Zum ersten Mal reisen Emily und Erik gemeinsam in den Urlaub. Als Pärchen. Eigentlich keine große Sache, doch für die beiden jungen Menschen mit Downsyndrom ist das keine Selbstverständlichkeit.

Babys mit Erbgutstörungen oder Organfehlbildungen haben heute zwar bessere Lebenschancen als je zuvor. Doch nur noch selten werden sie ihnen gewährt. Statistische Zahlen bereits von 2015 untermauern das: Schon vor vier Jahren ließen neun von zehn Frauen bei einer Trisomie einen Abbruch vornehmen. Emily und Erik hätten nach dieser neueren Entwicklung wohl nie das Licht des Lebens erblickt. Doch beide sind nunmehr auch schon über 20 Jahre alt. Und beide sind ineinander verliebt. Nun wollen sie erstmals gemeinsam in den Urlaub fahren. Der berührende Film von Detlev Scholz, der nun im Rahmen von "37°" im Zweiten zu sehen ist, zeigt, dass es für Emily und Erik überhaupt nicht selbstverständlich ist, einfach mal eine Zeit gemeinsam zu sein.

Beide wohnen noch zu Hause bei ihren Eltern, treffen sich nur am Wochenende zu Unternehmungen und zum Übernachten. Wenn Emily mehr will von ihrem "gutaussehenden und klugen" Freund, macht Eriks Mutter sich bereits Sorgen.

Dass die Kinder sich irgendwann von ihren Eltern abkapseln, ist sonst normal. Als junger Mensch mit Downsyndrom erscheint Vergleichbares jedoch ungleich komplizierter. Emily und Erik aber fahren gemeinsam in den Urlaub. Nach Dänemark – in eine Feriendorf für Behinderte. Die Eltern sind nicht dabei. Gut so! Dafür reisen zwei Betreuer mit ihnen. Sie sollen helfen, falls ihre "Schützlinge" tatsächlich an ihre Grenzen stoßen könnten.

Abseits des emotionalen Porträts zweier Menschen, die sich gegenseitig "super" und "lustig" finden, berührt Scholz' Reportage durchaus nachdenklich eine Ebene, die womöglich nur zu gerne ausgeblendet wird. Denn wie steht es eigentlich um eine Welt, in der insgesamt nur noch nach Perfektionismus gestrebt wird? Und in der die pränatale Diagnostik dazu führt, dass Menschen wie Emily und Erik eben nicht an einem Sandstrand gemeinsam herumtollen können. Denn es gäbe sie nicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst