Seit 25 Jahren ist Gundula Gause Co-Moderatorin des "heute-journal" im ZDF. In prisma gibt die 52-Jährige Einblicke in ihre Arbeit und erklärt, wie sie mit schlechten Nachrichten umgeht.

Sie sind als Moderatorin und Redakteurin seit 1989 im ZDF aktiv, präsentieren seit 1993 als Co-Moderatorin den Nachrichtenüberblick im "heute-journal". Wie haben sich die Nachrichten seitdem verändert?

Die Vielfalt an Informationsquellen hat immens zugenommen. Wir sind ein Zahnrad in einer immer vielschichtigeren Kommunikationswelt. Durch die Globalisierung und die Digitalisierung hat sich unsere Arbeit massiv verändert. Ereignisse aus der Ferne, wie die Wahlen in den USA oder das Schicksal der Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar, rücken auf einmal sehr nahe. Auch im Studio hat sich vieles verändert. Wir haben einen digitalen Werkzeugkasten an die Hand bekommen, um mit grafischer Hilfe die Nachrichten verständlicher als früher aufzubereiten.

Was ist das Kriterium einer Meldung, damit sie es ins "heute-journal" schafft?

Sie muss Relevanz und Auswirkungen für einen großen Kreis an Menschen haben und in den Fluss der aktuellen Ereignisse passen.

Sie machen den Nachrichten-Job jetzt seit einem Vierteljahrhundert. Wird die Zeit da nicht reif für etwas Neues?

Das steht nicht an. Ich liebe Kontinuität. Jeder Nachrichten-Tag ist eine neue Herausforderung. In dieser immer vielfältigeren Netzwelt sind vertraute Gesichter ja vielleicht auch ein Anker für die Zuschauer. Neue Herausforderungen suche ich mir eher im Ehrenamt.

Nehmen Sie sich digitale Auszeiten oder stehen Sie ständig unter Strom?

Da legen Sie einen Finger in die Wunde. Ich bin "always on", aber dazu stehe ich. Es fällt mir schwer, die Finger von Smartphone und Laptop zu lassen. Aktuell ist das Weltgeschehen ja auch sehr in Bewegung.

Stichwort "Fake News" und "alternative Fakten": Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?

In der Redaktion diskutieren wir das mit hoher Verve, um erst gar keinen Anlass für solche Vorwürfe zu bieten. Gründliche Recherche, die keine Unwucht in den Meldungen zulässt, ist unser Anspruch.

Gibt es Nachrichtenthemen, die Ihnen sehr nahe gehen?

Die anhaltende Terror-Gefahr sowie der Blick nach Afghanistan machen mir Sorge. Es ist schon so, dass das menschliche Leid der vielen unschuldigen Terroropfer einen belastet.

Wie verarbeitet man diese mitunter brutalen Bilder, die man als Zuschauer ja gar nicht erst zu Gesicht bekommt?

Da gilt das Gebot der distanzierten journalistischen Professionalität. Man sollte sich als Berichterstatter nicht gemein mit einer Sache machen.

Wie haben Sie Claus Kleber kennengelernt?

Wir arbeiten ja nun schon 15 Jahre zusammen. Zuvor kannte ich ihn "nur" über das Fernsehen als ARD-Korrespondenten in den USA. An unserem ersten gemeinsamen Arbeitstag sind wir dann abends noch in eine Mainzer Ur-Kneipe gegangen.

Nie Krach mit ihm gehabt?

Nein, nur wenn er mir eine meiner Nachrichten für seine Anmoderation klaut (lacht). Es ist mir bis heute eine Freude, an seiner Seite arbeiten zu dürfen.

Was bedeuten Ihre Arbeitszeiten für Ihren Familienalltag?

Durch die Arbeit in der Redaktion und Moderation jede zweite Woche inklusive des Wochenendes bin ich schon in der "Hälfte des Lebens" ein Totalausfall. Das gilt für Treffen und Theater sowie Kino und Konzerte. Klar ist das für Familie und Freunde eine Belastung. Da helfen nur ein kategorisches Zeitmanagement und der strukturierte Wahnsinn – und man muss auch mal "nein" sagen können.

Gibt es ein Format, das Sie eines Tages vielleicht doch noch moderieren möchten?

Ich finde es großartig, dass mich das ZDF seit 25 Jahren auf dieser Stelle lässt. Mein Wunsch? Noch einmal 25 Jahre "heute-journal" (lacht).