Dreht man in Deutschland Filme über Beziehungen, wird es in der Regel entweder klamaukig oder todesdramatisch. Selten indes findet man hierzulande die verschwurbelt-komplexe Liebes-Dramedy eines Woody Allen oder eines "Gott des Gemetzels". Doch es geht voran: Mit "Südstadt" zeigt das ZDF nun zur Primetime ein Beziehungsdrama voller Dialogwitz und subtilem Humor. Drei befreundete Paare, die im titelgebenden Kölner Stadtteil in einem Haus leben, verhandeln zwischen Affären, Beruf und Kindern den alltäglichen Wahnsinn des Lebens und Liebens um die 50. Regisseur Matti Geschonneck, dem mit "In Zeiten des abnehmenden Lichts" im letzten Jahr eine gelobte DDR-Tragikomödie gelang, inszeniert "Südstadt" mit einem Starensemble, dem auch Anke Engelke und Andrea Sawatzki angehören.

Eigentlich ist es ein Traum: Seit ihren Zwanzigern leben die Freunde in drei Wohnungen in einem Haus in der "Südstadt". Inzwischen jedoch ist man um die 50, die Stadt ist nicht mehr allzu angesagt, und das eigene Leben muss man samt Beziehungen, Jobs, Kindern und Freundschaften auch auf die Reihe bekommen. Da wären etwa Anne und Martin, deren Ehe nach 20 Jahren vor dem Ende steht. Anke Engelke und Matthias Matschke verleihen dem gescheiterten Paar eine schreiend deprimierende Zwischenmenschlichkeit; noch nie hat man Engelke in einer Rolle so faszinierend versteinert gesehen.

Tatsächlich scheint zwischen beiden nichts mehr zu retten: Anne hat eine Affäre mit ihrem Kollegen Wolf; Martin ist als Akademiker im Beruf gescheitert und schon seit Monaten arbeitslos, was er vor seiner Frau aber geheimhält. Erfolgreicher ist der gute Freund Kai (Alexander Hörbe), der mit seiner Frau Saskia (Bettina Lamprecht) im selben Haus lebt und als Fernsehjournalist arbeitet. Als jedoch auch Saskia nach längerer Kinderbetreuung wieder arbeiten will und Kai sich mehr als Familienvater einbringen soll, scheint das Hängen an Geschlechterklischees die Beziehung und Karriere vor die Wand zu fahren.

Auf den ersten Blick glücklicher scheint die befreundete Notärztin Eva, die im Dachgeschoss lebt und bei einem mit herrlicher Fremdscham inszenierten Abendessen allen Freunden ihren neuen Lover Thomas (Dominic Raacke) vorstellt. Der jedoch will sogleich einziehen – samt Tochter und den Gedanken an seine unaufgearbeitete Ex-Beziehung. Eva, mit Andrea Sawatzki glänzend besetzt, fürchtet um ihre Autonomie als starke Frau.

Wie wollen wir eigentlich leben? Diese Frage stellt "Südstadt" mit Blick auf eine Generation, deren Eltern zumeist noch in alten Traditionen verhaftet waren. Es ist eine Generation, die sich davon losmachen wollte und ein selbstbestimmtes Leben anstrebte. Allein: Im Alltag und unter dem Druck von Beruf, Kindern und Beziehung, hört sich das einfacher an, als es ist. Alte Rollenbilder und Klischees, Vorstellungen von beruflichem Erfolg und Familienleben lassen die Freunde immer wieder aufeinanderprallen. Geschonneck inszeniert diese Widersprüche mit einem hierzulande selten gesehenen Dialogwitz.


Quelle: teleschau – der Mediendienst