"Manche legen mit 60 die Beine hoch", sagte Ulrich Pleitgen vor einigen Jahren zu seinem runden Geburtstag. "Das ist bei mir nicht der Fall. Picasso hat gearbeitet, bis er 90 war." So lange hat es der beliebte Schauspieler nun doch nicht geschafft: Wie jetzt bekannt wurde, verstarb Ulrich Pleitgen bereits am Mittwoch im Alter von 71 Jahren in Hamburg an Herzversagen.

Pleitgen kam 1946 in Hannover zur Welt. "Meine Eltern waren geschieden. Ich bin nur unter Frauen aufgewachsen", erinnerte sich der Schauspieler von einigen Jahren in einem Interview mit der Agentur teleschau an seine Kindheit. "Mutter, Großmutter, Tanten und ich, der Kleine. Wir waren eine Art Elefantenfamilie."

Als junger Mann absolvierte Pleitgen zunächst eine Ausbildung zum Werbekaufmann. "Ich verspürte zwar immer diesen Drang, die große Leidenschaft und das Feuer für die Bühne, aber das musste ja nicht zwangsläufig zum Erfolg führen. Gleich nach der Ausbildung besuchte ich aber die Hochschule für Musik und Theater Hannover." Und das mit Erfolg: Schon bald stand Pleitgen regelmäßig an den großen Theatern in Deutschland und der Schweiz auf der Bühne.

Seinen Durchbruch feierte er allerdings nicht an den Schauspielhäusern, sondern beim Fernsehen. Im Fernsehfilm "Stammheim" über den Prozess gegen die RAF-Mitglieder Baader, Ensslin und Raspe war Pleitgen 1986 als Richter Theodor Prinzing zu sehen und wurde für seinen Auftritt von der Kritik hochgelobt. Wenig später wurde er einem größeren Publikum mit einer Serienrolle bekannt: In "Nicht von schlechten Eltern" spielte Pleitgen von 1992 bis 1997 den Familienvater und Marineadmiral Wolfgang Scherler.

"Die Vaterrolle ist für einen älteren Schauspieler einfach nur logisch. Männer in meinem Alter sind nun mal Väter oder Großväter. Außerdem mag ich Familiengeschichten", erzählte Pleitgen. Zuletzt war er in der ARD-Komödie "Immer Ärger mit Opa Charly" zu sehen – als Ökoaktivist und Großvater.

Pleitgen, der in den Nullerjahren im Krimiformat "K3 – Kripo Hamburg" als Kriminalhauptkommissar Matthias Sander auch einen kantigen Ermittler prägte, hinterlässt einen Sohn und seine Frau, die Schauspielerin Ann-Monika Pleitgen, mit der er seit 1975 liiert war. "Wir haben einerseits vieles gemeinsam. Das stärkt das Vertrauen", erklärte Ulrich Pleitgen das Geheimnis seiner langen Ehe. "Andererseits sind wir in manchen Dingen wiederum sehr unterschiedlich, was natürlich den Reiz erhöht. Außerdem sind wir beide sehr temperamentvoll und streiten auch miteinander. Das ist genauso wichtig wie miteinander zu reden."


Quelle: teleschau – der Mediendienst