Netflix-Serie

"White Lines": die dunkle Seite der Partyinsel Ibiza

von Andreas Fischer

Früher war Ibiza Wunschziel für Hippies, heute vor allem für Party-Urlauber. Während der Urlaub wegen Corona erst einmal flach fällt, leuchtet die neue Netflix-Serie "White Lines" die Schattenseiten der Insel aus.

Wer rauschhaft feiern will, muss mit dem Kater am nächsten Morgen rechnen. So viel steht fest. Dass die Euphorie nach einer der legendären Ibiza-Party nicht immer nachhaltig ist, bekommt auch Zoe Walker (Laura Haddock) schmerzhaft zu spüren – obwohl sie nie auf der Insel war. Bis jetzt. Als sie dort landet, sieht sie erst mal, was alle sehen: Geld, Drogen, Sexpartys, Sonne und viele schöne Menschen.

Ein Vergnügen ist Zoes erster Trip auf die Insel dennoch nicht, soll es auch gar nicht sein. Zoe will den Mörder ihres Bruders finden. Der hatte sich vor mehr als 20 Jahren aus dem verregneten Manchester in die Sonne verabschiedet und sich dort recht schnell einen Namen als DJ gemacht. Dann verschwand er spurlos. Doch nun ist seine Leiche aufgetaucht und hat die Geister aus Zoes Vergangenheit mitgebracht.

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Die hat es alle auf Ibiza verschlagen, sie versuchen in den zehn knapp einstündigen Episoden nun, zu retten, was schon lange nicht mehr zu retten ist. Natürlich ist Alex' gewaltsamer Tod nicht nur der Auftakt einer spannenden Kriminalgeschichte.

Was sich die Macher des Netflix-Hits "Haus des Geldes" für ihre neue Serie ausgedacht haben, ist ein enigmatisches Vergnügen, das in sonnenwarmen und schweißgetränkten Bildern eine verschachtelte Geschichte über den ewigen Konflikt zwischen Schein und Sein erzählt. Es ist immer spannend anzusehen, wie sorgsam aufgebaute Lügengebäude nach und nach entkernt werden, bis sie einstürzen.

"Wenn man mit 20 ein Gott auf Ibiza ist – was kann später noch kommen?", fragt einer von Alex' alten Kumpels. "Wie kann man da nicht wehmütig sein oder traurig?" – Die Abrissarbeiten werden auf Ibiza von hochgradig unterhaltsamen Typen erledigt: tumbe Drogendealer, desillusionierte Träumer, ein diabolisches Mama-Sohn-Duo und ein zärtlicher Boxer zeigen Zoe, jeder auf die eigene Weise, wo der Hammer hängt. Für die brave Frau aus England ist das vor allem erst mal faszinierend: "Ich habe in den letzten 24 Stunden mehr gelebt als in den letzten 24 Jahren", sagt sie gleich in ihrer ersten Szene.

Dass sie da schon jemanden harpuniert hat, erwähnt sie nicht, dass sie bald schon ein Kokslager ausheben und ihren ersten Multiorgasmus erleben wird, weiß sie noch nicht. Was sie aber schon ahnt: Sie wird sich nicht mehr sagen lassen, dass sie die Wahrheit nicht erträgt, nicht stark genug für ein selbstbestimmtes Leben ist und sich gefälligst in ihr Schicksal zu fügen hat.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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