16.05.2020 Musikwettbewerb bei ProSieben

"Free ESC": Alle Infos zur ESC-Alternative von Stefan Raab

von Antje Rehse

Stefan Raab ist ein Fan des "Eurovision Song Contest" und hat dem Wettbewerb als Teilnehmer und Macher seinen Stempel aufgedrückt. Weil der "ESC" in diesem Jahr ausfällt, hat sich Raab eine Alternative einfallen lassen. Nun werden immer mehr Infos bekannt.

Unter dem Namen "Free European Song Contest" - kurz "Free ESC" - veranstaltet Raab als Produzent seinen eigenen paneuropäischen Musik-Wettbewerb. Damit dürfte das Format in guten Händen liegen, denn Stefan Raab war nicht nur selbst schon als Teilnehmer beim "ESC" dabei, er schrieb außerdem den Song, mit dem Guildo Horn 1998 dort antrat und war maßgeblich am Sieg von Lena Meyer-Landrut 2010 beteiligt. Außerdem war es Raab, der den "Bundesvision Song Contest" ins Leben rief, bei dem Sänger und Musiker aus den 16 deutschen Bundesländern nach "ESC"-Art gegeneinander antraten.

Unter dieser Prämisse kann der "Free ESC" eigentlich nur gut werden. Doch wie soll der Wettbewerb im Detail über die Bühne gehen? Fragen und Antworten zum "Free European Song Contest" haben wir hier zusammengestellt. 

Wann findet der "Free ESC" statt?

Der Musikwettbewerb steigt am selben Tag, an dem eigentlich der "Eurovision Song Contest" in Rotterdam hätte stattfinden sollen: am Samstag, 16. Mai 2020. Raabs Heimatsender ProSieben überträgt in Deutschland ab 20.15 Uhr. Brisant: Auch die ARD hat für diesen Tag ihre Alternative zum abgesagten "Eurovision Song Contest" geplant. Weitere Infos dazu finden Sie weiter unten sowie hier.

Wer sind die Teilnehmer beim "Free ESC"?

Künstler aus folgenden Ländern sind dabei: Kroatien, Israel, Türkei, Dänemark, Schweiz, Großbritannien, Österreich, Niederlande, Deutschland, Spanien, Polen, Bulgarien, Italien, Irland und Kasachstan. Ach ja, un vom Mond. Sie alle werden in einem Studio in Köln auftreten. "Die Teilnehmerliste hat sich gewaschen. Moderatorin Conchita Wurst sowie zwei weitere Künstler haben bereits schon erfolgreich am ESC teilgenommen", sagt Stefan Raab. "Für mich ist wichtig, dass alle Künstler einen tatsächlichen Bezug zu dem Land haben, für das sie antreten. Die Musiker sind entweder dort geboren, besitzen die Staatsbürgerschaft des von ihnen vertretenen Landes oder ihre Eltern sind dort geboren."

  • Italien: Sarah Lombardi
  • Kroatien: Vanessa Mai
  • Bulgarien: Oonagh
  • Türkei: Eko Fresh und Umut Timur
  • Österreich: Josh ("Cordula Grün")
  • Großbritannien: Kelvin Jones
  • Kasachstan: Mike Singer
  • Irland: Sean Hill
  • Schweiz: Stefanie Heinzmann
  • Niederlande: Ilse DeLange
  • Polen: Glasperlenspiel
  • Dänemark: Kate Hall
  • Israel: Gil Ofarim
  • Spanien: Nico Santos
  • Mond: Der Astronaut (Max Mutzke)
  • Deutschland: Helge Schneider

Sarah Lombardi hat eine italienische Mutter, Vanessa Mai einen kroatischen Vater. Mike Singers Eltern stammen aus Kasachstan ...

Der deutsche Teilnehmer wurde vor der Show noch nicht verraten. "Nur so viel", sagt Raab: "Für Deutschland tritt eine echte Legende an, die alle bisherigen deutschen Teilnehmer an europäischen Musikwettbewerben künstlerisch und charakterlich überstrahlt. Dazu sieht er auch noch unglaublich gut aus. Lassen Sie sich überraschen ..." Viele Zuschauer hatten auf Stefan Raab selbst gehofft, aber Helge Schneider darf durchaus auch als Legende bezeichnet werden.

Gibt es ein Voting wie beim "ESC"?

Ja! ProSieben schaltet an diesem Abend live in alle Teilnehmerländer zur Punktevergabe. Dort verfolgen lokale "Free ESC"-Sympathisanten den internationalen Gesangswettbewerb. In Deutschland, Österreich und der Schweiz voten die ProSieben-Zuschauer via Telefon und SMS. Jedes Land vergibt Punkte nach dem traditionellen "ESC"-Modus (1 bis 8, 10 und 12 Punkte). Für das eigene Land kann beim "Free ESC" - wie im Übrigen auch beim Original - nicht abgestimmt werden.

Wer verkündet die Punkte?

Hier hat Stefan Raab im Vorfeld der Show schon ein bisschen was verraten. "Die Liste der Punkteverkünder ist sehr exquisit", sagt er. "Die Punkte für Polen verkündet Lukas Podolski. Nach Irland schalten wir zu Angelo Kelly. Und für das United Kingdom vergibt Spice Girl Melanie C die Punkte."

Wer moderiert den "Free ESC"?

Conchita Wurst, "ESC"-Gewinnerin von 2014, und Steven Gätjen moderieren die Live-Show. "Neben den Live-Auftritten freue ich mich auch besonders darauf, dass wir beim 'Free ESC' durch ganz Europa schalten werden, um die Punkte einzusammeln und den Sieger zu küren", sagt Conchita Wurst. "Ich hoffe, dass die internationalen 'Free ESC'-Sympathisanten die beste Performance und den besten Song würdigen. Das wird nicht einfach, denn das Niveau der Songs ist grandios und die Genres sind breit gefächert."

Was ist der Unterschied zu "ESC"-Alternative in der ARD?

Am selben Abend läuft in der ARD ebenfalls eine Alternative zum "ESC". In "World Wide Wohnzimmer - das ESC Halbfinale 2020" (Samstag, 9. Mai, um 20.15 Uhr in ONE) wurden die Musikvideos aller Teilnehmer gezeigt, die Zuschauer konnten online oder per Telefon für ihren Favoriten abstimmen. In "Eurovision Song Contest 2020 - das deutsche Finale live aus der Elbphilharmonie" präsentiert Barbara Schöneberger am Samstag, 16. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten die zehn ESC-Teilnehmer, die im Halbfinale die meisten Stimmen erhalten haben. Einige von ihnen treten auch live in Hamburg auf, von den anderen sind Videos zu sehen. Peter Urban und Michael Schulte kommentieren. In einem klassischen Voting entscheiden die Zuschauer, wer der deutsche Sieger der Herzen beim "ESC 2020" sein wird.

Zudem wird Ben Dolic, der eigentlich in diesem Jahr beim "ESC" in Rotterdam für Deutschland aufgetreten wäre, live in der Elbphilharmonie seinen Song "Violent Thing" singen. Der deutsche Beitrag läuft außer Konkurrenz. Weitere Infos zum "ESC"-Abend in der ARD finden Sie hier. 

Ab 22.00 Uhr gibt es dann "Europe Shine a Light", das wie der "ESC" von der European Broadcasting Union (EBU) veranstaltet. Anders als der "Free ESC" wird die "ESC"-Alternative der EBU in alle europäischen Länder übertragen, die beim "ESC" teilgenommen hätten. Ein Voting wird es aber nicht geben. Offenbar gibt es dafür versicherungstechnische Gründe: Wäre die Alternative dem Original zu ähnlich, könnten womöglich die Ausfallzahlungen für die Absage wegfallen. Die rund zweistündige Sendung wird in Hilversum produziert, Edsilia Rombley, Chantal Janzen und Jan Smit moderieren. Alle aktuellen Künstler sollen von ihrer Heimat aus u.a. gemeinsam einen der vergangenen "ESC"-Hits singen. 

Die einzelnen Länder dürfen sich zwar präsentieren, aber die Beiträge sollen offenbar kürzer als drei Minjuten sein. "Ich finde es schwierig, wenn sich Deutschland als eines der großen Länder in Europa einer europäischen Idee entziehen würde, deswegen sind wir mit dabei und unterstützen das jetzt, auch wenn wir uns im Detail das ein oder andere anders, also mehr Raum für die einzelnen Künstler, gewünscht hätten", sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber in einem Interview mit dem Medienmagazin "DWDL". Deshalb hat sich die ARD ihr eigenes Alternativprogramm einfallen lassen und sendet "Europe Shine a Light" zeitversetzt.

Wird der "Free ESC" genauso gut wie das Original?

Das lässt sich im Vorfeld natürlich nicht mit Gewissheit sagen. Allerdings gibt es dann doch einige entscheidende Unterschiede zwischen Original-"ESC" und der Raab-Alternative. Wegen des Coronavirus werden natürlich auch bei der Live-Sendung in Köln Zuschauer fehlen, die den Interpreten zujubeln und für Stimmung sorgen. Das Live-Publikum ist durch Applaus vom Band nicht zu ersetzen. Außerdem wird der "ESC" in weiten Teilen von Europa live übertragen, ist also ein echtes europäisches Fernsehereignis. Der "Free ESC" läuft dagegen nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei ProSieben. Die Moderation wird dementsprechend (wohl) auf Deutsch sein. 

Dass Show- und Musik-Profi Stefan Raab mit an Bord ist, macht aber zumindest Hoffnung, dass der "Free ESC" in Corona-Zeiten gute Fernsehunterhaltung bietet, wenn auch auf andere Art als der "Eurovision Song Contest".

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