"Warum mietet man in einer Stadt, in der man wohnt, ein Hotelzimmer?" – Das fragt der an sich durchaus schnelle Assistent Sebastian (Matthi Faust), als eine weibliche Leiche, mit sechs Messerstichen hingemordet, im Hotelzimmer liegt. "Denk mal scharf nach!", sagt da der erfahrene Kripo-Chef Otto Garber (Florian Martens) trocken und hilft dem Jüngeren auf die Sprünge.

Eine Dating-Agentur ist beim neuen Fall des "starken Teams" aus Berlin im Spiel. Der Tod kam sozusagen aus dem Netz. Ehemänner zeigen sich erschüttert und gehen doch selber regelmäßig fremd. Andere Paare wiederum haben das so abgemacht – Liebe steht angeblich drüber. Weil es eine weitere Leiche gibt, die der ersten ähnelt, tippen die Berliner Kommissare auf einen Serienmörder. Linett (Stefanie Stappenbeck) wird dazu verurteilt, in der Folge "Tödlicher Seitensprung"(Regie: Johannes Grieser, Drehbuch: Leo P. Ard) den Lockvogel im Hotel zu spielen.

Doch gemach, das Sex-Casting, das den Mörder zutage fördern soll, läuft weniger heikel ab, als gedacht. Erstens, weil Linett nicht auf den Mund gefallen ist – man kennt das von den kleinen Wortduellen, die sie sich mit dem Kollegen Otto liefert. Da wird kess berlinert. Was Wunder also, wenn sie einen pastoral frömmelnden Sadisten schroff bittet, das von ihr gemietete und wie üblich im Voraus bezahlte Hotelzimmer schnellstens zu verlassen. Die benötigte DNA-Spur auf dem Sektglas hat sie schon.

Zudem lauern Otto und Sebastian vor Videoschirmen im Nebenraum. Es kann also nicht gar so viel passieren. Die kriminalistische Show, bei der keiner blankziehen muss, spielt sich ohnehin in rein verbalen Gefilden ab – nicht uninteressant jedoch, weil sich hier die verschiedensten Männertemperamente, vom verlassenen Braven bis zum vermeintlichen Sadisten die Türklinke in die Hand geben. Das alles läuft letztlich sowieso auf eine schöne finale Pointe hinaus, wenn Otto hofft, Linetts "Männerbild" möge bei alldem "keinen Knacks" abbekommen haben. "Nicht, solange ich so reizende Kollegen wie euch beide habe", sagt der Lockvogel da. Geht runter wie Öl.

Als der erste Mörder, ein Beziehungstäter, geoutet wird, der im Streit die eigene Frau gemordet hat, scheint das ganze Mörder-Casting vergeblich gewesen zu sein. Selbst der so unsympathische Untersuchungsrichter, der Linett die Offenlegung der E-Mailadressen der Dating-Agentur verweigert hat, kann kaum der Täter sein. Als er im Hotelzimmer Linett als Kunde gegenübertritt, kneift er sofort und willigt in die zuvor vergeblich gewünschte Computereinsicht ein.

Der Fall lebt von den vielen Blindspuren, die das Drehbuch naturgemäß legt. Bei allem bleibt aber auch der Witz nicht auf der Strecke. Selbst Sputnik (Jaecki Schwarz) ist wieder zur Stelle, er verkauft diesmal aufblasbare Luftmatratzen, Cottbusser (!) Studenten haben sie gebaut, vom 50-Euro-Erlös kommen den Studenten zehn Euro zu. Otto nimmt eine, die Ladung bläst ihm am Ende prompt die Wollmütze vom Kopf.

Derlei Gags machen manche Grellheiten auf der (verbalen) Sperma- und Kondomspur wieder wett. Schön auch, wie Linett die kajalgeschminkte Agenturchefin (Anouschka Renzi) kontert, die den Agenturnamen "Seepferdchen" preist. Seepferdchen wechselten die "Farben" und tanzten Reigen, so behauptet sie. Linett kontert cool: "Aber sie sind monogam. Nobody is perfect!" – Der Mörder wird dann etwas schablonenhaft nachgereicht im gefährlich abgedunkelten Berlin. Die Lösung entstammt dem Lexikon der Kriminalpsychologie, warum auch nicht. Vor Dating-Agenturen wird jedenfalls nachdrücklich gewarnt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst