Als Redakteur bei einem Anzeigenblättchen schreibt der zynische Journalist Geri über Obdachlose und über Kinder, denen man die Tagesstätte nimmt, als er sich unverhofft die Wohnung mit einem Teenager teilen muss.

Er ist schon eine Wucht, dieser Gerold Plassek (Thomas Stipsits), den sie für die fünfte ORF-"Stadtkomödie" aus seiner Kneipe in Wien-Simmering aus der Romanvorlage ins vorweihnachtliche St. Pölten verpflanzten. Schimpfen kann er wie ein Bierkutscher und saufen auch. Er ist ein herabgesunkener Journalist, der mal bessere Zeiten gesehen hat, bei einer ordentlichen Tageszeitung oder gar bei einem politischen Wochenmagazin. Jetzt schreibt "Geri" als Briefkastenonkel im Sozialressort eines Anzeigenblättchens, was ihm immerhin die langen, immer gleichen Abende mit den Thekenfreunden in seiner geliebten Stammkneipe "Zoltans" erlaubt. Manchmal spielt er mit ihnen nach der letzten Runde noch daheim mit der Carrera-Bahn.

Sehr unvermittelt und bleich steht dann ein langhaariger, bleicher Jüngling in der Tür, der behauptet Geris WG-Genosse zu sein. Fragwürdig nur, wer da wen aufgenommen hat, wo doch die Wohnung eigentlich der Mutter des Jünglings namens Manuel gehört. Die hat, so stellt sich alsbald heraus, Manuel nach 15-jähriger Abwesenheit bis auf Weiteres bei Geri abgestellt, weil sie als Ärztin soeben für Ärzte ohne Grenzen "bei Sonne und Meer", wie Geri meint, in Somalia weilt. Geri und Manuel aber sind ein höchst konträres Paar, das sich nicht riechen kann. Da lässt sich keiner was gefallen – schwer zu sagen, wer da dem anderen mehr um die Ohren haut.

Doch es fügt sich, dass just nach Geris Obdachlosen- und Kindertagesstätten-Artikeln immer wieder Kuverts mit anonymen Spenden in der Redaktion auftauschen. 10.000 Euro sind da eingetütet, und immer sind Geris Artikel beigelegt, die übrigens gleichfalls anonym geschrieben sind. Kein Wunder, dass sich der sehr versoffene Geri da alsbald wie ein Engel fühlt und mitsamt seinen weißen Flügeln – schönes Bild – nicht mal mehr durch die Kneipentüre gehen kann. Erwachsen sind ihm die Flügel, schöner Schmäh – in seiner Phantasie im grün gekachelten Urinal.

In der Romanvorlage von Daniel Glattauer, mögen die Chrakterzüge eines vom Leben enttäuschten Journalisten feinfühliger und ironischer getroffen sein. Im Film von Daniel Prochaska ist nun alles zur schwarzhumorigen, mit viel Zynismus versehenen Vorweihnachtskomödie gewendet. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen, "Oasch is' Oasch", und die ganze Welt eben auch. Aber es ist dann glücklicherweise so, dass dem zumindest innerlich verwahrlosten Geri in Gestalt von Manuels Lehrerin (Julia Koschitz) ein Engel über den Weg läuft, mit dem sich trefflich saufen lässt – und fast hätte es ja auch im Bett geklappt.

Man muss nicht wissen, dass die Idee zum Film auf das sogenannte "Wunder von Braunschweig" zurückgeht, als ein edler Spender von 2011 bis '14 nach Zeitungsartikeln Bedürftigen immer wieder anonym 10.000 Euro zukommen ließ. Es macht die Geschichte eher ein wenig platt und hinterhererzählt. Viel aufregender ist das zwischen Wohlwollen und Verhasstheit schwankende Vater-und-Sohn-Spiel von Thomas Stipsits und Tristan Göbel (Manuel). Das geht über die Wohltäter-Legende von damals weit hinaus. Die Stadtkomödie "Geschenkt" gräbt sich trotz ihres Weihnachtszuckers mit viel Zynismus und Humor im Schützengräben eines mitreißenden Misanthropen ein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst