Gründen keine mehr. Mit diesem Beruf ist das einfach nicht vereinbar. Aber rein hypothetisch hätte ich sehr gerne wieder einen Hund.

prisma: Wie war es, mit den Vierbeienern zu drehen?

Lau: Fantastisch. Ich bin ein großer Fan von Tieren. Aber es ist auch ein großer Aufwand, sie unter Kontrolle zu bringen. Zum Glück hatten wir eine tolle Hundetrainerin am Set. Es hat riesig Spaß gemacht, und es ist ein wenig, als würde man mit Kindern drehen. Man weiß nie hundertprozentig, was passiert, und muss immer ein wenig improvisieren. Das macht die Arbeit richtig spannend.

prisma: Beim Film erahnt man schnell das Ende. Wie hält man trotzdem die Spannung?

Lau: Ich glaube, es muss nicht in jedem Film darum gehen, einen großen Spannungsbogen zu erzeugen. Manchmal möchte der Zuschauer sich in den Sessel setzen und entspannen. Wir müssen nicht immer nur Horror-News verarbeiten oder gesellschaftskritische Themen aufbereiten. Bei Filmen darf in alle Richtungen gedacht werden, und das Publikum braucht auch mal etwas für das Herz.

prisma: Gibt es trotzdem Themen, die in deutschen Produktionen öfter behandelt werden sollten?

Lau: Ich glaube, dass wir einfach qualitativ hochwertige Filme machen müssen, die gut aussehen. Das ist die Hauptsache. Sie müssen sich messen können mit den internationalen Produkten. Qualität hängt nicht nur von den Schauspielern ab, sondern von der Kameraführung, der Regie, dem Schnitt und was noch alles zum Film gehört. Oft kann man nach der ersten Kameraeinstellung sagen, ob sich ein Film lohnt oder man gleich ausschalten kann. Ich würde gar nicht sagen, dass andere Länder den Deutschen etwas voraushaben.

prisma: Denken Sie, die Streaming-Dienste sind eine Gefahr für das deutsche Fernsehen oder gar das Kino?

Lau: Ich glaube, das ist ein großer Trend. Ich schaue auch gerne Netflix und bin ein Amazon-Fan. Wenn ich ehrlich bin, mag ich Streaming sogar lieber als das deutsche Fernsehen. Da fällt wieder das Stichwort Qualität. Natürlich gibt es auch hier Serien, die nicht gut umgesetzt sind, aber bei den meisten sieht man doch einen klaren Unterschied zu den Serien im deutschen Fernsehen. Außerdem ist es Gold wert, dass man alles immer abrufen kann. An das Kino allerdings werden die Streaming-Dienste nicht rankommen. Man entscheidet sich bewusst, das Haus zu verlassen und in eine ganz andere Welt einzutauchen.

prisma: Ihre Rolle, Oli, hat einen Karriereknick hinter sich. Haben Sie manchmal Angst vor einem ähnlichen Schicksal?

Lau: Ich bin niemand, der sich große Sorgen macht. Manchmal bin ich fast ein wenig zu naiv und gehe davon aus, dass es im Beruf weiterhin gut läuft. Meiner Meinung nach setzt sich Leistung immer durch.

prisma: Ist mit dem wachsenden Erfolg auch der Leistungsdruck größer geworden?

Lau: Wenn man ein paar Preise gewinnt, dann erwarten die Leute plötzlich automatisch mehr von einem. Ich gehe aber abgesehen davon bei jedem Projekt mit der gleichen Passion und Disziplin ans Set, weil ich immer 100 Prozent geben möchte.

prisma: Streben Sie auch eine Karriere in Hollywood an?

Lau: Ich habe viele englische Castings. Aber mir geht es nicht um Hollywood, sondern ich habe Bock, Filme zu machen. Das kann auch in der Schweiz, in Schweden oder Australien sein.

prisma: Gibt es denn Rollen, die Sie kategorisch ablehnen?

Lau: Ja. Telenovelas und Daily Soaps sind nichts für mich, das würde ich nie in meinem Leben anfassen.

prisma: Im Film ist das Nachbarschaftsverhältnis sehr gut. Ist das etwas, das Sie aus Ihrem Privatleben kennen?

Lau: Ich kenne alle meine Nachbarn und unterhalte mich fast täglich mit ihnen. Dieses Verhältnis zu pflegen, halte ich für sehr wichtig, und die Zeit dafür muss man sich nehmen. Das hat auch etwas mit Aufmerksamkeit für seine Mitmenschen zu tun. In der Großstadt herrschen auf jeden Fall andere Verhältnisse als in den Dörfern. Leider wird alles immer schnelllebiger.

prisma: Denken Sie, es geht der Gedanke des Miteinanders verloren?

Lau: Ich glaube, dass wir in Deutschland in einer sehr leistungsorientierten Gesellschaft, einer Ellbogengesellschaft leben. Es wird einem von vornherein vorgeschrieben, was man zu erfüllen hat, um jemand bestimmtes zu sein.

prisma: Sind Sie manchmal genervt von Fans, die Sie privat, in Ihrer Freizeit ansprechen?

Lau: Manchmal ist das stressig. Aber das gehört zum Beruf dazu, und ich habe mich daran gewöhnt.

prisma: Sie genießen das also nicht?

Lau: Genießen wäre übertrieben. Ich bin kein Mensch, der diesen Beruf ausübt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich brauche keine 24 Stunden am Tag Fans und Öffentlichkeit. Das heißt aber nicht, dass ich mich nicht freue, wenn mich jemand auf der Straße nett anspricht.

prisma: Lesen Sie sich Kritiken über Ihre Filme durch?

Lau: Nein. Aber es ehrt mich, wenn Kollegen oder die Familie oder auch Fans auf der Straße von dem, was ich mache, begeistert sind und wenn es sie berührt. Dieses Feedback reicht mir, da muss ich nicht die Kritiken lesen. Wenn ich mal welche bekomme, habe ich damit kein Problem. Man lernt schnell, Kritik anzunehmen und etwas rauszuziehen, das einen weiterbringt.

prisma: Ein wichtiges Thema im Film ist Freundschaft. Was macht für Sie eine gute Freundschaft aus?

Lau: Ich glaube, dass man Zeit miteinander verbringt und dass es ein Geben und Nehmen ist. Gemeinsam zu lachen und trotzdem kontrovers diskutieren zu können, ist essenziell. Man sollte nicht blind Meinungen annehmen oder jemandem aufzwingen, sondern den Menschen so akzeptieren, wie er ist. Freunde versucht man nicht zu korrigieren oder zu verändern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst